Sebastian Polter und der 1. FC Union : Lieber Köpenick als Ingolstadt

Sebastian Polter schlug Angebote von Erstligisten aus, um zum 1. FC Union zurückzukehren. Warum er tat das, erzählte der Stürmer nun im spanischen Trainingslager.

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Bald wieder in Rot. Hier jubelt Polter noch im Trikot von Queens Park.
Bald wieder in Rot. Hier jubelt Polter noch im Trikot von Queens Park.Foto: imago/BPI

Stürmer Sebastian Polter durfte sich am Freitag im Trainingslager des 1. FC Union über seinen ersten Sieg freuen. Beim Schnippeln von Bällen aus dem Grundlinien-Aus ins Tor bezwang er Christopher Quiring, der den Verein in Richtung Hansa Rostock verlassen wird.

Polter ist erst am Mittwochabend zum Union-Kader in Spanien gestoßen, nachdem er einen Vertrag bis 2020 unterschrieben hatte. Doch Anlaufschwierigkeiten hat der Rückkehrer vom englischen Zweitligisten Queens Park Rangers keine. „Die Vertragsverhandlungen haben nicht so lange gedauert wie sonst üblich. Verantwortliche wie Präsident Dirk Zingler haben seit meinem Wechsel quasi jeden Tag bei mir angerufen“, sagte Polter.

Die Köpenicker wollten Polter schon im Sommer 2015 nicht ziehen lassen, nachdem der sich als Leihgabe von Mainz 05 mit 14 Toren in die Herzen der Union-Anhänger gespielt hatte. Vor anderthalb Jahren schlug Polter noch das Angebot einer Festanstellung bei Union aus, weil er sich den Traum vom Kicken auf der Insel erfüllen wollte. In London fühlte er sich nicht unwohl. Doch bei den Rangers kam er sportlich nicht wirklich klar. Im Wechsel spielte er zeitweise in der Startelf und wurde phasenweise gar nicht für den Kader nominiert. Letzteres war in den vergangenen Monaten die Regel. „Die 18 Monate waren eine schöne Erfahrung. Ich habe perfekt Englisch gelernt. Ich bin in meiner Persönlichkeit gereift. Ich habe mich auch körperlich weiterentwickelt, weil es in England robuster zur Sache geht“, sagte Polter. „Die Auf und Abs bei QPR waren mir aber zu viel. Ich sage aber nicht, dass der Traum von der Premier League abgehakt ist. Aber erst mal will ich bei Union meinen Vertrag erfüllen. Dafür verzichte ich auch auf Geld.“

Mit Ingolstadt oder Darmstadt wollte Polter erst gar keine Gespräche führen

Union hat sich für den teuersten Neuzugang der Vereinsgeschichte richtig gestreckt. Rund 1,6 Millionen soll Polter gekostet haben. Auch sein Gehalt dürfte alle bisherigen Dimensionen in der 51-jährigen Vereinsgeschichte sprengen. Das weiß Polter zu würdigen. Familiäre Veränderungen spielten Union aber auch in die Karten. „Die hatten einen großen Anteil am Wechsel. Ich komme auch meiner Kinder wegen nach Deutschland zurück. Im Januar 2016 habe ich mich von meiner Frau getrennt. Sie lebt jetzt mit meinen beiden Kindern in Wolfsburg“, erklärte Polter. Von Berlin aus ist Wolfsburg schneller erreichbar als von London.

Für Union schlug Polter sogar Angebote von Erstligisten aus. Mit dem FC Ingolstadt oder Darmstadt 98 wollte Polter erst gar keine Gespräche führen. Für ihn stand fest, dass er in der Heimat nur für Union spielen will. Dort haben sich seit seinem letzten Engagement die sportlichen und wirtschaftlichen Bedingungen sogar noch verbessert. „Der Verein will unter die Top 20. Union ist konstanter geworden und näher an der Bundesliga dran. Der Glaube ist jetzt auch größer. Ich will den Verein voranbringen und zeigen, dass ich eine Rekord-Ablösesumme wert bin“, sagte Polter. „Ich will alles dafür tun, dass Union in der Zeit meines Vertrages in der ersten Bundesliga spielt. Ich bin davon felsenfest überzeugt.“

Am Montag dürfte er in Spanien im Testspiel gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden erstmals wieder für Union spielen. Nach der Rückkehr nach Berlin am Mittwoch wird Polter erst einmal im Hotel leben. „Mein Mietvertrag in London läuft noch bis Ende Februar. Da ich in einem möblierten Haus gewohnt habe, wird der Umzug nicht so groß“, sagte der Offensivspieler. „Die 20 Kartons holen mein Papa und mein bester Freund mit einem Sprinter.“

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