Neues Basketball-Team : Die reichen Onkel aus Amerika

Zwei US-Investoren wollen ein Basketball-Spitzenteam in Hamburg installieren – bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

Helen Ruwald,Lars Spannagel

Berlin - Sie sind die klare Nummer eins in Deutschland, sportlich wie finanziell. Mit einer neuen Riesenhalle und kleinen Schritten wollen sich Alba Berlins Basketballer in den nächsten fünf bis zehn Jahren in Europa in den Top 16 etablieren. Nun könnte in absehbarer Zeit in Hamburg von zwei US-Investoren ein Topteam aus dem Boden gestampft werden, das Alba seine Führungsrolle streitig machen könnte. „Mittelfristig wollen die Amerikaner ins Final Four der Europaliga“, sagt Boris Schmidt, der Vorsitzende des Hamburger Basketball-Verbandes. Der Anfangsetat soll angeblich zehn bis zwölf Millionen Euro betragen. Zum Vergleich: Alba will sein Budget bis 2010 von rund 7,5 auf zehn Millionen Euro erhöhen. Albas Geschäftsführer Marco Baldi sieht die Pläne mit Gelassenheit. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt er. Sollte sich tatsächlich langfristig ein Topteam etablieren, „wäre das sehr begrüßenswert.“ Entscheidend ist für Baldi „Nachhaltigkeit. Es darf keine Blase sein, die nach ein, zwei Jahren platzt“.

Am vergangenen Sonntag trafen sich die Investoren Henry Feinberg und Steven M. Julius mit der Spitze der Basketball-Bundesliga (BBL) und hinterließen laut Geschäftsführer Jan Pommer einen „durchweg positiven und ausgesprochen seriösen“ Eindruck. „Sie scheinen sehr vermögend zu sein. Das ist schon mal hilfreich.“ Es ist kein Geheimnis, dass die BBL gerne mehr Teams in Großstädten sähe. Um den Basketballstandort Hamburg zu fördern, hat die Liga ihr Pokal-Final-Four bis 2011 in die Hansestadt vergeben.

Pommer betont, dass es für die Amerikaner keine „Lex Hamburg“ geben wird: „Wir greifen nicht in eine Schublade und holen eine Wild-Card raus.“ Zurzeit besteht die Liga aus 18 Mannschaften, eine zusätzliche 19. werde es nicht geben. Für das neue Team gibt es zwei Möglichkeiten, um an eine Lizenz zu kommen: a) ein Platz wird frei, weil einem anderen Klub die Lizenz entzogen wird oder der sportliche Aufsteiger auf seine Lizenz verzichtet. Oder b) Es gibt einen Standortwechsel; das heißt ein Verein entscheidet sich dafür, nach Hamburg umzuziehen und möglicherweise unter einem neuen Namen, neuer Führung und mit neuer Mannschaft weiterzuspielen.

Ebenfalls ungeklärt ist, wo das neue Team spielen könnte: Mit der Color-Line-Arena verfügt Hamburg zwar über eine moderne Großhalle, die allerdings mit den Freezers (Eishockey) und dem HSV Hamburg (Handball) weitgehend ausgebucht ist. Als Alternative begutachteten Feinberg und Julius die rund 5000 Zuschauer fassende Sporthalle Hamburg. „Die Herren haben sehr relaxed auf alle Einschränkungen reagiert,“ sagt Pommer. Bis Ende des Jahres wollen Feinberg und Julius entscheiden, ob sie ihre Pläne wirklich umsetzen. „Zu 50 Prozent werden sie es tun“, sagt Boris Schmidt. Problematisch könne das Gewinnstreben der Amerikaner sein, „Es ist schwierig, mit Basketball in Deutschland Geld zu verdienen, aber in der europäischen Spitze ist es nicht unmöglich.“

Unterstützt werden die Investoren von einem Beraterteam um den ehemaligen Bundesligatrainer Don Beck und Ex-Nationalspieler Denis Wucherer. Doch trotz ihres Einsatzes glaubt Baldi nicht, dass Hamburg schon 2009 Bundesligastandort sein könnte. Es sei vor Jahren bewusst entschieden worden, dass Investoren „nicht in der Bezirksliga anfangen müssen und dann zwölf Jahre brauchen, bis sie oben sind. Aber ganz ruckzuck geht es nicht.“ Alba dürfte noch eine Weile die Nummer eins bleiben.Seite 20

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