Sport : Roger Wittmann und Lorenz Funk im Streitgespräch

Lorenz Funk,Roger Wittmann bestimmen als Manag

Lorenz Funk und Roger Wittmann bestimmen als Manager die sportlichen Geschicke der beiden Berliner Teams in der Deutschen Eishockey-Liga. Funk war 1983 Gründungsmitglied des Capitals-Vorgängers BSC Preussen und arbeitet seit 1991 bei den Eisbären in Hohenschönhausen. Wittmann kam vor einem Jahr als Generalbevollmächtigter des Unternehmers Egon Banghard zu den Capitals. Das Gespräch moderierten Claus Vetter und Sven Goldmann.

Roger Wittmann: Schön, dass du zu uns in den Westen ins Kempinski gekommen bist, Lenz. Aber bitte setz dich nicht so nah zu mir aufs Sofa, sonst denken die Leute hier noch, wir wären die Kessler-Zwillinge.

Lorenz Funk: Also, so dicht wie du darf sonst nur ein Weib neben mir sitzen.

Tagesspiegel: Wir staunen, wie nett Sie miteinander umgehen. Dabei hat der Herr Funk doch erst vor einer Woche gesagt, das Klima zwischen Eisbären und Capitals wäre noch nie so eisig gewesen wie jetzt.

Wittmann: Wenn der Lenz so was sagt? Ich bin ein real denkender Mensch, und wenn du so etwas in der Zeitung schreibst, Lenz . . .

Funk: Ich habe nichts geschrieben.

Wittmann: Ich bezweifle nicht, dass du schreiben kannst.

Funk: Fakt ist, dass die Zeit mit Windler, dann mit Metz und Ustorf anders war. Danach wurde es kühler.

Wittmann: Lenz, du bist jemand, der im Sport Großes geleistet hat, und davor habe ich Respekt. Nur zwischendurch sagst du Dinge, da fällt mir nichts mehr ein. Die sind so an den Haaren herbeigezogen. Du sagst zum Beispiel, wir müssten mal etwas machen, damit es richtig scheppert und kracht. So was brauche ich nicht, weißt du warum?

Funk: Weil es bei euch schon gekracht hat.

Wittmann: Wir müssen schauen, dass wir unsere Vergangenheit bewältigen. Da habe ich keine Zeit, mir mit dir Gedanken darüber zu machen, ob wir was veranstalten, damit die Zeitungen was zu schreiben haben, damit es ein bisschen raucht. Das geht auch so. Auf einmal ist unser Trainer nicht mehr da, da raucht es automatisch. Dafür brauche ich nicht dich, und du brauchst mich nicht.

Funk: Was stört dich denn?

Wittmann: Ich gebe dir mal ein Beispiel. Wenn du zu unseren Spielen kommst und 20 Leute dabei hast, kommen die immer rein. Ich habe mal vier Leute dabei gehabt und brauchte noch vier Karten. Die habe ich dann auch bekommen - und am nächsten Tag einen Brief, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich nicht so viele Leuten anschleppen soll. Da fehlen mir die Worte.

Funk: Für euch war das mit den Freikarten in der letzten Saison ja einfach. Ihr hättet auch ohne Probleme 5000 Karten zur Verfügung stellen können.

Wittmann: Weißt du, was euer Problem ist? Arroganz!

Funk: Das ist ja stark.

Tagesspiegel: Nun wird sich das schlechte Verhältnis zwischen zwei Vereinen nicht dadurch entstanden sein, dass irgendwer irgendwelche Freikarten nicht bekommen hat.

Wittmann: Natürlich nicht. Aber die Dinge reihen sich aneinander. Zum Glück muss ich sagen, dass ich zu den Eisbären überhaupt keine Beziehung habe. Für mich ist der Klub gegenstandslos. Für mich dreht es sich nur um die Preussen. Das tut dir schon ein bisschen weh, dass wir wieder so heißen, nicht wahr, Lenz?

Funk: Nach dem Irrsinn, der da drüben bei euch in den letzten Zeit passiert ist? In drei Jahren viermal den Namen wechseln, dann die Identität in Richtung eines Charlottenburger Kiez-Klubs verändern, den keiner mehr kennt. Da musst du jetzt viel arbeiten, dass du den wieder auf Vordermann bringst.

Wittmann: Aber weißt du, was der Unterschied zwischen dem Kiez-Klub und euch ist? Wir sind nicht gekauft worden. Warum seid ihr denn gekauft worden, weil ihr so gut in der Vergangenheit gearbeitet habt?

