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Revolution im Tischtennis : Der Zelluloidball hat ausgedient

Ein neues Synonym muss her. Tischtennisspieler können bald nicht mehr Zelluloidkünstler oder Zelluloidartisten genannt werden. Denn der Stoff, aus dem die Bälle sind, wird nach über hundert Jahren ein anderer.

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Bist du Plastik? Auch Timo Boll muss bald mit neuen Bällen spielen.
Bist du Plastik? Auch Timo Boll muss bald mit neuen Bällen spielen.Foto: dpa

Der Internationale Tischtennis-Verband (ITTF) hat am Mittwoch beschlossen, dass ab Juli 2014 Plastikbälle übers Netz fliegen. Die ITTF hatte den Wechsel vorangetrieben, weil Zelluloid wegen Gesundheitsgefahren bereits in zahlreichen Ländern verboten ist. Die Testphase sei insbesondere mit Hilfe deutscher Wissenschaftler erfolgreich abgeschlossen worden, hieß es. Aber noch weiß niemand, ob sich Tischtennis dadurch verändert, weil der Ball anders fliegen und springen könnte.

Li Zhen ist deshalb vorsichtig. Er ist Manager beim chinesischen Ball-Weltmarktführer Double Happiness. 100 Millionen Bälle stellt seine Firma jedes Jahr her, für die eigene Marke, aber auch für andere Tischtennisfirmen, die dann einfach ihren Stempel draufdrucken. „Wir sind noch in der Experimentierphase“, sagt der junge Manager mit der Designerbrille, „wir haben noch ausreichend Zeit, den Ball zu perfektionieren.“ Jede Frage zum neuen Ball scheint ihm Unbehagen zu bereiten. „Ich kann Ihnen noch nichts Genaues sagen. Es wird Unterschiede geben, aber nur kleine. Er wird ein bisschen anders klingen, aber nur ein bisschen.“

Der Chinese hat wohl die Sorge, die Tischtennisspieler zu verunsichern. Sie reagieren schließlich sensibel auf alles Neue. Und um den Ball zu beherrschen, wollen sie ihn genau kennen. Vor dem Spiel werden die Bälle bei großen Meisterschaften erst einmal auf perfekte Rundungen getestet, nur die rundesten wollen die Spieler mit an den Tisch nehmen.

Mit Zelluloidbällen wird im Tischtennis schon seit 1891 gespielt, Zelluloid war davor unter anderem als Ersatzmaterial für Elfenbein bei der Herstellung von Billardkugeln entwickelt worden. Zelluloid wurde auch bei der Produktion von Filmmaterial eingesetzt, das Plektron für die Gitarre entstand ebenfalls daraus. Fürs Tischtennis ist es deshalb besonders gut geeignet, weil es so elastisch ist, der Ball verformt sich schließlich beim Auftreffen auf Schläger und Tisch extrem.

Am Stand von Double Happiness in der Dortmunder Westfalenhalle können sich die Nationalverbände während der WM zwei Exemplare zum Testen abholen. Sie sollen dann ihre Rückmeldungen abgeben. Die fallen bisher sehr verschieden aus. Manche monieren vor allem die unterschiedliche Qualität, der eine Ball sei so, der andere so.

Schon in den Achtzigerjahren gab es einen Versuch mit Plastikbällen. Sie waren nach einiger Zeit jedoch so glatt, dass sie keine Rotation mehr annahmen. Es wird also noch eifrig experimentiert – für einen runden Ball, einen schönen Klang und einen guten Flug.

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