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Ryder Cup 2022 : DOSB fordert Steuerbefreiung

Der Deutsche Olympische Sportbund fordert eine Steuerbefreiung für den Ryder Cup 2022. DOSB-Generaldirektor Vesper widerspricht der Politik: "Golf ist keine Randsportart."

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Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Michael Vesper.
Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Michael Vesper.Foto: dpa

Als haushoher Favorit galt die deutsche Bewerbung um den Ryder Cup 2022 in Bad Saarow bisher: Mehr Golfer als in Deutschland gibt es nirgendwo auf dem europäischen Festland. Der Autobauer BMW, als großer Geldgeber des internationalen Golfsports, wünscht sich Bad Saarow. Und da der prestigereiche Kontinentalvergleich zwischen Golfern aus Europa und den USA zunehmend die Nähe zu pulsierenden Metropolen sucht, passt auch der Großraum Berlin gut ins Anforderungsprofil.

Wenn es jedoch schlecht läuft, könnten die Chancen von Bad Saarow am Freitag auf null sinken. Dann beraten die obersten Finanzbehörden der Bundesländer sowie Bundesfinanzminister Wolfang Schäuble (CDU) über eine Steuerbefreiung für den Ryder Cup – ohne die der Golf-Teamwettbewerb wohl nicht an Deutschland gehen dürfte. Schäuble steht dem Antrag aus Brandenburg „skeptisch gegenüber“, wie es ein Sprecher seines Ministeriums ausdrückt. Eine Entscheidung habe der Minister aber noch nicht getroffen.

Die gesetzlichen Kriterien für die Steuerbefreiung von Großereignissen sind recht schwammig formuliert: Die Veranstaltung muss ein international bedeutsames Ereignis sein, an dem ein besonderes öffentliches Interesse besteht. Um die Ausrichtung muss zudem ein internationaler Wettbewerb stattfinden. Das Ereignis muss im In- und Ausland massenhaft wahrgenommen werden und eine gewisse Publikums- und Breitenwirkung entfalten.

Für Michael Vesper, den Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), erfüllt der Ryder Cup diese Voraussetzungen: „Der Ryder Cup hat eine international herausragende Stellung und kann mit großen Fußballereignissen durchaus mithalten.“ Zuletzt kamen etwa die FIFA für die Fußball-WM 2006 und die UEFA für das diesjährige Champions-League-Finale in Berlin in den Genuss einer Steuerbefreiung.

Fifa und Uefa sind schon in den Genuss der Steuerbefreiung gekommen

Wolfgang Schäuble fürchtet offenbar einen Dammbruch, wenn mehr und mehr Sportveranstaltungen hierzulande Steuerprivilegien gewährt werden. In einem internen Papier des Ministeriums, aus dem der Spiegel zitiert, soll Golf als Randsportart bezeichnet worden sein und damit der Ryder Cup formal für eine Steuerbefreiung ausscheiden.

„Golf ist definitiv keine Randsportart in Deutschland und erst recht nicht in der Welt“, entgegnet darauf Michael Vesper. Dass die 640.000 Amateurgolfer in Deutschland die Bewerbung um den Ryder Cup durch eine Abgabe mitfinanzieren, sei einzigartig und ein Beleg des großen Interesses hierzulande. „Eine Entscheidung pro  Ryder Cup 2022 in Deutschland dürfte auch die Chancen von Hamburgs Olympia-Bewerbung steigern, die von der Bundesregierung unterstützt wird“, glaubt Vesper.

Auf wie viel Geld Bund und Länder bei einem steuerbefreiten Ryder Cup verzichten würden, mag das Bundesfinanzministerium nicht einschätzen. Die Summe dürfte in jedem Fall ein Bruchteil dessen betragen, was der FIFA in Rahmen der WM 2006 gewährt wurde. „Der Ryder Cup wäre in jedem Fall ein Plus-Geschäft für den Fiskus“, sagt Jörg Schlockermann, Sprecher des Deutschen Golf-Verbands (DGV). Denn der Steuerbefreiung für den Veranstalter Ryder Cup Europe stünden erhebliche besteuerte Einnahmen rund um das Golfturnier gegenüber. Beim Ryder Cup 2010 in Wales sollen dies etwa 100 Millionen Euro gewesen sein.

Der DGV würde sich wünschen, mit seiner Ryder-Cup-Bewerbung nicht dem guten Willen der Politik ausgeliefert zu sein. Fest steht: Sollten die Konkurrenten Spanien, Italien oder Österreich mit einer Steuerbefreiung aufwarten und Deutschland nicht, wäre selbst eine sehr gute Bad Saarower Bewerbung am Ende wertlos. Ein internationales Abkommen, um grundsätzlich auf Steuerbefreiungen zu verzichten, sei derweil „wenig erfolgversprechend“, schätzt ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

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