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Olympische Spiele 2008 : IOC weist Bericht über verschwiegene Dopingtests zurück

Die ARD berichtet, bei Nachtests sei das verbotene Clenbuterol gefunden, aber nicht geahndet worden. Das IOC weist diese Vorwürfe zurück. Die Welt-Anti-Doping-Agentur verteigt das Vorgehen.

Bei Nachproben fanden Doping-Fahnder bei vielen Athleten Spuren von Clenbuterol.
Bei Nachproben fanden Doping-Fahnder bei vielen Athleten Spuren von Clenbuterol.Foto: Patrick Seeger/dpa

Das Internationale Olympische Komitee soll einem ARD-Bericht zufolge Dopingproben mit dem verbotenen Clenbuterol von mutmaßlich jamaikanischen Sprintern verschwiegen und die Fälle nicht weiter verfolgt haben. Die angeblich positiven Nachtests der Olympischen Spiele 2008 seien trotz der Clenbuterol-Funde als negativ angesehen worden. Wie die Sportschau am Sonntag berichtete, habe die ARD-Dopingredaktion davon im Herbst 2016 durch einen Hinweis aus IOC-Kreisen erfahren.

Das IOC betonte in einer Stellungnahme am Sonntag, diese Fälle mit nur geringfügigen Clenbuterol-Werten in Übereinstimmung mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) eingestellt zu haben. „Bei der Analyse der eingelagerten Urin-Proben der Peking-Spiele 2008 sind vom Labor eine Anzahl von Fällen von Athleten mehrerer Länder und verschiedener Sportarten mit einem sehr geringen Level von Clenbuterol analysiert worden“, hieß es in der IOC-Erklärung. Um diese unschuldigen Athleten zu schützen, könnten keine weiteren Details über sie genannt, aber das Verfahren erklärt werden.

„Das IOC hat sorgfältig darüber nachgedacht, wie man in diesen Fällen vorgehen soll“, hieß es in dem Statement. Deshalb sei die Wada in den Entscheidungsprozess voll eingebunden gewesen. Nachdem die Wada „keine konstanten Muster des Missbrauchs mit Clenbuterol“ entdecken konnte, sei es angemessen gewesen, diese Fälle nicht weiter zu verfolgen. Alle Analysen hätten Werte unter 1 Nanogramm pro Milliliter ergeben, was im Bereich möglicher Fleisch-Kontaminierung mit Clenbuterol liege.

"Sportler dürfen nicht die Beweislast tragen"

Unterdessen forderte die Wada, dass Sportler nach positiven Dopingtests auf Clenbuterol „nicht die Beweislast tragen“ dürfen, dass die verbotene Substanz nach Fleischverzehr in sogenannten Risiko-Ländern in ihren Körper gelangt sei. In bestimmten Ländern, vor allem in China, sei die Kontaminierung von Fleisch mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol erheblich. Der Fleischgenuss durch Athleten, die bei Wettkämpfen oder zum Training in China oder anderen Ländern weilten, habe seit 2010 schon in hunderten Fällen zu auffälligen Werten und damit zu Sanktionen geführt.

Ihre Unschuld zum Teil noch nach acht Jahren nun selbst beweisen zu müssen, sei für die Athleten „unzumutbar“, heißt es in der Erklärung. „Die pharmakologische Zuführung von Clenbuterol für Dopingzwecke wird nicht ungestraft bleiben“, stellte die WADA jedoch klar. „Wir werden weiterhin in die Forschung investieren, um dieses Problem so schnell wie möglich zu lösen“, sagte WADA-Generaldirektor Olivier Niggli.

Clenbuterol wird in der Kälbermast eingesetzt

Clenbuterol ist unter anderem in China als Mittel zur Kälbermast weit verbreitet. Eine Urinprobe des deutschen Tischtennis-Profis Dimitrij Ovtcharov hatte 2010 nach dem Verzehr von verseuchtem Fleisch in China Spuren von Clenbuterol enthalten. Der Sportler war damals mit Zustimmung der Wada freigesprochen worden.

Wenn die Clenbuterol-Werte in Proben mit Lebensmittel-Kontamination erklärbar seien, dann könne von der Wada akzeptiert werden, „dass solche Fälle nicht gemeldet werden“, sagte Wada-Generaldirektor Olivier Niggli der ARD, schränkte aber ein: „Natürlich ist das nicht schön. Wenn man dopt, ein Betrüger ist, ist das eine perfekte Ausrede, sofern man erwischt wird. Aber so ist es eben.“

Wie die ARD hingegen berichtet, sei es bei den Spielen 2008 wegen der strengen Sicherheitsmaßnahmen und der akribischen Überwachung von Nahrungsmitteln höchst unwahrscheinlich gewesen, dass Athleten in Peking Opfer chinesischer Tiermast-Praktiken geworden sein könnten. Bei den Peking-Spielen gab es einen offiziellen Clenbuterol-Dopingfall: Der polnische Kanute Adam Seroczynski wurde vom IOC für zwei Jahre gesperrt.

Das IOC hat zwar die Clenbuterol-Fälle wegen der niedrigen Werte nicht geahndet, nimmt aber die auffälligen Proben zum Anlass für Nachkontrollen der betreffenden Athleten. „Zuerst werden alle Proben dieser Sportler von den Sommerspielen 2012 in London Nachtests unterzogen“, teilte die Organisation mit. Außerdem würden diese Athleten auch zielgerichtet für die Zeit vor und während der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro überprüft. (dpa)

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