Sport : Rätselhafter Virus

Der FC Bayern fragt sich, ob allein Schweinsteigers Verletzung Schuld an der Schwächephase ist.

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Zum wegwerfen. Thomas Müller und Bayern München hatten wenig Spaß beim Auswärtsspiel in Mainz. Foto: dapd
Zum wegwerfen. Thomas Müller und Bayern München hatten wenig Spaß beim Auswärtsspiel in Mainz. Foto: dapdFoto: dapd

Von Jupp Heynckes war nach dem Spiel kein Pieps zu hören. Der 66 Jahre alte Trainer des FC Bayern München leidet an einer Bronchitis und war schon froh, das Sonntagsspiel mit roter Wollmütze persönlich heil überstanden zu haben. Trainer krank, Mannschaft kränkelnd: Der bayerische Patient kam auf Visite nach Mainz und muss nach der 2:3 (0:1)-Niederlage schnell ein Heilmittel finden, um bis zum nächsten Heimspiel am Samstag gegen Werder Bremen wieder auf die Beine zu kommen, in der Tabelle sind die Münchner nur noch Dritter.

Seit sich Bayerns Takt- und Ideengeber Bastian Schweinsteiger am 2. November in der Champions League gegen den SSC Neapel verletzt hat, sucht die Mannschaft ihren Rhythmus. Schweinsteiger ist sicher kaum zu ersetzen – doch kann sein Ausfall die Schwächephase eines ganzen Teams erklären? Sportdirektor Christian Nerlinger, am Sonntagabend anstelle des verhinderten Heynckes offizieller Tonangeber der Münchner, meint: nein. „Bayern München muss das kompensieren, das kann keine Entschuldigung sein.“ Klipp und klar stellte Nerlinger die Lage des ins Stolpern gekommenen Titelfavoriten dar: „Wir sehen einen negativen Trend in der Bundesliga. Wir haben von den letzten fünf Spielen drei verloren, das schlägt sich jetzt auch in der Tabelle nieder.“ In Hannover (1:2), gegen Meister Dortmund (0:1) und nun in Mainz unterlagen die Bayern jeweils nicht zu Unrecht, weil die Gegner konzentrierter, bissiger und aggressiver waren. Vor allem auf den BVB, der demnächst bar aller internationalen Verpflichtungen sein könnte, müssen die Münchner aufpassen. Ob Borussia Mönchengladbach ebenfalls an der Spitze mithalten kann, erscheint bei einem Kader, der sich nicht viele Ausfälle leisten kann, eher fraglich.

Die Bayern erinnerten zuletzt nicht einmal mehr in Umrissen an die bis zum goldenen Oktober von sich und ihrer Spielkunst überzeugte Mannschaft. Auch, weil zu viele Komplimente schaden? Ottmar Hitzfeld, der frühere Meistertrainer der Bayern, sagte dazu am Sonntag: „Wenn eine Mannschaft immer gelobt wird, ist das sehr gefährlich.“ Heynckes, ähnlich erfahren wie Hitzfeld, steht nun vor der Aufgabe, die in der Liga verloren gegangene Gier der Mannschaft frisch zu beleben. Er muss die in Mainz fahrigen Abwehrkräfte Boateng und van Buyten (trotz seiner zwei Tore) zur Ordnung rufen, er muss beim Warten auf Schweinsteiger nach einigen Feldversuchen eine stabile Achse im defensiven Mittelfeld finden. Und er muss die alte Lust auf Attacke neu wecken. Angesichts des Münchner Überangebots in der Offensive saß gegen Dortmund Thomas Müller, in Mainz Arjen Robben – mit muskulären Problemen, wie es offiziell hieß – auf der Bank. Das vermeintliche Luxusproblem des personellen Überangebots scheint sich zu einem echten Problem zu entwickeln. Mario Gomez und Franck Ribéry spielten zwar von Beginn an, wirkten aber gehemmt und müde. Auch Müller konnte keine offensiven Akzente setzen.

„Im Moment fühlt es sich an wie eine Katastrophe“, schilderte Thomas Müller seine Gefühle nach dem unerwarteten Tiefschlag von Mainz, „was uns stark gemacht hat, haben wir uns schön kaputtgemacht.“ Greifen Heynckes’ Reparaturmaßnahmen, können die Bayern (demnächst wieder mit dem schon wieder im Lauftraining stehenden Schweinsteiger) rasch ins Rollen kommen und Siege bejubeln. So wie die Mainzer, die zur Feier des Tages in mannschaftlicher Geschlossenheit zu ihren Fans auf den Zaun kraxelten.

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