Play-offs : Alba sucht die Tugenden

Bei der Niederlage in Würzburg spielten die Berliner Basketballer nicht leidenschaftlich genug. Das muss sich ändern, wenn Alba in den Play-offs bestehen will.

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Nicht dagegengehalten. Albas Torin Francis (r.) prallt an Jason Boone ab. Foto: Frühwirth
Nicht dagegengehalten. Albas Torin Francis (r.) prallt an Jason Boone ab. Foto: Frühwirth

Berlin - Die Geschichte des Spiels kann Gordon Herbert in einem Satz zusammen fassen. „Im Grunde genommen“, sagt Albas Trainer, „hat uns Würzburg in den Arsch getreten.“ Herbert ist nicht für seine profane oder gar vulgäre Sprache bekannt, es hat also Gewicht, wenn der Kanadier die 66:79 (26:41)-Niederlage seines Basketball-Teams bei den Würzburg Baskets derart prägnant beschreibt. Er sei enttäuscht über die Leistung seiner Spieler fügt Herbert hinzu, andererseits sei das Ergebnis aber auch keine riesengroße Überraschung: „Wir haben nicht erwartet, drei Spiele hintereinander zu gewinnen. Wir wussten, dass es ein Kampf wird.“

Eben jenen Kampf allerdings hatten die Berliner am Mittwochabend nicht angenommen. Von Beginn an ließen sich Herberts Spieler von der Leidenschaft der Gastgeber beeindrucken, die feurige Atmosphäre in der kleinen, engen Würzburger Sporthalle tat ein Übriges. „Wir haben nicht so intensiv gespielt wie sie“, sagt Herbert. „Das ist ihre Stärke, da müssen wir dagegen halten.“ Die nächste Chance dazu haben die Berliner am Sonnabend um 16 Uhr, wenn die „Best of five“-Serie zum dritten Spiel in die Arena am Ostbahnhof zurückkommt. Dann muss Alba verhindern, dass sich die Würzburger erneut in einen Rausch spielen wie in der zweiten Partie, als sie 50 Prozent ihrer Dreipunktewürfe trafen. Baskets-Trainer John Patrick äußerte sich entsprechend begeistert über sein Team. „Ich bin stolz auf die Leistung meiner Mannschaft“, sagte Patrick. „Es war wichtig, dass wir am Anfang gleich einige Dreier für unser Selbstvertrauen getroffen haben.“

Die Berliner hingegen fanden mit Ausnahme von Heiko Schaffartzik nie ihren Rhythmus im Angriff, auch die Sicherheit von der Freiwurflinie aus dem ersten Spiel, in dem Alba 26 von 28 Strafwürfen getroffen hatte, war verschwunden. Als Spielmacher Dashaun Wood Ende des zweiten Viertels nur durch ein Unsportliches Foul zu stoppen war, vergab er beide Versuche von der Linie und verpasste damit Chance, Alba vor der Halbzeitpause ein wenig heranzubringen. Bryce Taylor, im ersten Spiel noch Topscorer mit 19 Punkten, gelang nach dem ersten Berliner Korb zum 2:5 bis zur Schlusssirene kein einziger Zähler mehr. „Ich kann damit leben, dass wir mal schlecht werfen“, sagt Herbert. „Aber unsere Verteidigung hat mir überhaupt nicht gefallen.“

Bis Samstag muss der Trainer nun einen Weg finden, die Leidenschaft seiner Spieler zu wecken. Und einiges andere. „Wir haben all das vermissen lassen, was man in den Play-offs braucht. Dass wir so sehr zurückgewichen sind, kann ich auch nicht erklären“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi und nennt die Tugenden, die er im dritten Spiel sehen will: „Allerhöchste Intensität, Konzentration, Geschlossenheit, Ruhe, Opferbereitschaft.“ Das Gute sei, dass man die Niederlage schnell abhaken könne. Und das Schlechte? „Würzburg hat jetzt Lunte gerochen“, sagt Baldi.

Mit einem 1:2-Rückstand will sicher kein Berliner am kommenden Dienstag zur vierten Partie nach Würzburg reisen. Am Sonnabend gilt es also, den Heimvorteil zu verteidigen und die Führung in der Serie zurück zu erobern. „In dem Spiel ist jetzt richtig Druck drin“, sagt Baldi.

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