NOlympia-Gründer Hartmann : "Berlin muss die Bürger fragen"

NOlympia-Gründer Ludwig Hartmann spricht im Tagesspiegel-Interview über die Chancen für Olympia in Deutschland und was Klaus Wowereit machen müsste, um die Berliner von Sommerspielen in ihrer Stadt zu überzeugen.

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Ludwig Hartmann, 35, ist Abgeordneter der Grünen im bayerischen Landtag. Er ist Gründer des Netzwerkes "NOlympia", das eine erneute Münchner Olympia-Bewerbung verhindert hat.
Ludwig Hartmann, 35, ist Abgeordneter der Grünen im bayerischen Landtag. Er ist Gründer des Netzwerkes "NOlympia", das eine...Foto: dpa

Herr Hartmann, nach den Spielen ist vor den Spielen: Der Regierende Bürgermeistern Klaus Wowereit hält Berlin nun für eine gute Wahl für Sommerspiele, sehen Sie das genauso?

Die Bürger in München haben nicht gegen den Sport gestimmt, sondern sie haben gegen die Bedingungen des IOCs gestimmt. Dagegen, dass man sich auf die Gewinne Steuerfreiheit garantieren lässt in den Ländern, in denen man die Spiele ausrichtet. Dagegen, dass man die Spiele immer mehr der Profitgier untergeordnet hat. Das ist bei den IOC-Sommerspielen genauso. Ich würde deshalb bezweifeln, dass man dafür eine Mehrheit bei den Bürgern bekommen kann.

Manche Sportfunktionäre scheinen das noch nicht verstanden zu haben.

Ja, man spürt deutlich: Die wollen das noch nicht wahrhaben. Die Bürgerinnen und Bürger haben gegen die Profitgier und die klassischen Sportlobbyisten gestimmt, die immer und immer wieder versucht haben klarzumachen, dass man durch die Olympischen Spiele einen Imagegewinn hätte – die Welt schaut zu, und es kostet sogar nichts. Doch für die Bürger in München hätte ein Imagegewinn auch höhere Mieten bedeutet – das haben sie gesehen.

Reaktionen zum Nein zu Münchens Olympia-Bewerbung 2022
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sieht das klare Veto der Bürger gegen eine Münchner Bewerbung als Rückschlag für die Idee der Olympischen Spiele in Deutschland. Das sagte Wowereits Sprecher Richard Meng am Montag. Die Hauptstadt gilt als möglicher Kandidat für die Ausrichtung Olympischer Sommerspiele. Die Entscheidung gegen eine Winter-Bewerbung bedeute aber nicht zwangsläufig bessere Chancen für Berlin, sagte Meng. Es sei völlig offen, wann und ob sich Deutschland wieder für Sommerspiele bewerben werde. „Wenn es eine Grundsatzentscheidung dafür gibt, ist Berlin immer eine gute Option.“ (dpa)
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11.11.2013 14:27Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sieht das klare Veto der Bürger gegen eine Münchner Bewerbung als...

Der Präsident des Berliner Landessportbundes, Klaus Böger glaubt, dass es sich nur reiche Städte leisten könnten, auf Olympische Spiele zu verzichten. Ist München zu reich?

Ich würde es eher umdrehen, und sagen, man muss schon eine verdammt reiche Stadt sein, wenn man sich Olympische Spiele leisten will. London 2012 hat mit einer Kostenschätzung von drei Milliarden angefangen und lag dann offiziell bei 11,1 Milliarden. Da kann ich mir bei Berlin nicht gerade vorstellen, wie die Stadt das umsetzen will. Die hat erstmal genug Probleme mit ihrem Großflughafen.

Vielleicht würden die Berliner ganz anders abstimmen als die Münchner?

Ich kann es mir nicht vorstellen.

Man muss ja als Olympiabefürworter den Verbänden fast empfehlen, keine Bürgerbefragung durchzuführen, weil eine Mehrheit schwer zu bekommen ist.

In bayerischen Kommunen ist es relativ einfach eine bindende Bürgerbefragung durchzusetzen, dieses Instrument ist Gott sei Dank bei uns drin. Wir hatten ja beim letzten Mal in Garmisch-Partenkirchen auch eine Bürgerbefragung durchgesetzt, gegen den Willen der Befürworter. Damals waren wir noch knapp unterlegen. Ich kenne jetzt nicht die rechtlichen Möglichkeiten in Berlin, aber gab es dort nicht auch gerade erst ein Bürgerbegehren zum Stromnetz …?