Sport : Nicht ohne meine Haare

Der wegen Dopings gesperrte Tänzer Segatori will nun erlaubte Mittel nehmen

Dagny Lüdemann

Berlin - Simone Segatori ist sich keiner Schuld bewusst. Der wegen Dopings vom Sportgericht des Deutschen Tanzsportverbandes (DTV) für drei Monate gesperrte Standard-Tänzer will nicht gewusst haben, dass er ein verbotenes Mittel nimmt. Bei Kontrollen während der deutschen Meisterschaften in Leipzig war bei Segatori der Wirkstoff „Finasterid“ nachgewiesen worden. Finasterid ist in dem Haarwuchsmittel „Propecia“ enthalten und steht auf der Dopingliste der internationalen Anti-Doping-Agentur „Wada“.

Schon im November 2005 war der Stoff bei dem Fußballer Nemanja Vucicevic vom TSV 1860 München festgestellt worden, der daraufhin für sechs Monate gesperrt wurde. Finasterid selbst ist zwar nicht leistungssteigernd, kann die Nachweisbarkeit anderer Dopingmittel aber erschweren. Als „maskierende Substanz“ ist es für Leistungssportler verboten.

„Ich habe meinen Arzt drei Mal gefragt, ob ich das Haarwuchsmittel bedenkenlos nehmen kann, und ihm gesagt, dass ich Leistungssportler bin“, sagte Segatori dem Tagesspiegel. „Der Arzt versicherte mir, es enthalte nur Mineralstoffe und Vitamine.“ Allerdings ist das Medikament verschreibungspflichtig. „Segatori nahm Propecia aufgrund einer hautärztlichen Diagnose“, sagte der Anwalt des Sportlers, Sebastian Frahm. Sein Mandant habe stets darauf geachtet, keine verbotenen Medikamente zu nehmen. Bestimmte Asthmamittel habe er sich extra von der Nationalen Anti-Doping-Agentur genehmigen lassen. „Das Problem ist, dass das Medikament anders heißt als der Stoff, der auf der Dopingliste steht“, sagte Frahm. Auf Nachfrage bestätigten zwei Berliner Apothekerinnen allerdings, dass bei Propecia – das unter diesem Namen in Deutschland nur von der Firma MSD verkauft werde – auch der Wirkstoff Finasterid auf der Packung angegeben ist. Auch unter www.propecia.com wird auf den Wirkstoff hingewiesen. Segatoris Hautarzt soll dies trotz mehrerer Nachfragen seines Patienten versäumt haben. „Wir prüfen rechtliche Schritte gegen ihn“, sagte Frahm.

Auch Alfons Goebel, Vorsitzender von Segatoris Verein „TGC Redoute Koblenz“ ist dafür, gegen den Arzt vorzugehen. „Segatori hat ihm vertraut und ist hereingefallen“, sagte Goebel. Der Fall schade auch dem Ruf des Tanzvereins. „Wir stehen voll und ganz hinter dem Paar und sind überzeugt, dass Herr Segatori nicht betrügen wollte“, betonte Goebel. Doping spiele im Tanzsport ohnehin keine Rolle, da man die Leistung dadurch nicht steigern könne.

Segatori selbst sagte: „Auch das Gericht ist davon überzeugt, dass ich mit dem Wirkstoff nicht die Einnahme leistungssteigernder Substanzen verdecken wollte. Es wurden auch keine solchen Dopingmittel in meiner Probe gefunden. Es ist also eigentlich kein richtiger Dopingfall.“ Nach Ablauf der Sperre Mitte März will er mit seiner Tanzpartnerin Annette Sudol beim Grand Slam in Tokio antreten. Auch für den Erhalt seiner Haare will der Sportler weiterkämpfen: „Ich werde einen anderen Arzt fragen, welche Mittel ich nehmen könnte, ohne dass ich unter Dopingverdacht gerate“, sagte der gebürtige Italiener. „Der Haarausfall ist bei mir genetisch bedingt – und ich habe keine Lust, mit 24 Jahren mit einer Glatze herumzulaufen.“

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