Plötzlich wichtig : Munteres Wechselspiel bei Hertha BSC

Herthas Trainer Jos Luhukay glaubt, dass er alle Spieler braucht – das zeigt sich schon zu Beginn der Saison. Von allen 18 Bundesligisten haben die Berliner an den ersten beiden Spieltagen gemeinsam mit Borussia Dortmund die meisten Spieler eingesetzt.

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Mehr als elf Spieler. Für Jos Luhukay zählt der gesamte Kader.
Mehr als elf Spieler. Für Jos Luhukay zählt der gesamte Kader.Foto: dpa

Schwer zu sagen, welche Botschaft am Wochenende bei Roman Hubnik angekommen ist. Der tschechische Innenverteidiger von Hertha BSC schaffte es auch beim dritten Pflichtspiel dieser Saison nicht in den 18-Mann-Kader; Hubnik könnte dies als klares Signal deuten, dass in Berlin nicht mehr allzu viel Wert auf seine Mitarbeit gelegt wird und es vermutlich besser wäre, sich einen neuen Verein zu suchen. Andererseits könnte ihm das Beispiel von Christoph Janker Mut machen, nicht zu früh aufzugeben. Janker ist es bis zum Sonntag genauso ergangen wie Hubnik. Er war scheinbar außen vor – und fand sich dann beim Spiel in Nürnberg (2:2) plötzlich in der Startelf wieder.

Janker war selbst überrascht. Er hatte sich eher auf einen Platz auf der Ersatzbank eingerichtet, als sich die Mannschaft am Mittag in Nürnberg zur finalen Besprechung vor dem Spiel einfand. Aber so ist das mit Jos Luhukay. „Er lässt sich nicht in die Karten schauen“, sagt Janker, der John Anthony Brooks gegen den Club in der Viererkette vertreten durfte.

Herthas Trainer Luhukay hat sich in der vergangenen Saison den Ruf einer gewissen Unfehlbarkeit in Fußballfachfragen erworben. Sämtliche Prognosen, die er im Laufe des Jahres aufgestellt hatte, sollten sich irgendwann als zutreffend herausstellen. In diesen Tagen hat Luhukay diesen Ruf noch einmal gefestigt. Er rede nicht so gerne über eine erste Elf, hatte er vor dem Start in die neue Saison gesagt; alle Spieler seien wichtig und würden auf Dauer zu ihren Einsätzen kommen. Die Wirklichkeit gibt ihm schon jetzt Recht: Von allen 18 Bundesligisten hat Hertha an den ersten beiden Spieltagen gemeinsam mit Borussia Dortmund die meisten Spieler (18) eingesetzt. Die Saison hat kaum begonnen, da muss Luhukay bereits für mehrere Wochen seine beiden Außenverteidiger Marcel Ndjeng und Johannes van den Bergh ersetzen; dazu verzichtete er in Nürnberg auf John Anthony Brooks, der gerade eine aufregende Woche mit Bundesligadebüt, Tabellenführung und Länderspieldebüt hinter sich hatte. „Man muss so einen Spieler auch in Schutz nehmen“, sagte Luhukay. „Drei Spiele auf so einem Niveau in einer Woche sind zu viel des Guten.“ Am Samstag, im Heimspiel gegen den Hamburger SV, werde Brooks aber wieder in der Startelf stehen.

Das unglückliche 2:2 in Bildern
Wirklich glücklich sieht anders aus: Herthatrainer Jos Luhukay und Ronny, der Torschütze zum 2:1, beim Handschlag nach dem Spiel.Weitere Bilder anzeigen
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18.08.2013 18:13Wirklich glücklich sieht anders aus: Herthatrainer Jos Luhukay und Ronny, der Torschütze zum 2:1, beim Handschlag nach dem Spiel.

Spielmacher Ronny sei auf einem guten Weg, sagt Jos Luhukay

Für Christoph Janker bedeutet dies im Umkehrschluss, dass er seinen Platz erst einmal wieder los ist. „Man darf sich nicht lange einen Kopf machen“, sagt der 28-Jährige über die Situation. „Ich bin ja nicht der Einzige, der nicht im Kader steht.“ Auch andere Spieler, zum Teil wesentlich prominentere als Janker, haben sich vermutlich mehr erwartet, als Luhukay ihnen bisher geben wollte. Peter Niemeyer, in der Vorsaison noch Kapitän, ist bisher keine Sekunde zum Einsatz gekommen; und auch Aufstiegsheld Ronny muss sich einstweilen mit einer Nebenrolle begnügen. Dass der Brasilianer bei seinen beiden Kurzeinsätzen zwei Tore erzielt hat, lindert seinen Schmerz zumindest ein wenig. „Er ist auf einem guten Weg“, sagt Luhukay, der Ronnys Fitnesszustand in der Vorbereitung noch scharf kritisiert hatte, ihn jetzt aber nah an der ersten Elf sieht.

Die Moderation latenter Unzufriedenheit könnte noch eine wichtige Aufgabe für Luhukay werden. Namhafte Abgänge hatte Hertha in diesem Sommer nicht zu verzeichnen, stattdessen sind vier Spieler hinzugekommen, die alle ihr Recht auf einen Stammplatz beanspruchen. Dass es im vorigen Jahr nie zu ernsten Spannungen kam, war eine der großen Leistungen Luhukays. „Das Rezept kenn’ ich auch nicht, aber er kriegt es halt hin“, sagt Christoph Janker. „Er gibt den Leuten das Gefühl, sich übers Training anbieten zu können. Das ist sehr wichtig.“

Im Endeffekt gilt das auch für Roman Hubnik, der laut „Kicker“ nicht an einem Wechsel zum Zweitligisten Ingolstadt interessiert ist, sondern bis zum Ende seiner Vertragslaufzeit im Sommer 2014 bei Hertha bleiben will. „Er ist ein vorbildlicher Profi mit einer sehr guten Einstellung“, sagt Luhukay. „Aber er muss sich mit der Situation zurechtfinden.“ Mit der Situation, weiterhin darauf warten zu müssen, mal wieder wichtig sein zu dürfen.

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