Ryder Cup 2022 geht nach Italien : Der deutsche Sport verliert schon wieder

Nicht Deutschland mit Bad Saarow, sondern Italien wird den Ryder Cup 2022 ausrichten. Der deutsche Sport kassiert damit die nächste bittere Niederlage. Ein Kommentar.

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Der Wille allein hat nicht gereicht. Der Ryder Cup 2022 geht nach Rom.
Der Wille allein hat nicht gereicht. Der Ryder Cup 2022 geht nach Rom.Foto: dpa/Pleul

Wie konnte das bloß schief gehen? Deutschland galt bei der Vergabe des Ryder Cups 2022 als großer Favorit. So jedenfalls hatten die Verantwortlichen des nationalen Bewerbungskomitees ihre Position selbst eingeschätzt. Doch letztlich kam es anders. Italien richtet 2022 den Ryder Cup aus, nicht Deutschland mit Bad Saarow. Eine herbe Enttäuschung. Und eine, die nicht ohne weiteres zu erklären ist.

Große Fehler nämlich haben die Organisatoren von der Ryder Cup Deutschland GmbH nicht gemacht. Bei der Auswahl des Platzes hatten sie auf die Nähe zu Berlin gesetzt. Bei der Architektur des Kurses in Bad Saarow wollte Nick Faldo Hand anlegen, der erfolgreichste europäische Spieler in der Geschichte des Ryder Cups. Die organisierten Golfer in Deutschlands Clubs standen ebenso hinter der Bewerbung wie die deutsche Politik, die sogar die unvermeidliche Steuerbefreiung für den Mannschaftswettbewerb zwischen Europa und den USA garantiert hatte. Dazu engagierten sich mit BMW und der Allianz gewichtige Sponsoren für die Bewerbung.

Das deutsche Golf wird sich von dem Rückschlag nicht so leicht erholen

Und trotzdem ist Deutschland gescheitert. Für den deutschen Golfsport ist dies ein herber Rückschlag, von dem er sich so leicht nicht erholen wird. Eine weitere Bewerbung scheint mittelfristig unwahrscheinlich, 2026 dürfte erst einmal ein Platz in Großbritannien den Ryder Cup in Europa ausrichten. Und ob der deutsche Golfsport sich noch einmal so geschlossen für dieses Großereignis aufstellt wie diesmal, scheint dann doch fraglich.

Verlierer ist aber nicht nur das Golf in Deutschland, sondern der gesamte deutsche Sport. Der Schock nach der verlorenen Olympia-Abstimmung von Hamburg sitzt noch tief, nun fällt das nächste sportliche Großereignis hierzulande aus. Für kleinere Sportarten wird es immer schwerer, neben dem übermächtigen Fußball ihren Platz zu finden. Golf dürfte in der öffentlichen Wahrnehmung damit auch künftig keine große Rolle spielen. Die einmalige Chance, das elitäre und wenig volksnahe Image mit dem Ryder Cup wenigstens für eine Woche abzulegen – verpasst. Was bleibt ist Ernüchterung und die Erkenntnis, dass selbst ein wohl durchdachtes Konzept noch keinen Erfolg garantiert.


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