Sport : Sich schützen ist verboten

Hellmut Krug

60. Spielminute am Samstag im GottliebDaimler-Stadion. Der Stuttgarter Pavel Pardo drischt einen Freistoß in Richtung des Leverkusener Tores – und des Kopfes von Bayer-Spieler Carsten Ramelow. Ramelow reißt den Arm hoch und wehrt den Ball vor seinem Kopf mit dem Arm ab. Schiedsrichter Peter Gagelmann zeigt dem bereits verwarnten Ramelow sofort Gelb-Rot und entscheidet zudem auf Elfmeter. Welche Körperteile darf man eigentlich im Reflex mit der Hand schützen, Herr Krug?

Die sogenannte Schutzhand gibt es nicht, dieser Terminus ist in den Regeln bei den Männern nicht existent. Lediglich im Frauenfußball ist es erlaubt, den Brustbereich mit der Hand zu schützen. Bei Carsten Ramelow lag ein klares ahndungswürdiges Handspiel vor. Die Schiedsrichter sind zurückhaltend in der Bewertung von Handspielen, wenn beispielsweise bei einem Freistoß Spieler mit der Hand den Unterleibsbereich schützen. Entscheidend ist, ob die Hand zum Ball geht oder ob es sich um einen fußballtypischen Bewegungsablauf handelt. Von einem solchen Bewegungsablauf kann man bei der Aktion von Carsten Ramelow nicht sprechen.

Sich mit Armen und Händen vor Körpertreffern zu schützen gilt den Regeln nach nicht als fußballtypische Bewegung. Der Mensch neigt dazu, sein Gesicht zu schützen, Ramelow hätte den Ball aber auch mit der Stirn spielen können. Um nicht getroffen zu werden, hätte er sich zudem abducken oder wegdrehen können. Zwischen dem Ausführungsort des Freistoßes und Ramelow lagen neun bis zehn Meter Entfernung.

Ramelows Hand hatte nach den Regeln vor seinem Kopf nichts zu suchen. Der Ball darf im Fußball mit allen Körperteilen gespielt werden. Außer mit den Armen und den Händen.

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