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Olympia ohne Ringen : Olympia ohne Ringen - Leipold ist "schockiert"

Ringen soll 2020 aus dem Olympischen Programm verschwinden. Tagesspiegel-Online sprach darüber mit Deutschlands bekanntestem Ringer Alexander Leipold.

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Alexander Leipold, 43, war zweimaliger Weltmeister im Freistilringen und darf sich nach der wegen eines umstrittenen Dopingfalls aberkannten Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2000, jetzt Sieger der Olympischen Spiele nennen.
Alexander Leipold, 43, war zweimaliger Weltmeister im Freistilringen und darf sich nach der wegen eines umstrittenen Dopingfalls...Foto: dpa

Herr Leipold, die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees zählt Ringen nicht mehr zu den olympischen Kernsportarten, es könnte 2020 aus dem olympischen Programm verschwinden.

Das schockiert mich jetzt schon. Es gab zwar immer wieder Diskussionen, zum Beispiel eine Stilart wie Griechisch-Römisch zu streichen. Aber vor kurzem sind doch erst die Frauen beim Ringen olympisch geworden.

Gab es in der Ringerszene keine Gespräche über einen drohenden Ausschluss?

Erst vor kurzem war ich bei einer Trainerweiterbildung, bei der auch Raphael Martinetti anwesend war, der Präsident des Weltringerverbandes Fila. Aber das war überhaupt kein Thema. Ich kann nur hoffen, dass die Entscheidung des IOC nicht endgültig ist. Ringen war doch schon in der Antike olympisch. Und bei den Spielen der Moderne waren wir von Anfang an dabei, seit 1896.

Wie erklären Sie sich denn den möglichen Rauswurf durch das IOC?

Eigentlich habe ich keine Erklärung. Bei den Spielen in London war die Halle jeden Tag voll, die Stimmung war super. Wenn ein IOC-Mitglied in der Halle war, kann ich mir nicht vorstellen, dass es nicht begeistert war. Ringen zielt als Kampfsportart nicht darauf ab, den Gegner zu verletzen. Ringen ist Integration, Ringen ist Prävention. Wenn ich über die Gründe sprechen würde, müsste ich wirklich spekulieren.

Das IOC sieht wohl die Perspektiven für die Vermarktung und für die Zuschauerzahlen nicht.

Das ist erstaunlich. Es gibt Länder, in denen Ringen sogar die Sportart Nummer eins ist. Etwa in Aserbaidschan oder im Iran. Da werden Ringer wie Volkshelden behandelt. Auch in der Türkei und in den USA ist Ringen riesengroß. In den USA kommen 10.000 bis 20.000 Leute zu den größten Wettkämpfen. Schon in der High-School und im College wird gerungen. Obama hat die Ringer in ihrem olympischen Trainingscamp besucht. Und George Washington war auch schon Ringer. Jedes Land hat doch seine Eigenarten. In Aserbaidschan würden sie sich totlachen, wenn man ihnen sagen würde, wie viel Leute in Deutschland Biathlon gucken.

Die Fragen stellte Friedhard Teuffel.

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