Ofsayt - Die Fußballkolumne aus der Türkei : Drogba und der Kaiser

Galatasaray-Stürmer Didier Drogba genießt auch über seinen Verein hinaus Heldenstatus in der Türkei. Doch zuletzt musste er sich Kritik von Franz Beckenbauer gefallen lassen - und reagierte darauf auf seine Weise.

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Der Chef hält Hof. Didier Drogba ist bei Galatasaray nicht nur Sturmführer. Foto: AFP
Der Chef hält Hof. Didier Drogba ist bei Galatasaray nicht nur Sturmführer.Foto: AFP

Noch nicht einmal ein Jahr spielt Didier Drogba beim Türkischen Meister Galatasaray, doch der 35-jährige Ex-Chelsea-Stürmer ist in der Türkei längst ein Superstar. Am vergangenen Wochenende erzielte er beim 4:2-Auswärtssieg seiner Mannschaft im zentralanatolischen Kayseri einen viel umjubelten Freistoßtreffer, seinen ersten überhaupt für die Istanbuler. Der Angreifer von der Elfenbeinküste jagte den Ball aus 29 Metern mit 103 Stundenkilometern ins Netz.

Aber nicht deshalb sorgte Drogba für Schlagzeilen. Eine kurze Ansprache, für die Drogba die Mannschaft vor dem Spiel beim Aufwärmen auf dem Platz zusammen trommelte, erregte die Aufmerksamkeit der Beobachter. Bei der Champions-League-Begegnung kürzlich gegen Kopenhagen hatte Drogba vor aller Augen eine ähnliche Rede an die Spieler gehalten und damit den Zorn von Franz Beckenbauer erregt. Bei Sky empörte sich der „Kaiser“, Drogbas Verhalten sei eine Unverschämtheit und ein Affront gegen Galatasaray-Trainer Roberto Mancini.

Nun gehören Rituale zum Fußball. Manche Teams versammeln sich vor wichtigen Spielen zum kreisrunden Pow-Wow, um sich selbst Mut und dem Gegner Angst zu machen. Ohne die Kommentare des "Kaisers" wären Drogbas Anweisungen an seine Teamkameraden wohl kaum ein Thema geworden, zumal der Ivorer laut Medienberichten seine Ansprache an die Mannschaft übersetzen lassen muss, weil seine türkischen Sprachkenntnisse begrenzt sind.

Doch Beckenbauer hat auch bei türkischen Fans einen Ruf wie Donnerhall, weshalb seine Kritik an Drogba in der Türkei breit diskutiert wurde. Drogba antwortete dem deutschen "Kaiser" auf seine Weise und rief in Kayseri die neuerliche Mannschaftsversammlung zusammen. Der Stürmer trägt bei Galatasaray zwar nicht die Kapitänsbinde, ist aber eine unumstrittene Führungsfigur.

Mancini hat übrigens nichts gegen Drogbas Reden auf dem Rasen. Er selbst habe als Spieler auch Führungsaufgaben übernommen, sagte der Trainer nach dem Spiel in Kayseri. Drogbas Verhalten sei völlig normal. Mancini hat ohnehin keinen Grund zur Klage: Galatasaray gewann nach Drogbas Spielfeld-Parolen sowohl das Spiel gegen Kopenhagen als auch das gegen Kayseri.

Mit der Verpflichtung des Torjägers Anfang des Jahres hatte Galatasaray seine internationalen Ambitionen unterstrichen. In der Champions Leage liegen die Türken derzeit hinter Real Madrid auf dem zweiten Platz der Gruppe B. Am Bosporus selbst wurde Drogba zusammen mit Neuzugang Wesley Sneijder zum Publikumsmagneten: Der Verkauf von Mannschaftstrikots von Galatasaray schoss dank der beiden in die Höhe.

Trotz Drogbas für einen Profi fortgeschrittenen Alters will Galatasaray auch in den kommenden Jahren auf den Ivorer zählen können; derzeit ist Drogba in Istanbul nur noch bis Ende der Saison unter Vertrag. Vereinspräsident Ünal Aysal sagte, er werde Drogba ein neues Angebot machen, das dieser wahrscheinlich nicht ablehnen werde. Drogba erwiderte nach Medienberichten, er sei jederzeit zu einer Vertragsverlängerung bereit. Der "Kaiser" wird sich wahrscheinlich weiter über Drogba ärgern können.

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