• Serie: Wann ist am besten Schluss? (Teil 2): Magdalena Neuner: "Es fiel mir schwer, mich zu motivieren"

Serie: Wann ist am besten Schluss? (Teil 2) : Magdalena Neuner: "Es fiel mir schwer, mich zu motivieren"

Der frühere Fußballnationalspieler Marcell Jansen hört mit 29 Jahren auf. Roger Federer ist vier Jahre älter und immer noch einer der weltbesten Tennisspieler. Was treibt den einen noch an, und warum beendet der andere seine Karriere so früh? Fünf Sportler erzählen.

Magdalena Neuner
Wenn man alles erreicht hat. Die ehemalige Biathletin Magdalena Neuner, zweimalige Olympiasiegerin, zwölfmalige Weltmeisterin, beendete mit 25 Jahren ihre Karriere. Heute ist sie selbständig und Mutter einer Tochter:
Wenn man alles erreicht hat. Die ehemalige Biathletin Magdalena Neuner, zweimalige Olympiasiegerin, zwölfmalige Weltmeisterin,...Foto: picture alliance / dpa

Schon zwei Jahre vor meinem Karriereende 2012, also direkt nach den Olympischen Spielen in Vancouver, habe ich mich gefragt: Wie lange geht das eigentlich noch? Denn eigentlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon alles erreicht, was man im Biathlon erreichen konnte. Ich war Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Gesamtweltcup-Siegerin. Ich bin keine Rekordjägerin und ich brauche nicht noch mehr und noch mehr. So hatte ich einfach keine sportlichen Ziele mehr und es fiel mir schwer, mich noch zu motivieren. Außerdem habe ich mich auch wieder nach Normalität und einem Familienleben gesehnt. Alles im Biathlon hatte sich nur auf mich konzentriert.

Während meines letzten aktiven Jahres habe ich mich richtig auf mein Karriereende und das neue Leben gefreut. Darum war ich mental und körperlich top drauf. Es gibt für mich kein besseres Ende vom Profisport, denn ich möchte immer positiv zurückdenken können. Auch der Entschluss, meinen Schritt zu Beginn meiner letzten Saison bekanntzugeben, hat mich vor allem befreit – und nicht belastet. 

Für mich war der frühe Rücktritt die perfekte Entscheidung

Meine Entscheidung haben natürlich nicht alle verstanden, aber die Leute müssen es auch nicht verstehen. Das Entscheidende, aber zugleich das Schwierigste dabei ist, dass man immer voll dahinter steht. Gerade auch weil ich wusste, dass viele meinen Entschluss nicht als den vernünftigsten ansehen. Aber für wen ist diese Entscheidung denn wirklich wichtig? Nur für mich!

Bisher habe ich nie gedacht: Ich bin zu früh zurückgetreten! Ich brauche den Spitzensport nicht um jeden Preis. Auf einen Wettkampf hätte ich manchmal noch Lust, aber nicht auf all den Aufwand, den man als Sportlerin betreiben muss. Biathlon wird immer Teil meines Lebens bleiben, deshalb beschäftige ich mich natürlich auch noch damit.

Ich hatte mich gut auf mein Karriereende vorbereitet, die Entscheidung fiel nicht plötzlich, es war ein längerer Prozess. Für mich gab es nie nur Biathlon. Ich habe mir neue Lebensziele gesetzt. Das hilft sehr. Jetzt bin ich junge Mutter und glücklich verheiratet. Ich bin einfach sehr entspannt, denn ich bin selbständig und habe immer noch zwölf Sponsoren. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass ich später noch mal etwas anderes mache. Ich habe noch viele offene Wege.

Für mich war der frühe Rücktritt die perfekte Entscheidung. Ich würde es immer wieder genauso machen. Denn ist mein Leben. Und für die eigene Zufriedenheit ist es einfach das Wichtigste, auf sich selbst zu hören. (Aufgezeichnet von Johannes Nedo)

In dieser Woche veröffentlichen wir jeden Tag einen neuen Teil aus unserer Serie "Wann ist am besten Schluss" über das Karriereende folgender Leistungssportler:

Teil 1: Frank Busemann

Teil 2: Magdalena Neuner

Teil 3: Tobias Rau

Teil 4: Thomas Haas

Teil 5: Henry Maske

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