Sport : Pharao 05

Beim FSV Mainz bestimmt der Rückkehrer Mohamed Zidan das Geschehen dies- und jenseits des Platzes.

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Sechs Tore in sieben Spielen. Zidan soll für Mainz auch gegen Hertha treffen. Foto: dpa
Sechs Tore in sieben Spielen. Zidan soll für Mainz auch gegen Hertha treffen. Foto: dpaFoto: dapd

Mohamed Zidan ist immer auf Sendung, er dominiert derzeit die Berichterstattung über den FSV Mainz 05 wie kein anderer Profi in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Als da wären er und seine sechs Tore in sieben Spielen seit seiner Rückkehr aus Dortmund. Zidan zeigt seine Tattoos, Zidan muss 6000 Euro berappen, Zidan trauert um die mehr als 70 Toten nach den Stadionkrawallen in seiner Heimatstadt Port Said, Zidan erhält eine „Windelprämie“ von Klubmanager Christian Heidel für sein Tor gegen Nürnberg. Oder: Zidan jubelt mit dem Schnuller seines Sohnes Adam im Mund, Zidan hat Glück und wird für seinen recht eindeutigen Kniestoß in die Weichteile des Augsburgers Matthias Ostrzolek nicht belangt. Und dann ist vor dem Mainzer Heimspiel heute gegen Hertha BSC noch dieser Spendenaufruf.

Die Mainzer Fans des Internetforums kigges.de hatten einen Spendenaufruf gestartet, um Zidan bei der Zahlung der erwähnten 6000 Euro zu unterstützen. Die muss er wegen eines Schmähgesangs gegen den 1. FC Kaiserslautern zahlen. 1050 Euro sind zusammengekommen, Zidan verdoppelte den Betrag und spendete ihn an das SOS-Kinderdorf im ägyptischen Tanta. Zum Glück. Wo kämen wir hin, wenn Fans jetzt für jeden Fußball-Millionär sammeln würden?

Rund um den 30 Jahre alten Angreifer ist in Mainz ein bisweilen unwirklicher Hype entstanden. Ob er will oder nicht. Die Winter-Verpflichtung der Mainzer war ein Volltreffer. Einen wie ihn hatten sie gesucht: auf dem Rasen schnell, technisch stark, treffsicher und erfahren im Pressing. Und außerhalb? „Lassen wir ihn so, wie er ist“, sagt Heidel.

Zidan ist ein Grenzgänger zwischen Naivität, Selbstdarstellung und der Sehnsucht, von allen geliebt werden zu wollen. Aber er ist reifer geworden seit seinem ersten Engagement in Mainz (2005/2006, Rückrunde 2007), kein Kindskopf mehr, der mit einem dicken Bündel Geldscheine in der Mannschaftskabine auftaucht – es soll die Barprämie des ägyptischen Verbandes für den Afrika-Cup gewesen sein. Damals war der kleine Ägypter das personifizierte Ü-Ei, sportlich jedoch stets diszipliniert. Bei seiner Abschiedsrede vor dem Wechsel zum Hamburger SV am 25. Juni 2007 weinten mehrere tausend Anhänger im alten Bruchwegstadion, und Stadionsprecher Klaus Hafner sagte: „Du bleibst immer ein 05er.“

Insofern war das Risiko überschaubar, das Heidel im Februar mit der Investition von 150 000 Euro an Borussia Dortmund einging. Der Vertrag gilt bis zum Saisonende, dann entscheidet Mainz 05, ob Zidan für weitere zwei Jahre bleibt. Die bisweilen einseitige Begeisterung um den „kleinen Pharao“ hat Thomas Tuchel dieser Tage etwas unerwartet eingedämmt, als er Mittelstürmer Adam Szalai als „unseren wichtigsten Stürmer“ bezeichnete. Der 24-jährige Ungar hatte nach einer komplizierten Knieoperation und einjähriger Pause erst zur Rückrunde sein Comeback im Mainzer Trikot gefeiert – in etwa zeitgleich mit Zidan.

Zuletzt in Augsburg fehlte Szalai wegen einer Gelb-Rot-Sperre, prompt blieb auch sein kongenialer Offensivpartner Zidan blass und Mainz 05 verlor 1:2. „Ohne Adam fehlte uns ein wichtiges Element, er hebt unser Niveau“, sagt Tuchel. Gegen Hertha BSC sind beide wieder vereint. „Sie werden beginnen“, so der Mainzer Trainer. Zidan (sechs Tore plus eine Vorlage) und Szalai (ein Tor, zwei Vorlagen) sind derzeit das Beste, was Mainz 05 offensiv zu bieten hat.

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