Sport : Ohne Herz am Abgrund

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Wie konnte das passieren? Wie kann man ein Spitzenspiel gegen den erklärten Erzfeind mit 51 Punkten Differenz verlieren? Wo war die Leidenschaft, die eigentlich vorhandene spielerische Klasse, der Kampfgeist? Einen Tag nach der desaströsen 52:103-Niederlage in Bamberg hatten Albas Basketballer am Sonntag viel Zeit, um über diesen Fragen zu brüten. Trainer und Mannschaft traten die lange Reise ins russische Samara an, wo die Berliner am Dienstag im Eurocup spielen; Albas Geschäftsführer Marco Baldi reiste aus familiären Gründen nach Brasilien. Im Flugzeug konnten sich Spieler und Verantwortliche in aller Ruhe den schauerlichen Samstagabend noch mal vor Augen führen – und über Konsequenzen nachdenken. Denn ohne Folgen darf eine Vorstellung wie die in Bamberg nicht bleiben.

Damit ist nicht unbedingt gemeint, dass Albas Trainer Luka Pavicevic seinen Job verlieren sollte – auch wenn das scheinbar nahe liegt. Der Serbe steht für taktische Klarheit und strukturierten Basketball. Ein großer Motivator ist er aber nicht, das zeigte sich gegen Bamberg einmal mehr. Anders ist es nicht zu erklären, dass sich Albas Spieler dermaßen aufgaben.

Die dritte Bundesliganiederlage in Folge war gleichzeitig die höchste der Vereinsgeschichte. Es schien jedoch niemandem im blauen Trikot klar zu sein, in welchen Abgrund man sich gerade von den zugegebenermaßen exzellenten Bambergern stoßen ließ. Dabei waren zum Saisonstart in Patrick Femerling und Sven Schultze zwei mitreißende Kämpfertypen verpflichtet worden – die in Bamberg allerdings hauptsächlich auf der Bank saßen.

Luka Pavicevic muss nun beweisen, dass er nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen der Spieler erreichen kann – gerade, wenn es schlecht läuft. Momentan wirkt der Trainer alleingelassen, diesen Eindruck muss auch das Team mit Leidenschaft und Willenskraft revidieren. Im Moment scheint es für einige der Spieler nichts Besonderes mehr zu sein, für Alba zu spielen. Das spüren auch die Gegner.

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