Sport : Schnellster Mann auf keinen Beinen

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Die großen Siege können manchmal bei kleinen Sportfesten passieren. Wie am Dienstagabend im italienischen Lignano, als der Südafrikaner Oscar Pistorius die 400 Meter in 45,07 Sekunden lief. Das ist fast zwei Sekunden langsamer als der Weltrekord und dennoch ein einmaliges Ereignis, denn Oscar Pistorius hat sich damit als erster behinderter Athlet für die Weltmeisterschaften der Leichtathleten qualifiziert.

Pistorius kann starten und er darf starten. Der Internationale Leichtathletik-Verband hatte ihn nämlich früher nicht laufen lassen wollen. Seine Karbonprothesen seien ein Verstoß gegen die Chancengleichheit. Das Schlagwort vom „Techno-Doping“ machte die Runde. Es ist genauso irreführend wie verletzend. Pistorius versucht sich anders als ein Medikamentendoper keineswegs einen unerlaubten Vorteil zu verschaffen. Er will einfach nur schnell laufen. Weil er ohne Wadenbeine geboren wurde, rennt er eben mit Prothesen. Sogar mit einem Gutachten hatte der Verband Pistorius aufzuhalten versucht. Doch das Gutachten zur Chancengleichheit war selbst ein Dokument der Chancenungleichheit. Es untersuchte Pistorius’ Vorteile auf der Geraden, nicht aber seine Nachteile beim Start und in der Kurve.

Bei der WM wird Pistorius im August hoffentlich als derjenige gesehen, der er ist: als sympathischer Athlet, der sich gegen viele Widerstände durchgesetzt hat. Die Debatte um unerlaubte Vorteile sollte nicht wieder aufflammen. Auch nicht die, dass Pistorius Vorbote einer Sportlergeneration sei, die sich mit künstlichen Hilfsmitteln Beine macht. Sie ist absurd. Denn wie vielen Menschen fehlen von Geburt an gleich beide Wadenbeine?

Sich selbst hat Pistorius einmal den originellen Namen „fastest man on no legs“ gegeben – der schnellste Mann auf keinen Beinen. Das Publikum der WM kann sich auf ihn freuen.

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