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Niedersachsen-Derby : Rekordaufgebot der Polizei

Nach den Ausschreitungen im Hinspiel rüsten sich Eintracht Braunschweig, Hannover 96 und die Polizei für das zweite Niedersachsen-Derby. Die 96 wurden vom DFB für die Vorkommnisse im November zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro verurteilt

Leicht entflammbar. Das Niedersachsen-Derby ist ein Hochrisikospiel.
Leicht entflammbar. Das Niedersachsen-Derby ist ein Hochrisikospiel.Foto: Imago

Schweineköpfe und Innereien auf einem S-Bahnsteig, Straßenschlachten und Jagdszenen in der Stadt, eine mehr als halbstündige Pyrotechnik-Orgie im Stadion: Die Begleiterscheinungen des Niedersachsen-Derbys in Hannover sind nachhaltig in Erinnerung geblieben . Ein Rekord-Aufgebot der Polizei soll nun eine Wiederholung verhindern. Für das Rückspiel zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 am Sonntag wappnen sich die Behörden mit dem größten Aufgebot an Sicherheitskräften, das es bisher bei einem Fußballspiel in Braunschweig gegeben hat.
„Es war beschämend“, sag te 96- Klubchef Martin Kind nach der Partie im vorigen November. Der niedersächsische Innenministers Boris Pistorius sprach von „ungezügelter und blindwütiger gezielter Gewalt“. Am Sonntag sind insgesamt 3000 Polizisten aus den verschiedensten Bundesländern und Bereichen im Einsatz, um ähnliche Szene zu verhindern. Angesichts von 23.200 Zuschauern ist auch das Verhältnis Publikum/Polizei rekordverdächtig.

Hannover 96 muss nun auch finanziell für die Fan-Randale im November büßen. Der Klub muss 50.000 Euro Geldstrafe bezahlen und erhält eine Auflage von weiteren 50.000 Euro. Dies urteilte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die Eintracht war schon zuvor zu einer Strafe in Höhe von ebenfalls 50.000 Euro und einer Auflage von 20.000 verdonnert worden. Das Sportgericht sprach von fortgesetztem unsportlichen Verhalten. Die Auflagensumme soll „in erster Linie im Hinblick auf das Bundesliga-Derby bei Eintracht Braunschweig für Projekte und Maßnahmen zur Gewaltprävention“ aufgewendet werden. Hannover hat dem Urteil zugestimmt, es ist damit rechtskräftig.
„Wir hoffen, dass es mit Hilfe der Polizei friedlich bleibt“, sagte 96-Manager Dirk Dufner mit Blick auf das Duell am Sonntag. Aber nicht nur sein Braunschweiger Kollege Marc Arnold ahnt: „Es gibt einige Unverbesserliche, die man nicht einfangen kann.“ Dass die Masse der Fußballfans kein Interesse an der Randale hat, ist unbestritten. Das gilt bei aller sportlichen Rivalität und aller zusätzlichen Brisanz durch den Abstiegskampf auch für das Niedersachsen-Duell. Die Gefahr droht jedoch wieder von einer Minderheit. Von „Kriminellen“, wie der Innenminister sie nennt, „denen es nur um Gewalt geht“.
Im Eintracht-Stadion dürfte die Zahl dieser Kriminellen geringer als im Hinspiel sein - nicht nur wegen der nicht einmal halb so großen Arena. So hat Hannover 96 die 2280 Karten für den Gästeblock unter allen Inhabern von Dauerkarten verlost und die Käufer zu einer gemeinsamen Anfahrt in fast 50 Bussen verpflichtet: Die Tickets werden erst dort gegen Vorlage der Personalausweise ausgegeben.

Die vom Verein bestellten Fahrzeuge werden mit Polizei-Eskorten von Hannover bis in das 70 Kilometer entfernte Braunschweig begleitet. Die Anfahrt erfolgt nicht in einem Konvoi, sondern in kleineren Kolonnen. So sollen nach Angaben der Polizei die Ströme der Fans kanalisiert werden. Die ungewöhnliche Anreise basiert auf Absprachen zwischen Ministerium, Polizei und den beiden Vereinen.
Dieses Paket an Sicherheitsmaßnahmen stößt bei einem kleinen Teil der Fans auf heftige Ablehnung. Ein Antrag auf einstweilige Verfügung wurde vom Amtsgericht Hannover vorerst gestoppt. Der Klub sieht sich durch die juristischen Scharmützel eher bestätigt. 96-Chef Kind kündigte an, Auswärtsdauerkarten für die nächste Saison streichen zu wollen.
Es bleibt vor allem die Gefahr außerhalb des Stadions. 96-Ultras haben eine Demonstration angemeldet und rechnen mit 500 Teilnehmern. Sie wollen vom Hauptbahnhof Braunschweig in die Innenstadt ziehen und gegen eine angebliche Einschränkung der Reisefreiheit demonstrieren.
„Wir gehen von jeweils bis zu 1000 Personen aus der Gewaltszene aus“, erklärte Roger Fladung, der Einsatzleiter der Braunschweiger Polizei. Die Beamten müssen sich auch „um Personen kümmern, die sich vermutlich im Stadtgebiet aufhalten werden, die aber kein Interesse am Fußball und keine Eintrittskarten haben“. (dpa)

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