Sport : Sensationeller Seitenwechsel

Julius Jenkins verlässt Alba Berlin und schließt sich dem Rivalen Bamberg an. Die Trennung vom Star verlief nicht im Guten

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Goodbye Berlin. Mit Julius Jenkins (r.) verlässt der drittbeste Werfer der Klubgeschichte Alba. Dass Bryce Taylor (l.) bleibt, rückt dadurch fast in den Hintergrund. Foto: Kleist-Heinrich
Goodbye Berlin. Mit Julius Jenkins (r.) verlässt der drittbeste Werfer der Klubgeschichte Alba. Dass Bryce Taylor (l.) bleibt,...

Berlin - Was Spielerwechsel zwischen rivalisierenden Teams bewirken können, hat Marco Baldi am eigenen Leib erfahren. Als Alba Berlins Geschäftsführer einmal in Brasilien weilte, erlaubte sich ein Freund einen Scherz mit ihm. Beim Besuch des Fußball-Derbys zwischen Cruzeiro Belo Horizonte und Atlético Mineiro schenkte er Baldi das Trikot eines Spielers – das Problem: der kickte schon im Trikot des Lokalrivalen, war kurz zuvor gewechselt. Nach ein paar Anfeindungen habe er das Trikot „ ganz schnell ausgezogen“, sagt Baldi und lacht.

Eine ähnliche Situation könnte jemand erleben, der demnächst in der Arena am Ostbahnhof zum Duell mit Bamberg im Basketball-Leibchen von Julius Jenkins erscheint. Denn Albas Publikumsliebling spielt künftig für den Deutschen Meister. Alba verabschiedete Jenkins gestern offiziell per Pressemitteilung, heute will ihn Bamberg als Neuzugang vorstellen. Ein sensationeller Seitenwechsel, der sogar die Vertragsverlängerung um ein Jahr mit einem anderen Fanfavoriten, Bryce Taylor, in den Schatten stellt.

Damit verliert Alba den bestimmenden Spieler der letzten fünf Jahre und drittbesten Werfer der Klubgeschichte (4154 Punkte, nach Henrik Rödl und Wendell Alexis). Und die Trennungsgeschichte verlief nicht im Guten, zum Ablauf gibt es zwei Versionen.

Die Sicht Albas formuliert Marco Baldi: „Wir haben seit einer Woche eine inoffizielle Aussage von Julius’ Management, dass er sich verändern wird. Seit Mittwoch wissen wir es definitiv. Das Angebot war wohl so lukrativ, dass er es gleich angenommen hat und nicht warten musste, was Alba ihm anbietet.“

Jenkins’ Agent Patrick King stößt sich an der Aussage, sein Schützling habe Alba von sich aus verlassen: „Julius wollte bleiben, hat drei Wochen auf Alba gewartet, dadurch finanziell bessere Angebote von anderen Klubs verloren. Bis zum 13. Juli musste Julius dann eine mündliche Zusage geben, das haben wir Alba am 9. Juli mitgeteilt. Sie wussten es also fünf Tage lang und haben kein Angebot abgegeben, nicht mal eine Aussage, dass sie ihn überhaupt halten wollen.“ Trainer Gordon Herbert habe sogar am Mittwochabend angerufen, ob Jenkins noch einen Tag warten könne, man werde am nächsten Morgen beratschlagen. Doch da war es zu spät.

Da hatte sich der 30-Jährige schon mündlich an Bamberg gebunden. Der zuletzt zweifache Meister und Pokalsieger finde Jenkins interessant, „seit er für Nürnberg gespielt hat“, sagt King. In Bamberg erhält der Flügelspieler einen Zweijahresvertrag. „Wir hoffen, die Verpflichtung bis zum Wochenende klar zu machen“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Heyder. Die Zusage steht bereits, es fehlt wohl nur noch die Unterschrift.

Dass Alba nach Immanuel McElroy den zweiten Fanliebling in nur einer Woche verliert, nahm der Klub bewusst in Kauf. Offiziell habe man sich zunächst um die Besetzung der Trainer-, Spielmacher- und Center-Position kümmern wollen, inoffiziell wartet Alba, ob nicht noch bessere Flügelspieler auf den Markt kommen.

Denn Jenkins wurde zwar dreimal zum besten Offensivspieler und zweimal zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt und war jahrelang „der Spieler, um den wir unsere Teams herum aufgebaut haben“, wie Baldi sagt. Doch Jenkins war nicht immer unumstritten, in entscheidenden Momenten oft unsichtbar. „Er hatte dieses Stigma, zum Teil zu Unrecht“, sagt Baldi, also zum anderen Teil zu Recht. Nun wagt Alba den Schnitt. Zum Abschied sagt Baldi nur, dass so etwas normal sei im Profigeschäft. Warum man ihn gehen lässt, erklärt sich, wenn man Baldis Aussage über die Vertragsverlängerung mit Taylor spiegelt und auf Jenkins bezieht: „Das war kein Riesenakt, wo man wochenlang verhandeln musste, er passt in unser Budget und ist noch entwicklungsfähig.“

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