Sport : Olympischer Dreikampf

München 2018 dürfte heute Kandidatenstatus erhalten – trotz Kritik

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Kleben für Olympia. Ein Helfer befestigt das Logo der Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 auf einen Plakatträger. Foto: dpa Foto: dpa
Kleben für Olympia. Ein Helfer befestigt das Logo der Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 auf einen Plakatträger. Foto:...Foto: dpa

Berlin - Wenn es um München geht in diesen Tagen, scheint Leipzig nicht weit zu sein. „Dass die Entscheidung am Dienstag nicht nur pro forma ist, hat man mit Leipzig erlebt“, sagt etwa Michael Vesper, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Leipzig muss als abschreckendes Beispiel dafür herhalten, dass es schon früh schief gehen kann mit einer Olympiabewerbung. 2004 war Leipzig in der Vorauswahl um die Sommerspiele 2012 gescheitert. Zu klein sei die sächsische Stadt, befand das Internationale Olympische Komitee (IOC), um in die engere Auswahl der fünf Kandidatenstädte aufgenommen zu werden. An diesem Dienstag will nun München vom IOC in den Kandidatenstatus für die Winterspiele 2018 gehoben werden.

Doch Leipzigs Sommer ist weit weg. Nur drei Bewerber um die Winterspiele 2018 gibt es, neben München sind es das südkoreanische Pyeongchang und das französische Annecy. Wenn das IOC auch nur einem dieser drei die technische Reife für Olympische Spiele abspräche, würde es die Auswahl wohl zu stark begrenzen. Das kann nicht im Interesse des IOC sein. Auch wenn es im Moment ohnehin nur nach einem Duell zwischen Pyeongchang und München aussieht. Und noch einen großen Unterschied gibt es. Der Widerstand gegen Leipzig kam aus dem Westen Deutschlands, der sich nach Leipzigs Sieg in der nationalen Vorauswahl beleidigt in die Ecke zurückzog. Und eben aus dem IOC, das unzufrieden war mit dem Angebot des deutschen Bewerbers. München hat andere Gegner.

Der Widerstand gegen München kommt aus Bayern selbst. Von Landwirten aus Oberammergau. Von Bürgern in Garmisch-Partenkirchen. Von Grünen- Abgeordneten im Bayerischen Landtag. Sie haben ihren Protest koordiniert und den „Nolympia“-Slogan der Berliner Olympiabewerbung recycelt. Ludwig Hartmann, Landtagsabgeordneter der Grünen, sagt, er sei eigentlich gar kein Olympiagegner gewesen. „Aber dann haben wir zu hören bekommen, dass unsere Vorschläge auf keinen Fall die Bewerbung gefährden dürften.“ Das Konzept passt ihm aus ökologischen und finanziellen Gründen nicht, weil zum Beispiel Oberammergau und Garmisch-Partenkirchen mit massiven Baumaßnahmen zu rechnen hätten und keiner wisse, wer am Ende für die Kosten aufkomme. „Die Bauern geben dort ihre Flächen drei Jahre lang für diese kurzen Spiele her“, sagt Hartmann. Er hat mit seiner Landtagsfraktion die Konsequenzen daraus gezogen: „Wenn wir nicht mitarbeiten können, dann wollen wir dafür arbeiten, die Spiele in Bayern zu verhindern.“

Die Bewerbungsgesellschaft hat schon einiges unternommen, um die Kritiker auf ihre Seite zu ziehen. Erst im Mai hat sie in Garmisch-Partenkirchen ein Büro eröffnet, in dem sich die Bürger regelmäßig informieren können. DOSB-Generaldirektor Vesper nennt eine Umfrage, nach der in Garmisch-Partenkirchen 65 Prozent der Bürger für Olympia seien und nur 20 Prozent dagegen. „Man kann in einer offenen Demokratie ein solches Vorhaben nicht betreiben, ohne dass es auch Kritik gibt“, sagt Vesper. „Die Kritiker sind ja nicht einig. Wofür die einen streiten, etwa noch mehr Umweltschutz, das wollen andere Kritiker gerade nicht.“ Das Lager der Kritiker umfasst Landwirte und Naturschützer gleichermaßen, die sich in ihren Interessen nicht immer einig sind. „Ich bin sicher, dass wir auch den Bauern in Oberammergau verständlich machen können, dass Olympia für die Region ein Gewinn ist und dass es sich lohnt, die Flächen für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung zu stellen.“

Doch gerade in Oberammergau, wo die Langlauf- und Biathlonanlage entstehen soll, regt sich Widerstand. Ludwig Hartmann spricht auch schon von einem Bürgerbegehren, das angestrengt werden soll, vielleicht kommt auch noch eines in Garmisch-Partenkirchen dazu. „Es hätte schon eine Signalwirkung für das IOC, wenn dann 40 Prozent gegen Olympia stimmen", sagt Hartmann. Bislang bleibt Vesper gelassen. „Ein Bürgerbegehren ist ein legitimes, verfassungsmäßiges Instrument. Die hat es auch schon andernorts gegeben, etwa in Vancouver. Dort haben sich in einem Volksentscheid 64 Prozent der Bevölkerung für Olympia ausgesprochen“, sagt Vesper, „am Ende hat die Stadt ganz wunderbare Spiele mit einem begeistertem Publikum ausgerichtet.“

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