Sport : Schwabe im Einsatz

Rolf Deyhle entwickelte das Fifa-Marketingkonzept

Matthias Sander[Stuttgart]
Der Mann mit dem Goldpokal. Rolf Deyhle hat dem Weltverband Fifa zu großem Reichtum verholfen. Foto: ddp
Der Mann mit dem Goldpokal. Rolf Deyhle hat dem Weltverband Fifa zu großem Reichtum verholfen. Foto: ddpFoto: ddp

„Bei jedem WM-Spiel ist ein Schwabe dabei“, hat Joseph Blatter einmal gesagt. Damit meinte der Präsident des FußballWeltverbands Fifa seinen langjährigen Weggefährten Rolf Deyhle, einen Stuttgarter Multiunternehmer. Deyhle hat 1977 das noch heute gültige Fifa-Logo entworfen. Auf einer Zugfahrt zum Fifa-Sitz nach Zürich zeichnete er auf einer Serviette zwei einander überschneidende Kreise, die jeweils zugleich Erdhälfte und Fußball sind. Bei jedem WM-Spiel in Südafrika prangte es auf der Fifa-Fahne, die als erste aufs Spielfeld getragen wird. So wird es auch in vier Jahren in Brasilien sein.

Bei jedem Spiel ist ein Schwabe dabei – das könnte auch auf die Vermarktung der Fifa und der Weltmeisterschaften gemünzt sein. „Ich habe den kommerziellen Teil der Fifa aufgebaut“, sagt Deyhle. Er empfängt im „Freizeit- und Erlebniszentrum Stuttgart International“, einem Musical- und Hotelkomplex, den er Anfang der Neunzigerjahre für eine halbe Milliarde Mark bauen ließ. Ursprünglich wollte er der Fifa nur eine Comicfigur verkaufen – „Sport-Billy“ wurde Fifa-Maskottchen und zierte lange den Fair-Play-Pokal der WM. „Als ich dem damaligen Fifa-Generalsekretär Helmut Käser meine Ideen vorgestellt hatte, sagte er: ,Ist wunderbar. Wir haben bloß kein Geld’.“

Also gab Deyhle der Fifa 50 000 Mark für Fahnen mit dem neuen Emblem. Und erarbeitete zusammen mit Horst Dassler von Adidas und „dem Blatter-Sepp“, wie er den damals Verantwortlichen der Fifa-Entwicklungsprogramme nennt, ein umfangreiches Marketingkonzept. Es wurde zur Gelddruckmaschine. Für die Fifa – und für Deyhle selbst: Er sicherte sich alle Urheber- und Vermarktungsrechte. Was er genau vorschlug, möchte Deyhle nicht sagen. Die „exclusion zone“ also, jene Bannmeile einen Kilometer um die Stadien, in denen nur Produkte der handverlesenen Fifa-Sponsoren verkauft werden? „Die stammt von mir. Die Exklusivität war eine meiner Kernideen.“ Fragt man ihn, ob es nicht schade sei, dass dadurch lokale Händler vertrieben würden, antwortet er: „Das mag menschlich bedauerlich sein. Aber die Partner bestehen auf Exklusivität.“ Geht es nicht einfach ums große Geldverdienen? Deyhle wird aufbrausend. „Alles geht ums Geld! Es heißt immer ,kommerziell’ und ,die Kleinen’.“ Aber ohne Geld könne niemand seine Aufgaben erfüllen – auch nicht die Fifa.

Bedeckter gibt sich Deyhle, wenn es konkreter um seine Geschäfte geht. Gar nichts sagen will er zum 1982 gegründeten Sportvermarkter ISL, der laut einem Schweizer Gericht zwischen 1989 und 2001 Schmiergelder in Höhe von 138 Millionen Schweizer Franken an internationale Sportfunktionäre zahlte. Durch seinen Verzicht auf Fernsehrechte scheint Deyhle den rasanten Aufstieg des inzwischen pleitegegangenen Unternehmens erst ermöglicht zu haben. Seine sonstigen Fifa-Rechte gab er 1994 ab, angeblich, weil er sich neuen Aufgaben widmen wollte. Seine aktuelle: „Ich möchte helfen, den Zen-Buddhismus in der westlichen Hemisphäre bekannt zu machen.“ Dafür hat er etwa den Bau eines Shaolin-Tempels in Berlin mitfinanziert.

1977 erhielt Deyhle einen Abguss des WM-Pokals, als einziger Privatmann der Welt. 2006 wollte er ihn angeblich versteigern; die Fifa fürchtete aber, der Höchstbietende könnte den Pokal eigenhändig vermarkten. Tatsächlich wollte Deyhle Druck auf die Fifa ausüben – in welcher Sache, bleibt sein Geheimnis. Deyhle einigte sich mit der Fifa und behielt seinen Pokal. Bei den ganz großen Spielen scheint der Schwabe immer noch dabei zu sein.

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