Sport : Problemlöser in U-Haft Das Rätsel um Nowitzkis Manager Geschwindner

Benedikt Voigt

Berlin - Matthias Strauss wundert sich immer noch, in welcher Kleidung sein Freund Holger Geschwindner einmal in das 41 Millionen Dollar teure Privatflugzeug von Mark Cuban gelangt ist. „Dass dieser Mensch da überhaupt einsteigen darf“, sagt der ehemalige Basketball-Nationalspieler. Dieser Mensch trug bei der Reise mit dem schwerreichen Eigentümer des NBA-Klubs Dallas Mavericks eine ausgewaschene Jeans und ein kariertes Holzfällerhemd, also genau das, was Holger Geschwindner immer trägt. Manchmal zieht er noch einen Pullover drüber. „Das Aussehen ist ihm wurscht“, sagt Matthias Strauss. Nie habe er seinen ehemaligen Nationalmannschaftskollegen in Anzug oder Krawatte erlebt. „Wenn ich das sehen würde, würde ich denken, es ist etwas passiert, er ist zum Steuerhinterzieher geworden, oder so.“

Genau diesen Vorwurf erhebt gegenwärtig die Staatsanwaltschaft Hof gegen den 59-jährigen Holger Geschwindner. Der Manager, Trainer und väterliche Freund des Basketball-Stars Dirk Nowitzki sitzt seit dem 19. Juli wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. Zu Beginn der kommenden Woche wird ein Richter über die Haftbeschwerde seines Verteidigers Dieter Hoffmann entscheiden. Die Staatsanwaltschaft gibt wegen des Steuergeheimnisses keine Auskünfte. Strauss empört sich, dass Geschwindner seit zwölf Tagen im Gefängnis sitzt. „Jeder Vergewaltiger bekommt in Deutschland nach drei Tagen einen Termin beim Haftrichter.“

Geschwindner soll von Dirk Nowitzki Geld bekommen haben, das er nicht versteuert haben soll. Viele, die ihn kennen, wundern sich über den Vorwurf. Womöglich kommt Fahrlässigkeit in Frage, zahllose unsortierte Rechnungen seien bei ihm in Schuhkartons gefunden worden, erzählt sein Anwalt. „Aber kriminelle Energie passt Nullkommanull zu seinem Wesen“, sagt Marco Baldi, Vizepräsident des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin und früher Geschwindners Gegenspieler. „Geld ist unwichtig für ihn.“

Geschwindner hat stets betont, dass er von Nowitzki keinen Cent bekomme. Der 27-jährige Würzburger verdient aus einem Sechsjahresvertrag mit den Dallas Mavericks 90 Millionen Dollar, zehn bis zwanzig Prozent stünden seinem Manager eigentlich zu. Gibt es einen Menschen, der auf neun bis achtzehn Millionen Dollar verzichtet? Diejenigen, die Holger Geschwindner kennen, sagen: Ja.

Schon bevor er Nowitzki 1996 kennen lernte, wohnte Holger Geschwindner mit seiner Lebensgefährtin, einer Malerin, in einem Schloss in Scheßlitz bei Bamberg. „Ich kenne das Schloss, das konnte man für 500 Mark von der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung mieten, wenn man es selber renoviert“, sagt Strauss. Geschwindner, ein studierter Mathematiker und Physiker, leitet eine Projektmanagementfirma, er selber bezeichnet sich als Problemlöser. Ruft man ihn an, meldet er sich mit: „Bei der Arbeit“. Mal berechnet er für eine Liftfirma, wo die Masten am besten platziert werden können. Mal rettet er in Columbo/Mississippi eine Farm vor der Pleite. Als Nowitzki für die Nationalmannschaft eine Versicherung benötigte, überlegte er, was sonst 100 Millionen Dollar wert ist und versichert wird. Öltanker, lautete seine Idee. Prompt schloss der Basketball-Bund die Versicherung bei Lloyds in London ab. Einem Tankerspezialisten.

Doch der Umgang mit Geschwindner ist nicht einfach. „Er ist ein unbequemer Individualist“, sagt Baldi. Laufwege auf dem Feld hätten ihm die Trainer nur schwer vorschreiben können. Doch wenn das Training um acht Uhr angesetzt war, stand er mindestens eine Viertelstunde vorher in der Halle. „Er geht seinen eigenen Weg“, sagt Baldi, „aber er hält sich an die Grundregeln.“ Ob das immer noch stimmt, wird von der Staatsanwaltschaft überprüft.

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