• RB Leipzig nach der Trennung von Alexander Zorniger: Ralf Rangnick hat nun noch mehr Macht

RB Leipzig nach der Trennung von Alexander Zorniger : Ralf Rangnick hat nun noch mehr Macht

In Leipzig übernimmt nun U-17-Trainer Achim Beierlorzer das Team, doch tatsächlich hat nur noch einer beim ehrgeizigen Zweitligisten das Sagen: Sportdirektor Ralf Rangnick.

Ullrich Kroemer
Schwieriges Verhältnis. Sportdirektor Ralf Rangnick (rechts) hat sich nie gut mit Alexander Zorniger verstanden, nun musste der Trainer gehen.
Schwieriges Verhältnis. Sportdirektor Ralf Rangnick (rechts) hat sich nie gut mit Alexander Zorniger verstanden, nun musste der...Foto: imago/Picture Point

Ganz oben hatte es vor zweieinhalb Jahren angefangen. Als Ralf Rangnick und Alexander Zorniger ihre Ämter bei RB Leipzig antraten, stellten sich der Sportdirektor und sein damaliger Wunschtrainer in der Vip-Loge des Leipziger Stadions vor, mit Blick auf das Spielfeld. Der schicke Ort sollte den Beginn einer neuen Zeitrechnung beim Red-Bull-Marketingklub symbolisieren. Einige Stockwerke weiter unten, tief im Bauch der Arena, hat Rangnick am Mittwoch nun die Entlassung Zornigers verkündet.

Um die Demission des knorrigen Schwaben zu erklären, der mit Leipzig zweimal in Folge in die Zweite Liga aufgestiegen ist, hatte sich Rangnick Verstärkung mitgebracht: RBL-Präsident Oliver Mintzlaff und Interimstrainer Achim Beierlorzer. Doch beide verkamen neben Rangnick, der 95 Prozent Redeanteil hatte, zu Statisten. Zwar verkündete Aufstiegsexperte Rangnick: „Achim ist ab sofort der wichtigste Mann im Verein.“ Doch das kaschierte nur notdürftig, dass Rangnick bei Zweitligist RB Leipzig künftig noch mehr Macht haben wird als bisher.

Alexander Zorniger, nicht weniger stur als Rangnick, hatte während seiner Amtszeit stets einen Gegenpol zum bisweilen überehrgeizigen Sportdirektor gebildet. „Alex und ich haben uns die gesamten zweieinhalb Jahre aneinander gerieben, das war vom ersten Tag an so“, bestätigt Rangnick. Dennoch hätten persönliche Dinge „absolut keinen Anteil an der Entscheidung“. Doch es wird nicht gerade zur Verbesserung des Klimas beigetragen haben, dass Zorniger bei der Pressekonferenz wenige Tage vor dem verpatzten Start gegen Erzgebirge Aue ironisch formuliert hatte: „Ralf will aufsteigen – und ich nicht.“ Zwei Tage nach dem blutleeren und strukturlosen Auftritt in Aue (0:2) sei bei Rangnick dann die Erkenntnis gereift, für die kommende Saison einen neuen Trainer zu verpflichten.

„Wenn ich mir die Entwicklung der letzten neun Spiele anschaue, habe ich nicht mal eine Stagnation, sondern eher einen Rückschritt gesehen. Der Trend in den vergangenen Spielen war nicht positiv“, sagte Rangnick am Mittwoch. Wichtiger als das Ergebnis sei die Art und Weise gewesen, wie man in Aue aufgetreten sei. Laut Rangnicks Version hätte Zorniger bis Saisonende weitermachen dürfen. Am Montag hatte sich der Trainer aber mit der Bitte an Rangnick gewandt, den Vertrag aufzulösen. Das Angebot, noch bis Sommer sein Gnadenbrot im Klub zu verdienen, dürfte er als Affront aufgefasst haben.

Nun soll der bisherige U-17-Trainer Achim Beierlorzer dem Team kurzfristig neue Spielfreude vermitteln und die Mannschaft mit Angriffsfußball wieder in die Spur bringen. „Wir wollen nicht auf Teufel komm raus aufsteigen“, sagt Rangnick. „Aber wenn wir die Chance dazu kriegen, heißt es, sie zu nutzen.“ Der 47 Jahre alte Beierlorzer sagte bei seiner Vorstellung nicht viel mehr als Allgemeines. Dass der Trainer nicht viel mehr als ein Platzhalter bis zum Saisonende sei, ließ Rangnick recht unverblümt durchblicken. Eine Alternative für höhere Aufgaben ist Beierlorzer definitiv nicht. Vielmehr erwägt Rangnick, künftig bei Spielen mit auf der Bank zu sitzen, um so näher am Team zu sein. Am liebsten hätte er die Mannschaft kurzfristig selbst übernommen, verwarf den Gedanken laut eigenem Bekunden jedoch, weil er so einem neuen Trainer im Sommer nur unnötig Ballast mit auf den Weg gegeben hätte.

In Zusammenhang mit einem der begehrtesten Trainerjobs hierzulande geistert der Name Thomas Tuchel bereits seit Monaten durch Leipzig. Mal soll der frühere Mainzer in Zwenkau bei Leipzig ein Haus gekauft haben, mal wollen ihn eifrige RB-Fans bei der Hausbesichtigung im Nobel-Vorort Markkleeberg gesehen haben. Auf Tuchel angesprochen, dementierte Rangnick nur halbherzig. Die Suche nach dem neuen Trainer „pressiere“ nicht. Doch dass er Zorniger vor die Tür setzte, ohne bereits eine Alternative für die Zukunft in der Hand zu haben, passt nicht zu Rangnicks Akribie.

Die größte Herausforderung für den neuen Trainer wird es sein, neben dem allmächtigen Ralf Rangnick zu bestehen. Weil sich der 56-Jährige ab Sommer ausschließlich um RB Leipzig und nicht mehr zusätzlich auch um den Standort Salzburg kümmern wird, wird Rangnick in Leipzig noch deutlich präsenter sein als bisher.

Am vergangenen Donnerstag hatte Alexander Zorniger gesagt: „Wenn wir den Aufstieg im Sommer schaffen, wird mein Denkmal hier nicht kleiner als Ralfs sein.“ Doch für Trainer-Denkmäler ist im System Rangnick kein Platz.

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