Sport : Runen auf Plakaten

Lazios Fans feiern Klose mit faschistoiden Parolen

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Vielleicht war das absehbar. Weniger erschütternd ist es deshalb nicht. Als Miroslav Klose mit seinem Verein S.S. Lazio am Sonntagabend zum römischen Fußballderby gegen die A.S. Roma antrat, hielten die Fans aus der Nordkurve ein Transparent in die Kameras: „Klose mit uns“, stand darauf. Auf deutsch. So wie es – „Gott mit uns“ – zu Hitlers Zeiten auf den Koppelschlössern der deutschen Wehrmacht stand. Die Parole erinnert auch an den Schlachtruf der italienischen Faschisten „Duce – A noi“ („Führer – mit uns“). Und damit kein Zweifel aufkommen konnte, woran die Lazio-Tifosi tatsächlich dachten, hatten sie die beiden „s“ in dieser Wendung auch noch als Runen-S geschrieben. Wie Hitlers „SS“ das seinerzeit tat.

Das Bild wurde weltweit vertrieben und in mehreren deutschen Medien publiziert, unter anderem im Tagesspiegel. Auf anderen Plakaten wurde Klose, der in der Nachspielzeit das 2:1-Siegtor erzielte, als deutscher „Panzer“ gefeiert. Klose ist seinem Ruf als wichtiger Torschütze wieder gerecht geworden. Und die Lazio-Anhänger, die „Laziali“, ihrem als Fans mit faschistoidem Einschlag.

Dabei war es gerade ein wenig ruhiger geworden um den Verein. Gewalttätige Ausschreitungen haben abgenommen, seit das italienische Innenministerium in der vergangenen Saison den „Fan-Pass“ eingeführt hat. Gerade vielen „Laziali“ wurden die verstärkten Überwachungsmöglichkeiten und die neuen, massiven Polizeikontrollen zu viel; aus Protest wurden etwa 80 Prozent weniger Dauerkarten gekauft – und zwischendurch lösten die Fans sogar ihre traditionelle, berühmt-berüchtigte Nordkurve auf.

Der Kern der siebtgrößten Fangemeinde der italienischen Serie A ist im Herzen das geblieben, was er immer war: rechts bis rechtsextrem. Das zeigen Sonntag für Sonntag die Transparente in den Stadien; das bewiesen nun beim Derby die Sprechchöre gegen den „Feind“ von der A.S. Roma: „Und jetzt alle zusammen: die Gelb-Roten sind Juden, sind Juden...“

Von historischer Sensibilität fehlt jede Spur: Just am selben Kalendertag, dem 16. Oktober 1943, waren die 2000 Juden Roms von den Nazis gesammelt und in die Konzentrationslager gekarrt worden; nur eine Handvoll von ihnen kehrte zurück. Während die Lazio-Fans am Sonntag im Stadion gröhlten, zogen Tausende Menschen im Gedenkmarsch schweigend durch die Innenstadt.

Zu Lazio gehörte bis 2006 der berüchtigte Stürmer Paolo Di Canio, der es sich trotz wiederholter Abmahnung und internationaler Entrüstung nie nehmen ließ, seinen Fans den erhobenen rechten Arm zum „römischen Gruß“ entgegenzurecken. „Faschist bin ich, Rassist aber nicht“, war das Äußerste, was Di Canio sich als Entschuldigung entlocken ließ.

Und jetzt Miroslav Klose. Der gerade verpflichtete Deutsche wird hier auch in den Medien „Panzer“ genannt oder „Killer“. Nun könnte er unversehens und ungewollt zur Projektionsfläche des rechtsextremen Gedankenguts zu werden.

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