SEITEN Wechsel : Wo der Ball zuhause ist

Ein neues Standardwerk zu Berlins Fußballplätzen.

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Dieses Buch ist seit mindestens zwei Jahrzehnten überfällig. Es gab zwar immer mal wieder ein gutes Buch über das Berliner Olympiastadion, aber eben kein allumfassendes Werk über die Berliner Fußballplätze. Das hat jetzt Christian Wolter mit „Rasen der Leidenschaften“ nachgeholt, mit einer Unmenge an historischem Fotomaterial und kurzweiligen Texten. Es behandelt das sportliche Auf und Ab der Vereine, die Errichtung der Arenen, ihre kriegsbedingte Zerstörung und den Wiederaufbau.

Christian Wolter studierte in Leipzig Museologie, aus seiner Abschlussarbeit über das dortige Bruno-Plache-Stadion resultierte 2008 das Buch „Stadion, Tore, Emotionen“. Der Stadionhistoriker ist für die Arbeit an „Rasen der Leidenschaften“ in die Hauptstadt gezogen, er durchforstete zweieinhalb Jahre die Archive des Landes und der Vereine. Obwohl der Krieg seinen Tribut forderte, in einigen Bezirken mit der Änderung der Bevölkerungsstruktur einiges an Material verlorenging und mancher Verein kaum etwas archivierte, fanden sich dennoch einige Goldadern, etwa bei den einstigen fußballerischen Größen Berliner SC und BFC Preußen. Insgesamt sind es 66 Spielstätten, von 1880 bis heute, über deren Vereine, Rekorde und Tumulte berichtet wird.

Einige Seiten zum inzwischen verblichenen Avus-Stadion werden geliefert, das sich neben dem Mommsenstadion befand, zum Stadion der Weltjugend – zur Weddinger Plumpe sowieso. Man erfährt, dass der erste deutsch-deutsche Vergleich nach dem Mauerbau zwischen dem Berliner Altmeister Viktoria 89 und Schifffahrt/Hafen Rostock stattfand. Dass sich kurz nach einem Spiel zwischen Hertha BSC und Tennis Borussia 1928 im Deutschen Stadion ein Straßenbahnunglück ereignete, das als größte Fußballtragödie Berlins gilt, bei dem es sechs Tote und über 100 Verletzte zu beklagen gab.

Auf den zahlreichen Fotos finden sich viele unterschiedliche Gesichter der Zeit. Auch die einst starke Arbeitersportbewegung wird thematisiert, die mit der Machtergreifung der Nazis ihr plötzliches Ende fand. Diese Lektüre ist eine Reise durch die Jahrzehnte und Gesellschaftsordnungen. Flurkarten und Karikaturen passen ins liebevolle Layout. Luftaufnahmen wie die vom schneebedeckten Stadion von Lichtenberg 47, umgeben von den Plattenbauten des ehemaligen Ministeriums der Staatssicherheit besitzen ihren eigenen spröden Charme. Andreas Gläser

Christian Wolter: Rasen der Leidenschaften: Die Fußballplätze von Berlin – Geschichte und Geschichten. Verlag Edition Else. 280 Seiten, 262 Abbildungen. 19,80 Euro.

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