Paris St. Germain : Das Teuerste ist gerade gut genug

Bayer Leverkusens Achtelfinal-Gegner Paris Saint Germain hat viele Stars geholt, um die Champions League zu gewinnen – das Konzept scheint aufzugehen.

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Star unter Stars: Paris Saint Germains Zlatan Ibrahimovic.
Star unter Stars: Paris Saint Germains Zlatan Ibrahimovic.Foto: Imago

Es klang wie die patzige Antwort eines Kindes. „Diese Mannschaft ist gebaut, um irgendwann die Champions League zu gewinnen“, sagte Sportdirektor Leonardo, nachdem Paris Saint Germain gerade unglücklich gegen den FC Barcelona ausgeschieden war. Ohne Niederlage, nur aufgrund der Auswärtstorregel.

Im Nachhinein hat Paris an diesem Frühlingsabend 2013 doch etwas gewonnen: Anerkennung und Respekt. Die Mannschaft galt seit dem Einstieg einer Investorengruppe aus Katar als eine wahllos zusammengestellte Ansammlung von überteuerten Individualisten, die sportlich in Frankreichs Liga zwar dominierte, mit den Großen der Branche aber nicht mithalten kann. Die Spiele gegen Barcelona widerlegten diese These.

Leonardo hat den Posten als Sportdirektor bei Saint Germain inzwischen aufgegeben, seine Aussage ist aber aktueller denn je. Der Französische Meister geht als Favorit in die Achtelfinal-Spiele gegen Bayer Leverkusen und könnte auch im Mai mit dabei sein, wenn es in Lissabon um den Titel in der Champions League geht. Die Gruppenphase überstand Paris locker und wurde vor Olympiakos Piräus, Benfica Lissabon und dem RSC Anderlecht Erster.

Aber nur der Gewinn der Champions League würde Saint Germain jene internationale Anerkennung einbringen, die sich die katarischen Investoren erhoffen. PSG ist längst zum größten Prestigeobjekt der Araber geworden, die den Klub aus der französischen Hauptstadt zu einer Marke machen wollen. Einer Marke von der Strahlkraft Real Madrids oder des FC Barcelonas. Das gilt nicht nur für die Fußballabteilung. Auch die Handballer haben seit der Übernahme 2011 stark von den finanziellen Zuwendungen profitiert und mit ihrer neu zusammengestellten Weltauswahl gleich die Meisterschaft gewonnen.

Mit den Summen der Fußballer können die Handballer aber nicht mithalten. Rund 350 Millionen Euro investierten die Katarer in den vergangenen zweieinhalb Jahren in neue Spieler. Viel Geld auszugeben war dabei auch Teil der Imagestrategie. Für das noble Paris war das Teuerste gerade gut genug. Ablöserekorde schienen dabei mindestens genauso wichtig wie sportliche Erfolge. Nachdem der neureiche Konkurrent AS Monaco während der Sommerpause 60 Millionen Euro für den kolumbianischen Angreifer Falcao ausgab, fühlte sich Saint Germain herausgefordert und verpflichtete nur wenige Tage später Edinson Cavani aus Uruguay für 64 Millionen Euro. Cavani bildet mit Zlatan Ibrahimovic eines der teuersten Angriffsduos der Welt. Und eines der erfolgreichsten. In der französischen Liga erzielten beide zusammen 26 Tore, in der Champions League zwölf.

Im Gegensatz zu anderen mit Investorengeldern aufgepäppelten Klubs wie etwa Manchester City oder AS Monaco gingen die teuren Transfers für Paris fast alle auf. Ibrahimovic und Cavani sorgen für die Tore, Stabilität vermittelt aber die Defensive um die brasilianischen Innenverteidiger Thiago Silva und Alex. Auch die 40 Millionen Euro für den vor zwölf Monaten noch unbekannten Brasilianer Lucas waren gut investiert.

Zuletzt kam der 19-jährige Marquinhos, ein weiteres brasilianisches Talent, das 32 Millionen Euro kostete. An dem Innenverteidiger war auch der FC Barcelona interessiert. Marquinhos entschied sich für Paris. In Sachen Attraktivität ist Paris für manchen Spieler schon an Barcelona vorbeigezogen.

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