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Pause wegen Depressionen : Eisbären-Verteidiger Constantin Braun unterbricht Karriere

Eishockeynationalspieler Constantin Braun unterbricht seine Karriere. Der Eisbären-Verteidiger leide unter einer akuten Depression, teilte der Deutsche Meister am Freitag mit.

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Constantin Braun wird vorläufig nicht mehr für die Eisbären spielen.
Constantin Braun wird vorläufig nicht mehr für die Eisbären spielen.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

An Constantin Braun vorbeizukommen, das ist im Regelfall schwer für gegnerische Stürmer. Der groß gewachsene Mann ist eine stattliche Erscheinung. Auf dem Eis. 1,90 Meter misst der stämmige, athletische Eishockeyverteidiger, der bei den Eisbären den wohl kräftigsten Schlagschuss hat. Abseits der Eisfläche fällt Braun durch seinen mit vielen Tattoos geschmückten Körper und oft auch durch kernige Sprüche auf. Der eloquente Mann aus Baden ist eine robuste Erscheinung. Der Privatmann ist aber wohl weit sensibler als der öffentliche Braun. Wobei es diese Grenze seit Freitag nicht mehr gibt: Constantin Braun unterbricht seine Karriere als Eishockeyprofi aufgrund einer „akuten Depression“, wie der deutsche Eishockeymeister verlauten ließ. Der Spieler ist bereits außerhalb von Berlin in stationärer medizinischer „Obhut“, wie es heißt.

Wann und ob überhaupt Nationalspieler Braun wieder aufs Eis zurückkehrt, ist unklar. Es ist für die Eisbären wohl auch erst einmal Nebensache. Die Verantwortlichen im Klub wussten bereits seit ein paar Jahren von der Erkrankung des Verteidigers. Doch noch am Montag sagte der neue Trainer Jeff Tomlinson, der Kader sei „komplett“. Seinen aktuell wohl besten Verteidiger Constantin Braun hatte er kaum miteingeplant. Schon „vor ein paar Wochen“, sagte Manager Peter John Lee, habe sich Braun dazu entschlossen, sich behandeln zu lassen und das Thema öffentlich zu machen. „Er war an einem Punkt, an dem er das machen musste. Er brauchte Hilfe.“
In einem offiziellen Statement ließ Braun am Freitag verlauten, dass er sich aktuell „in einer tiefen persönlichen Krise“ befände, aus der er sich ohne „professionelle Hilfe“ nicht herausarbeiten könne. „In enger Absprache mit meinem privaten Umfeld und Eisbären-Manager Peter John Lee habe ich mich sowohl für eine intensive Behandlung sowie den schwierigen Weg an die Öffentlichkeit entschieden.“

25 Jahre alt ist Braun inzwischen, vor neun Jahren kam er als Nachwuchsspieler aus Mannheim nach Berlin. Der gebürtige Lampertheimer war jahrelang im Sportinternat der Adler Mannheim, schon als Kind träumte er von der Karriere als Eishockeyprofi. Das Talent des Nachwuchsnationalspielers war nicht zu übersehen, so sicherten sich auch die Los Angeles Kings aus der National Hockey League (NHL) die Option auf den stämmigen Burschen aus Baden. Bislang kam Braun in der besten Liga der Welt aber noch nicht zum Einsatz, einmal war er im Trainingscamp der Kings. Laut seinem langjährigen Berliner Trainer, einst selbst in der NHL Verteidiger, hätte Braun das Potenzial für die NHL. Aber der Spieler habe sein Talent eben nie ganz ausgeschöpft, fand Don Jackson.

Braun hatte dafür in Berlin schon viel Erfolg, wurde fünf Mal Deutscher Meister. Erst vor wenigen Tagen haben die Eisbären den Vertrag mit Braun bis 2015 verlängert. Zudem war Braun im Nationalteam bisher eine feste Größe. Seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Mai sagte er allerdings ab, aus „privaten Gründen“, wie er sagte. Womöglich gab es schon andere Gründe. Aber noch vor wenigen Wochen hatte Braun gesagt, wie sehr er sich auf die kommende Saison freue. Jeff Tomlinson sei der Richtige als neuer Trainer bei den Eisbären, hatte Braun gemeint.

Sein Klub ging am Freitag das Thema Braun mit der gebotenen Vorsicht an. Team-Psychologe Markus Flemming konnte und wollte sich zu dem Thema nicht konkret äußern, sagte aber, dass es „positiv“ sei, dass darüber gesprochen werde, und dass Depression eine „heilbare“ Krankheit sei. Manager Lee sagte: „Brauns Entscheidung, sich professionell helfen zu lassen, ist ein wichtiger und mutiger Schritt, bei dem wir ihn im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen werden. Es gibt keinen Zeitplan für die Behandlung von Constantin Braun oder seine Rückkehr aufs Eis.“

Brauns jüngerer Bruder, ebenfalls Profi bei den Eisbären, meldete sich auch zu Wort. Natürlich sei das nun auch eine schwierige Situation für ihn, sagte Laurin Braun. „Aber ich bin mir sicher, dass wir das alles meistern werden.“ Zudem ließ der Klub mitteilen, dass nach Rücksprache mit Constantin Braun und seinen behandelnden Ärzten keine Meldungen zum Krankheitsverlauf und den Behandlungserfolgen kommuniziert werden.

In einem Interview hat Constantin Braun im April gesagt, dass der harte Kerl auf dem Eis „privat total harmlos“ sei. „Ich habe das Glück, mein Geld mit einer Sportart zu verdienen, in der ich mich auspowern kann“, sagte Braun. „Abseits des Eishockeys würde ich mich als ausgeglichen beschreiben.“ Das war im Konjunktiv gesagt. Und der gilt sei Freitag nicht mehr im Zusammenhang mit Constantin Braun.

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