NPD-Abgeordneter als Jugendcoach : Der Trainer mit dem Hitlerbart

Lutz Battke sitzt für die NPD im Kreistag des Burgenlandkreises - und trainiert den Fußballnachwuchs des Lauchaer BSC 99. Das tut er bereits mehr als zehn Jahre. Doch erst jetzt reagieren die Sportverbände.

Martin Einsiedler
Lutz Battke spricht nicht mit den "Medien der BRD".
Lutz Battke spricht nicht mit den "Medien der BRD".Foto: Wißenbach

Lutz Battke sieht aus wie eine Karikatur. Battke trägt die Haare vorne kurz, hinten lang, er trägt einen Hitlerbart und spricht einen breiten sächsisch-anhaltinischen Dialekt. Und Battke ist bekannt, so sehr, dass er in den letzten Tagen „für die Medien der BRD“, wie er sagt, nicht mehr zur Verfügung stand. Und nicht ganz ohne Stolz in der Stimme fügt er an: „Ich werde nach den Erfahrungen der letzten Wochen jetzt erst einmal nur noch mit der ausländischen Presse reden.“

Selbst das Ausland interessiert sich also schon für ihn und sein Dorf Laucha an der Unstrut im Burgenlandkreis. Seit dem 16. April nämlich hat Laucha, ein 3000-Einwohner-Dorf in Sachsen-Anhalt, unrühmliche Bekanntheit erlangt. An diesem Tag wurde ein 17 Jahre alter Jude von Alexander P., 20, brutal zusammengeschlagen. Das Wort „Judenschwein“ soll gefallen sein. Die Presse wurde aufmerksam, und bald fand sich eine weitere Geschichte. Sie drängte sich auch auf. Die Geschichte des Lutz Battke. Dieser steht zwar in keinem direkten Zusammenhang mit der Tat. Doch der Täter stammt aus demselben Fußballverein, in dem Battke die F-Jugend trainiert.

Battke sieht nicht nur rechts aus, er ist es auch. „Er sitzt für die NPD im Kreistag, nimmt an NPD-Demos teil und gehörte zu den Aktivisten der Gedenkfeiern für die Mörder von Walther Rathenau in Bad Kösen“, erzählt Torsten Hahnel, einer von zwei Mitarbeitern der Arbeitsstelle Rechtsextremismus beim Verein „Miteinander“ in Halle. Battke findet in dem Dorf, in dem die NPD regelmäßig zweistellige Wahlergebnisse erreicht, durchaus Zuspruch. Das bestätigt auch Dorfpfarrerin Anne-Christina Wegner: „Er organisiert sich hier seine Unterstützung.“ Und dann erzählt sie, dass es in Laucha schon mal vorkomme, dass der Busfahrer den Hitlergruß macht. „Trotzdem ärgere ich mich sehr über die Stigmatisierung unserer Gemeinschaft, die eben nicht nur aus Rechtsradikalen besteht“, sagt Wegner.

Thorsten Hahnel echauffiert sich: „Dass Battke eine Vorbildfunktion als Trainer einer F-Jugend-Mannschaft ausüben kann, ist nicht hinnehmbar. Die Organisationen des Sports haben die Problematik viel zu spät ernst genommen.“ Inzwischen aber nehmen sie sie ernst. Die Nachricht von dem Mann, der für die NPD im Kreistag sitzt und F-Jugendliche trainiert, kam spät, aber irgendwann ganz oben an. Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Der, so war es vor wenigen Tagen zu lesen, erhöht nun den Druck auf den Landessportbund (LSB) Sachsen-Anhalt. DOSB-Präsident Thomas Bach hat den Landessportbund schriftlich aufgefordert, den Lauchaer BSC 99 zu einer Trennung von Battke zu bewegen. Landes-Sportminister Norbert Bischoff (SPD) kritisierte die zögerliche Haltung des Landessportbundes: „Ich bin davon ausgegangen, dass der LSB da schon länger seine Fühler ausgestreckt hat.“ Hatte er aber nicht. Nun aber wollen sie dort ganz schnell reagieren.

„Im September werden wir eine Satzung mit neuen Passagen für den LSB Sachsen-Anhalt und seinen angegliederten Vereinen auf den Weg bringen. Sollte der Verein die neuen Satzungen nicht akzeptieren, gäbe es Druckmittel wie den Entzug von Fördergeldern“, sagt LSB-Präsident Andreas Silbersack. Er verhehlt nicht, „dass wir darauf etwas früher hätten reagieren können“. Denn Battke trainiert den Lauchaer Nachwuchs bereits mehr als zehn Jahre, das Bärtchen und den Sitz im Kreistag hat er auch schon lange. Vom LSB oder den übergeordneten Fußballverbänden interessierte sich bis vor kurzem niemand für den Fall. So verwundert es nicht, dass beim Lauchaer BSC 99 der Aktionismus auf sportorganisatorischer Ebene auf Unverständnis stößt, etwa bei Vereinspräsident Klaus Wege. „Battke hat im Verein die volle Rückendeckung, weil wir das Ganze nicht als Politikum sehen“, sagt der Vereinschef, „ich weiß auch nicht, ob eine Satzungsänderung im Nachhinein so einfach möglich ist.“

Am kommenden Freitag werde man sich im Verein mit dem Thema befassen, teilt Wege mit. Battke wird wohl trotz vereinsinterner Unterstützung bald zum letzten Mal die F-Jugend des BSC 99 trainieren. Sonst würden die Sponsoren abspringen, sagt ein Trainerkollege Battkes, der aufgrund der „ausschließlich negativen Berichterstattung“ nicht genannt werden will. Das sei alles sehr schade. Er könne nur Gutes über ihn berichten, er sei nie negativ aufgefallen, und die Kinder würden gerne ins Training gehen.

Battke fühlt sich durch solche Aussagen in seiner Rolle als Opfer einer gezielten Kampagne von Medien und Politik bestätigt. Ungefragt spricht er dann doch noch mit den „Medien der BRD“. Es sprudelt geradezu aus ihm heraus. Er sei nun ein gebrandmarktes Kind, und rechtsextrem, nein, das sei er nun wirklich nicht. „Da können Sie alle hier im Verein fragen.“ Am Ende des Monologs fällt es ihm wieder ein: „Es tut mir leid, ich möchte wirklich nichts mehr dazu sagen. Melden Sie sich in drei oder vier Wochen wieder.“ Gut möglich, dass sich dann niemand mehr bei ihm melden wird. Die Geschichte vom F-Jugendtrainer mit dem Hitlerbart dürfte dann vorbei sein. Vielleicht findet sie sich dann noch als Randnotiz wieder, irgendwo im Ausland.

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