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Roger Federer und Rafael Nadal beim Laver Cup : Gemeinsam für Europa

Die beiden Tennislegenden Roger Federer und Rafael Nadal gewinnen in Prag mit dem Team Europa die Premiere des Laver Cups - und spielen erstmals ein Match Seite an Seite.

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Zwei Rivalen, die sich schätzen. Foto: Reuters
Zwei Rivalen, die sich schätzen.Foto: Reuters

Rafael Nadal gab sich entrüstet. „Wenn du das nicht willst, dann wird das natürlich nicht funktionieren mit uns“, sagte er in Richtung von Roger Federer und zog dabei vorwurfsvoll die linke Augenbraue hoch. Die beiden mindestens besten Tennisspieler der Gegenwart hatten bei der Premiere des Laver Cups in Prag gerade erstmals überhaupt zusammen ein Match bestritten. Ob sie denn vielleicht nach dem Ende ihrer Einzellaufbahnen eine gemeinsame Zukunft im Doppel sehen würden, wurden sie nach ihrem Sieg für Team Europa gegen das Welt-Duo Jack Sock und Sam Querrey (6:4, 1:6, 10:5 im Match-Tiebreak) am späten Samstagabend gefragt. Federer mochte dieser Idee nichts abgewinnen und Nadal sah das genauso. Die Lacher nahm er an dieser Stelle aber gern mit.

Gelacht haben der 36-jährige Schweizer und der 31-jährige Spanier in den Tagen von Prag viel. Die seit mehr als einem Jahrzehnt gepflegte und von vielen Tennisfans weltweit geliebte Rivalität wurde für den am Ende vom Team Europa mit 15:9 gewonnenen neuen Wettbewerb kurzerhand ausgesetzt. Über den sportlichen Wert des Laver Cups gab und gibt es unterschiedliche Auffassungen, doch allein die Aussicht auf ein Doppel von Federer und Nadal hatte im Vorfeld hohe Erwartungen geschürt. Und die waren über das gesamte Turnier spürbar. Auch wenn beide Spieler immer wieder betonten, dass es in erster Linie um den Teamerfolg gehe.

In der Mannschaft Europas drehte sich fast alles um die beiden, auch weil die Gewinner von zusammen 35 Grand-Slam-Turnieren so unkompliziert miteinander und mit allen anderen umgehen. Natürliche Autorität nennt sich das, von den anderen Teammitgliedern wurde sie nicht nur hingenommen, sondern ausdrücklich gewünscht.

Während des Spiels war die Nervosität unübersehbar

Dazu kam die Begeisterung der Zuschauer in Tschechien. Schon am Mittwoch bei der Vorstellung der Mannschaften auf dem Altstädter Ring im Prager Zentrum standen die beiden Superstars im Mittelpunkt. „Roger“ und „Rafa“ – immer wieder riefen die Fans ihre Namen und so ging es auch am Wochenende weiter. Wurde einer von ihnen auf dem Videowürfel in der Halle eingeblendet, brandete lauter Jubel unter den fast 17.000 Zuschauern auf. Und bei den Pressekonferenzen musste Europas Kapitän Björn Borg sich Mühe geben, möglichst so zu tun, als wäre die Entscheidung, ob er Federer und Nadal zusammen im Doppel aufstellen würde, eine offene. Die war es natürlich nicht. Ein bisschen Druck gab es vor dem Match aber schon, der Laver Cup will schließlich keine Showveranstaltung sein. „Leute, die Tennis nicht so intensiv verfolgen, hätten vermutlich nicht verstanden, wenn wir verloren hätten“, sagte Federer.

Während des Spiels war eine gewisse Nervosität zwischenzeitlich unübersehbar. Einmal schlug Federer am Netz stehend einfach an einem Ball vorbei, ein anderes Mal konnte er Nadal gerade noch ausweichen, als der zum Schmetterschlag ausholte. „Nachdem wir über all die Jahre Rivalen waren, war dieses Doppel etwas ganz Besonderes“, sagte Nadal nach dem Match. Rivalen werden sie trotz dieses gemeinsamen Erlebnisses dennoch immer bleiben, obwohl ihr Verhältnis inzwischen fast schon freundschaftlich ist. „Wenn wir künftig wieder gegeneinander antreten, wird es kein Schaulaufen geben. Wir werden hart spielen und schauen, dass der Beste gewinnt“, versprach Federer. Diese Aussicht dürfte die Tennisfans in aller Welt mindestens mit genauso viel Freude erfüllen, wie es das Doppel von Prag getan hat.

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