Sport : „Pferde übergeben sich nicht“

Die Dressurreiterin Ulla Salzgeber und Rusty haben das Schlimmste bereits überstanden: die Anreise

Benedikt Voigt

Am 13. August beginnen die Olympischen Spiele in Athen. Bis dahin stellt der Tagesspiegel deutsche Sportler vor, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Heute: Die Dressurreiterin Ulla Salzgeber und ihr Pferd Rusty.

Das Schlimmste hat Rusty überstanden. In der vergangenen Woche musste der 16-jährige Wallach in Münster in ein Flugzeug klettern und einen vierstündigen Flug nach Athen ertragen. Neben ihm litt Ulla Salzgeber. „Die Reise war für mich noch schwerer, weil ich die ganze Zeit Angst hatte, dass er wieder Fieber bekommt“, sagte die Dressurreiterin. Rusty verträgt das Reisen nicht, vor zwei Jahren bei der WM in Jerez hatte er nach seiner Ankunft Fieber bekommen und prompt den Grand-Prix-Auftritt verpatzt. „Reisefieber bei Pferden ist so etwas wie die Seekrankheit bei den Menschen“, erklärte Ulla Salzgeber. Ihr Mann Sebastian wählt einen noch anschaulicheren Vergleich. „Pferde können sich nicht übergeben, deshalb bekommen sie Fieber.“

Gestern fuhren die Salzgebers an einen Stadtstrand von Athen. „Wir gehen baden“, sagte Ulla Salzgeber, „wir wollen uns ein bisschen an die Hitze gewöhnen.“ Rusty stand in einem Stall bei einem befreundeten Reiter. Am Morgen durfte er über einen privaten Parcours reiten, danach überquerte die Mannschaftskollegin Heike Kemmer mit Bonaparte das Geläuf. Erst am 11. August dürfen die Reiter in die Olympische Reitanlage in Markopoulo umziehen. Bisher hat Rusty alles gut überstanden. „Es gibt drei Boxen, viel Sand, einfach herrlich“, sagte Salzgeber, „und die Hitze ist auch nicht so schlimm, wie wir es gedacht haben.“ In Deutschland hatte sie Rusty mit einer Höhensonne bestrahlen lassen, damit er sich an die Hitze gewöhnt und keinen Sonnenbrand bekommt. Das Beste aber ist, dass Rusty ohne Fieber geblieben ist. Nun kann Ulla Salzgeber mit ihrem Pferd um zwei Goldmedaillen reiten.

Als Mannschaft zählt die deutsche Dressur-Equipe zu den Goldfavoriten. Seit 1984 in Los Angeles ertönt bei einer olympischen Siegerehrung für Dressur-Mannschaften stets das Deutschlandlied. Spannender wird es im Einzelwettbewerb. Ulla Salzgeber und Rusty sind auch hier für die Goldmedaille favorisiert, allerdings unterlagen beide vor einem Monat beim CHIO in Aachen überraschend der Holländerin Anky van Grunsven auf Salinero. „Wir können uns in Athen noch steigern“, sagte Ulla Salzgeber nach der Niederlage, „Rusty vier Wochen lang auf allerhöchstem Niveau zu halten, wäre nicht möglich gewesen.“

Im März 2003 ist Rusty beim Weltcupfinale in Göteborg mit einer positiven Dopingprobe aufgefallen. Ein Tierarzt hatte dem Pferd ein testosteronhaltiges Medikament verabreicht. Ulla Salzgeber erklärte, davon nichts gewusst zu haben. Trotzdem musste sie 2000 Euro zahlen und in diesem Jahr eine zweimonatige Sperre absitzen. Rusty startet nun in Athen mit einer Ausnahmegenehmigung des Nationalen Olympischen Komitees. Es könnte ein Makel über einer Medaille mit Rusty liegen. „Das ist absoluter Blödsinn“, sagt Ulla Salzgeber, „ich bin schon genug bestraft worden.“ Inzwischen ist auch der Wallach Shutterfly der Springreiterin Meredith Michaels-Beerbaum positiv getestet worden. „Vielleicht ändert sich ja jetzt etwas“, sagt Salzgeber. Momentan gilt im Pferdesport noch die Regel, dass während eines Wettkampfes grundsätzlich keine Medikamente nachweisbar sein dürfen. Salzgeber plädiert dafür, diese Nulllösung zu ändern.

Die Olympische Reitanlage in Markopoulo liegt in der Nähe des neuen Athener Flughafens. Nebenan haben die Olympiaplaner die neue Pferderennbahn der Athener gebaut. Was mit der Dressuranlage nach den Spielen passiert, steht noch nicht fest. „Fragen Sie mich noch einmal im Oktober“, sagt die Pressesprecherin der Anlage.

Ulla Salzgeber hat die Anlage schon begutachtet. „Die Stallung ist sehr hoch und es gibt eine Bestäubungsanlage mit Wasser“, sagt Ulla Salzgeber. Feuchte Luft in der Hitze, das dürfte Rusty gefallen. Reisen kann manchmal auch sehr schön sein.

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