Serie Olympisches Berlin (1) : Zwölf für Sotschi

Am Dienstagabend wurden die Berliner Olympia-Starter verabschiedet. Die Stadt ist mit zwölf Sportlern im deutschen Team überproportional vertreten - wir stellen die Berliner Sportler in unserer Serie vor.

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Zwölf für Sotschi. Zwei fehlten allerdings am Dienstag in Berlin. Das Eiskunstlaufpaar Kolbe/Caruso weilte beim Training in Italien.
Zwölf für Sotschi. Zwei fehlten allerdings am Dienstag in Berlin. Das Eiskunstlaufpaar Kolbe/Caruso weilte beim Training in...Foto: dpa

Locker. Als russischer Politiker. Eine geschickte rhetorische Strategie inmitten aller Diskussionen um Menschenrechte und andere Unwägbarkeiten rund um die anstehenden Winterspiele in Sotschi. Wladimir Gridin war am Dienstagabend der russische Botschafter in Sachen Olympia-Lockerheit. „Es geht ab nach Sotschi, liebe Freunde“, sprach der russische Botschafter. Und dann gab es viele schöne Worte zum schönen Event in Russland vom Politiker. Gridin „räumte“, wie er fand, „mit Vorurteilen und Fehlinformationen“ auf. Schließlich wünschte er den zwölf anwesenden Athleten aus Berlin am Dienstag alles Gute für ihre Reise nach Russland: „Schnee gibt es übrigens jetzt auch in Sotschi."

Schnee ist für die Berliner Olympia-Starter allerdings Nebensache. Schließlich treten sie in Hallensportarten an. Sieben im Eisschnelllauf, drei im Eiskunstlauf und zwei im Eishockey. Im Max-Liebermann-Haus am Pariser Platz wurden sie im Beisein von Innen- und Sportsenator Frank Henkel verabschiedet. Einige von ihnen flogen bereits am Mittwoch nach Russland. Henkel, Pate für die Eiskunstläufer Peter Liebers und das Paar Tanja Kolbe und Stefano Caruso, stellte fest, dass Berlin schon so etwas wie eine „Wintersporthochburg“ sei.

Zumindest ein Hochbürgchen ist Berlin: 7,8 Prozent des 152 Sportler umfassenden deutschen Teams kommen aus der größten Stadt des Landes, in der rund 4,2 Prozent aller Deutschen wohnen. Somit ist Berlin in Sotschi überproportional vertreten – was die Anzahl der Starter angeht. Bei den Medaillenchancen wird es da wahrscheinlich anders aussehen.

Die größten Chancen auf Erfolge hat die älteste Starterin im deutschen Team. Claudia Pechstein wird während der Spiele in Sotschi 42 Jahre alt, an ihrem Geburtstag will sie bereits ihre zehnte olympische Medaille gewonnen haben. Ihre Aussichten darauf sind bei den Starts über 3000 und 5000 Meter nicht schlecht nach ihrer guten Saison im Weltcup. Auch ist Sprinterin Jenny Wolf etwas zuzutrauen, ihrer Kollegin Monique Angermüller mit etwas Glück womöglich auch. Für Denise Roth (500 Meter) und Bente Kraus (3000 Meter) zählt wohl vor allem das olympische Motto vom Dabeisein. Bei den Männern gehen Robert Lehmann (1500 Meter) und Samuel Schwarz an den Start. Schwarz zählt inzwischen zur Weltspitze der Sprinter, an einem ganz guten Tag könnte er den Sprung nach oben schaffen.

Im Eiskunstlauf peilt Peter Liebers den zehnten Platz an. „Ich habe 15 Jahre daraufhin gearbeitet, bei Olympia dabei zu sein“, sagte er am Dienstag. Nun gehe ein „Kindertraum“ in Erfüllung. Auch für die Paarläufer Tanja Kolbe und Stefan Caruso vom Berliner TSC ist es ein großer Erfolg, nach Sotschi reisen zu können. Ähnlich verhält es sich bei den beiden Eishockeyspielerinnen Susann Götz und Nina Kamenik vom OSC: Es wäre beachtlich, wen die deutsche Nationalmannschaft der Frauen auf Platz fünf landen würde – so wie vor acht Jahren in Turin. Vor vier Jahren in Vancouver hatte sich das Team nicht qualifiziert. Das Schicksal hatten diesmal die deutsche Männer: Sie haben – unabsichtlich natürlich – Historisches geschafft und sich erstmals für Olympia qualifiziert. Andernfalls wäre das Berliner Team für Sotschi größer gewesen.

Aber wenn schon keine Spieler von den Eisbären nach Russland reisen dürfen, so war wenigstens ein ehemaliger Berliner Eishockeyprofi bei der Verabschiedung der Berliner Delegation zugegen. Sven Felski, anmoderiert als „die Berliner Sportlegende überhaupt“, übergab Claudia Pechstein am Ende der Veranstaltung eine Fackel und peppte einen etwas steifen Abend mit launigen Worten auf. Auf die Frage, ob er denn schon mal gegen Pechstein gelaufen sei und wer denn gewonnen habe, sagte Felski in gewohnt salopper Art: „Natürlich habe ich sie geschlagen.“ Aber das sei nicht böse gemeint, sagte er schnell. „Es war ja auch über die kurze Strecke.“ Und Felski ist in Sotschi auch nicht am Start. Pechstein wird sich mit Olympiasiegerin Martina Sablikova und Weltmeisterin Ireen Wüst um die Medaillen streiten.

- Unsere Serie „Olympisches Berlin“ läuft bis zum Start der Olympischen Winterspiele in Sotschi am 7. Februar täglich an dieser Stelle. Teil 2 am Donnerstag: Eisschnellläufer Samuel Schwarz.

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