Play-off-Spiel gegen Frankfurt : Alba Berlin - Umzug zur Unzeit

Alba Berlin bestreitet am Mittwoch das wichtige Spiel zwei im Play-off-Viertelfinale gegen die Frankfurt Skyliners in der Max-Schmeling-Halle.

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Wie ein Mann. Albas letzter Aufritt in der Schmelinghalle ging 2015 gegen Oldenburg verloren. Doch in der alten Halle könnten Fans und Team neu zusammenrücken. Foto: imago/Sebastian Wells
Wie ein Mann. Albas letzter Aufritt in der Schmelinghalle ging 2015 gegen Oldenburg verloren. Doch in der alten Halle könnten Fans...Foto: imago/Sebastian Wells

Wer Alba-Basketballer sehen will, der hat dieser Tage die freie Auswahl, über ganz Berlin verteilt. Die U-18-Mannschaft des Vereins tritt ab Donnerstag bei einem internationalen Jugendturnier im Sportforum in Hohenschönhausen an und, falls sie das Finale erreicht, am Sonntagmittag in der Arena am Ostbahnhof, im Vorprogramm des Euroleague-Endspiels.

Dieses Privileg haben die Junioren den Alba-Profis voraus. Sie dürfen wegen der Vorbereitungen auf das europäische Finalturnier nicht in ihre angestammte Arena an der Spree und müssen in die Max-Schmeling-Halle ausweichen. Dort bestreiten sie am heutigen Mittwoch ein auch nicht ganz unwichtiges Spiel: die zweite Play-off-Partie gegen die Frankfurt Skyliners (19.30 Uhr, kostenpflichtig bei Telekombasketball.de). Ein Umzug zur Unzeit. Denn nach der Auftaktpleite auswärts stehen die Berliner unter Druck, die „Best of Five“-Serie auszugleichen.

Hier hat Alba die letzte Meisterschaft gefeiert

„Dieses zweite Spiel ist jetzt für uns das Schlüsselspiel in der Serie“, sagt Trainer Sasa Obradovic. „Der Umzug könnte zum Problem werden, viele Spieler kennen die Halle nicht.“ Vorab durften sich die Profis beider Teams in der Schmelinghalle einwerfen, und zwei LKWs sowie ein kleiner Transporter brachten Banden, die Lichtanlage, 50 Kisten Getränke, Bälle und viel mehr nach Prenzlauer Berg. Das Parkett war schon verlegt, Alba hat ja schon vor dem Umzug 2008 dort gespielt, hier auch die bislang letzte Meisterschaft gefeiert.

Die Rückkehr erzeugt dennoch gemischte Gefühle. Flügelspieler Niels Giffey sagt: „Ich habe dort noch nie gespielt, aber alleine wegen der Historie freue ich mich darauf. Das wird eine tolle Stimmung.“ Geschäftsführer Marco Baldi hingegen klagt: „Wir hätten es uns anders gewünscht und haben alles probiert, einen Umzug zu verhindern.“ Aber das gehe heutzutage nicht mehr so einfach, das ganze Setting – die Technik, das Branding, die Monitore, die Pressetribüne undsoweiter – sei ein komplett anderes. Vier Mal ist Alba seit 2008 in die Schmelinghalle ausgewichen, die Bilanz ist ausgeglichen: gegen Virtus Rom im Dezember 2013 und zum Play-off-Auftakt 2014 gegen Ulm gab es jeweils Siege, danach gegen Cedevita Zagreb im Dezember 2014 und Oldenburg im Februar 2015 Heimniederlagen. Der erneute Umzug „ist kein Vorteil für uns“, sagt Baldi, „einige Leute schwärmen zwar von früher, aber die Schmelinghalle ist nicht unser Zuhause. Doch wir dürfen nicht hadern, wir brauchen die Energie für anderes.“ Denn die letzten beiden Auftritte gegen Frankfurt waren doch arg schlapp.

Auch die Fans sehen den Umzug mit gemischten Gefühlen. „Die Atmosphäre wird besser sein, allein durch die Dichte zum Spielfeld“, sagt Jörg Busche, Vorsitzender des Fanklubs Alba-Tross. „Alles, was wir Fans machen, wird lauter, bei gleicher Anstrengung.“ Und dennoch bestehe die Gefahr, „dass es sich für die Jungs anfühlt wie ein Auswärtsspiel, das können wir gerade gar nicht gebrauchen“.

Was die Basketballer ebenfalls wenig gebrauchen können, ist ein Zerwürfnis mit den sonst so treuen Alba-Fans. Bei der Heimpleite gegen Frankfurt zum Hauptrundenende und selbst von mitgereisten Anhängern am vergangenen Samstag gab es „Wir wollen euch kämpfen sehen!“-Rufe von den Rängen. Obwohl der Mannschaft eher Verunsicherung und mangelnde Spielkultur vorzuwerfen sind als fehlender Einsatz. Durch die Rückkehr in die Schmelinghalle könnte die Mannschaft, im wahrsten Sinne, wieder enger zusammenrücken mit den Fans.

„Wer die Mannschaft nicht pusht, hat seine Aufgabe als Fan nicht verstanden“, sagt Busche. Im Gegensatz zu vielen Fanstimmen, die sich den Abgang manchen Spielers und von Trainer Obradovic wünschen, sagt Busche: „Wenn ich immer alles austausche, erreiche ich nie die Kontinuität wie Bamberg oder Frankfurt.“ Gegen eines hätte er aber nichts: Dass Alba nochmal die Halle wechselt und durch einen Sieg heute ein viertes Spiel erzwingt, dann wieder in der Arena am Ostbahnhof.

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