Funk: Hör doch auf. Was ist denn bei euch passiert? Was hat denn der Egon Banghard in den letzten Jahren an Geld gegeben?

Wittmann: Ich glaube nicht, dass dich das etwas angeht.

Funk: Aber du sagst doch auch über uns, dass wir gekauft worden sind.

Wittmann: Ja, stimmt das etwa nicht? Hat euch die Anschutz-Gruppe nicht gekauft?

Funk: Die Gesellschafter haben ihre Anteile verkauft. Ihr habt das so ähnlich gemacht, indem ihr das Stammkapital erhöht habt.

Wittmann: Aber warum haben eure Gesellschafter ihre Anteile verkauft? Über uns konnte jeder in der Zeitung nachlesen, dass wir die Gehälter der Spieler nicht mehr bezahlen konnten. Warum bei euch nicht?

Funk: Wir hatten nach dem Bosman-Urteil zwar Erfolg, sind aber immer den Schulden hinterhergelaufen, die wir gemacht haben, als wir noch die Loser waren. Die Vergangenheit hat uns immer eingeholt. Hätten wir nur für die letzten drei Jahre einen Abschluss gemacht, dann sähe der besser aus.

Tagesspiegel: Herr Wittmann, von Seiten der Capitals ist in den letzten Wochen eine seltsame Geschichte gestreut worden. Angeblich ist da ein Scheck geplatzt bei Niklas Hede, der von den Eisbären zu den Capitals gewechselt ist.

Wittmann: So eine Geschichte hätte ich persönlich nicht geschrieben. Aber wenn Hede sein Geld erst im August bekommt, ist das doch nicht in Ordnung. Das Geld steht ihm zu, wenn die Runde vorbei ist.

Funk: Das Geld war vorher nicht da. Ich gebe ja zu, dass wir da Probleme gehabt haben. Aber ihr Geld haben die Spieler immer bekommen. Dafür haben wir hart gearbeitet.

Wittmann: Es gibt ja zwischen uns nicht nur sportliche Rivalität. Weißt du noch, wie ihr damals einer Zeitung gesteckt habt, wir würden hinter dem Rücken der Mannheimer Adler mit Mike Pellegrims verhandeln? Da habt ihr vergessen zu sagen, dass ihr in Mannheim bei Pavel Gross angerufen habt. Woher ich das weiß? Der Junge hat bei mir Kaffee getrunken, als das Telefon klingelte. Da rufst du an, mitten in den Play-offs.

Funk: Das war alles mit Mannheims Manager Marcus Kuhl abgesprochen.

Tagesspiegel: Sie beide werden wohl keine Freunde fürs Leben mehr.

Wittmann: Also, ich muss dazu sagen, dass ich den Lenz schon schätze. Aber es stört mich, wenn du die Unwahrheit sagst.

Funk: Zum Beispiel?

Wittmann: Du hast behauptet, dass wir in der Vorbereitung nicht gegen euch spielen wollten. Das ist falsch, und das kann ich belegen.

Funk: Das kannst du hundertmal belegen. Ihr wolltet nicht gegen uns spielen. Ich habe euren Trainer Michael Komma gefragt. Der hat gesagt: "Nein, du weißt schon, warum."

Tagesspiegel: Warum?

Funk: Die wollten halt nicht.

Wittmann: So ein Schmarrn, hör auf. Lenz, jetzt rufen wir den Komma an.

Funk: Hör auf, der lügt doch.

Wittmann: Das sagt er von dir auch.

Tagesspiegel: Was können wir denn in dieser Saison sportlich von Ihnen erwarten?

Wittmann: Eine spannende Saison, auch im Kampf um die Nummer eins in Berlin. Für mich ist die Rivalität zwischen den Capitals und den Eisbären verdammt wichtig.

Funk: Richtig, das ist doch die beste Konstellation, die du dir denken kannst. Wir im Osten gegen euch im Westen.

Wittmann: Das sehe ich anders. Wenn die Eisbären auch hier in Charlottenburg wären, wäre das für mich dasselbe. Du redest nie von Berlin, sondern nur von Ost oder West.

Funk: Ich sage das, weil es so ist, und weil ich an der Front bin in Hohenschönhausen und nicht wie du im Kempinski wohne. Und wenn die Leute über Eishockey in Berlin reden, dann reden sie über die Eisbären.

Wittmann: Tut mir Leid, Lenz, aber ich kenne niemanden, der über die Eisbären redet, wenn über Eishockey gesprochen wird.

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