Sport : Paul-Rusch-Pokal: Pokalgesetz auf Türkisch

Andre Görke

Der in der sechsten Liga kickende SV Yesilyurt spielte sich in den Vordergrund: Der Landesligist hat nach einem 2:1 (1:1) gegen den Oberligisten Türkiyemspor den Paul-Rusch-Pokal gewonnen. Der Erfolg der Elf war vor 1926 Zuschauern gestern im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion eine große Überraschung, obwohl türkische Insider einen derartigen Coup gegen die zwei Klassen höher spielende Elf von Türkiyemspor im Vorfeld nicht ausgeschlossen hatten. Doch es gab noch einen anderen Grund, warum dieses Paul-Rusch-Pokalfinale neue Dimensionen erlebte - der betraf allerdings nicht das Spiel, sondern das Drumherum.

So waren beim ersten Berliner Fußball-Pokalfinale mit zwei türkischen Mannschaften die Presseplätze im Jahn-Stadion besser besetzt als die Zuschauerränge. Schmerzhaft war dies für die Vereine, aber auch für den Berliner Fußball-Verband (BFV), denn man hatte mit rund doppelt so vielen Besuchern kalkuliert. Dass es nicht mehr waren mag auch damit zu tun gehabt haben, dass der türkische Fernsehsender TRT-INT, der über Kabel beziehungsweise Satellit zu empfangen ist, die Partie live übertrug. "Vielleicht war diese Übertragung nicht so gut für die Zuschauerzahl", sagte BFV-Schatzmeister Bernd Schultz.Gleich mit sechs Kameras war der Sender im Jahn-Stadion angerückt - und diese wurden sämtlichst auf der Gegengeraden aufgestellt. Damit wollte man wohl den TV-Zuschauern in der Heimat ein gut besetztes Stadion vorgaukeln, denn die Fans beider Teams saßen nebeneinander auf der Haupttribüne und sorgten schon vor dem Anpfiff für Stimmung. Dass die Ränge hinter den Toren jedoch auch leer waren, sah man im Fernsehen spätestens in der dritten Minute. Da erzielte nämlich David Schnee mit einem 16-m-Schuss das 1:0 für Türkiyem. Doch Yesilyurt spielte wie erwartet gut mit und zeigte, dass die eigenen Gesetze des Pokals auch für türkische Vereine gelten. Die Elf, die in der Punkterunde bereits den Aufstieg in die Verbandsliga geschafft hat, glich durch Özcan Yakut aus (16. Minute). Kamer Senel gelang später der Siegtreffer (76.). Der türkische Botschafter hatte seine Freude - nicht am Fernseher sondern im Stadion.

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