Ronaldinho : Das Lächeln verschwindet

Ronaldinho hat dem FC Barcelona wieder Größe und Erfolg verschafft – jetzt geht er als traurige Figur. Sein Weg führt nach Italien.

Julia Macher[Barcelona]
Ronaldinho
Ronaldinho verlässt den FC Barcelona. -Foto: dpa

Nüchterner kann man das Ende einer fünfjährigen Ehe nicht verkünden. „Wenn einer nicht mehr bleiben will und der andere nicht will, dass er bleibt, ist das die beste Lösung“, sagte Johan Cruyff, der frühere Trainer und die graue Eminenz des FC Barcelona, am Wochenende. Die Rede ist von Ronaldinho, dem brasilianischen Fußballkünstler, dem ganz Barcelona jahrelang zu Füßen gelegen hatte. Nun ist die Liebe derart abgekühlt, dass eine Trennung in der Tat unvermeidlich erscheint. Und tatsächlich: Laut italienischen Medien wird Ronaldinho zur kommenden Saison für 20 Millionen Euro zum AC Mailand wechseln. Angeblich hat sein Manager und Bruder Roberto de Assis einen Vierjahresvertrag ausgehandelt, mit einem Gehalt von acht Millionen Euro. Milans Vizepräsident Adriano Galliani verkündet bereits: „Wir sind uns einig.“

Auch wenn der FC Barcelona den Transfer offiziell noch nicht bestätigt, geht derzeit eine Ära zu Ende. Ronaldinho, der 2003 für 30 Millionen Euro von Paris St. Germain an die Mittelmeerküste gewechselt ist, war der Mann, der Barça das Lächeln zurückgab, ein Lächeln, das immer breiter und strahlender wurde. Er zeigte Tricks, die man vorher nicht kannte, schoss Tore mit dem großen Zeh, der Hacke oder aus ballettähnlichen Pirouetten heraus und befreite den FC Barcelona aus einer jahrelangen Depression. Wer nach Ronaldinhos Taten im blauroten Trikot fragt, hört irgendwann eine enthusiastische Schilderung jener Nacht im November 2005, als der FC Barcelona in einem spektakulären Auswärtsspiel Real Madrid 3:0 besiegte. Zwei der Tore gingen damals auf das Konto von „El Gaucho“; beide Male hatte Ronaldinho in genialen Sololäufen mehrere Gegner umspielt. Am Ende erhoben sich im Bernabeu-Stadion selbst Real-Madrid-Fans von ihren Plätzen und spendeten Applaus. So etwas war zuvor nur Diego Maradona gelungen.

In jener Saison gewann Barcelona zum ersten Mal seit sechs Jahren die Meisterschaft; im Jahr darauf feierte der Verein den Meistertitel und den Gewinn der Champions League. Beim Triumphzug durch Barcelona stand Ronaldinho ganz vorne auf der Ladefläche des Trucks, die ganze Stadt lag ihm zu Füßen. Danach fuhr Ronaldinho mit Brasiliens Nationalmannschaft zur WM und kehrte ausgebrannt zurück. Zu seiner alten Form sollte er nicht zurückfinden.

Zuerst verzieh man ihm, doch als ihm während dieser Saison nichts gelang, er über Schmerzen klagte und sich immer häufiger in den Kraftraum zurückzog, wuchs der Missmut, und Gerüchte über Partynächte kursierten. Beweisen konnte sie niemand, aber die Umstände beim FC Barcelona können auch zähere Kämpfernaturen als Ronaldinho aus dem Gleichgewicht bringen: So genannte Freunde des Brasilianers erzählen in Radiointerviews, dass er ja schon immer zu viel gefeiert habe und liefern der barcelonesischen Hofpresse willkommenes Futter. Selbst lang zurückliegende Jugendsünden boten Stoff für Schmähartikel.

Der endgültige Bruch zwischen Klub und Spieler erfolgte Mitte März, als der Verein ein Gutachten veröffentlichte, nach dem die Ärzte keine physischen Ursachen für Ronaldinhos Schmerzen erkennen konnten. Der zweifache Weltfußballer stand als Simulant da. Ab da war die Beziehung zwischen Klub und Star endgültig zerrüttet.

Dass „El Gaucho“ zwei Wochen später einen Muskelfaserriss erlitt und ärztlich beglaubigt sechs Wochen, also quasi bis Saisonende, krank geschrieben wurde, passte ins Gesamtbild: Einen so unglamourösen Abschied hat einer, der 202 Mal für Barcelona spielte, nicht verdient.

Vergangene Woche verkündete Ronaldinho, er wolle alles tun, um zum Rückspiel im Champions League Halbfinale gegen Manchester United wieder dabei zu sein. In Old Trafford will Ronaldo de Assis Moreira noch einmal das rotblaue Trikot tragen. Er will zumindest einen Rest an Würde bei seinem Abschied haben.

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