Sport : Skat ohne Zuschauer

Der Sportausschuss des Bundestags tagt nicht mehr öffentlich und will sich wieder selbst finden

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Berlin - Es kam schon vor, dass Besucher des Bundestags-Sportausschusses einem Abgeordneten in die Karten schauen konnten. Von der Tribüne des Sitzungssaals im Paul-Löbe-Haus sahen sie, wie er sich mit einem Skatspiel auf dem Tablet-Computer die Zeit vertrieb, während eingeladene Experten über Doping oder Integration durch Sport redeten.

So schnell soll das nicht mehr passieren. Mit den Stimmen der Koalition aus Union und FDP hat der Sportausschuss beschlossen, seine Sitzungen fortan nicht mehr öffentlich abzuhalten. Auch weil Journalisten über die fehlende Konzentration und Kompetenz der Abgeordneten berichtet hatten. „Das ist ein schlechtes Zeichen in Zeiten, in denen sich die Menschen zunehmend Transparenz von politischen Entscheidungsprozessen wünschen“, sagt die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag von der SPD.

Der Sportausschuss war der erste Ausschuss des Bundestags, der seine Sitzungen generell für Besucher und Journalisten geöffnet hatte. Das geschah in der letzten Legislaturperiode unter dem Vorsitzenden Peter Danckert von der SPD und in einer Zeit, in der lebhaft um den richtigen Weg der Dopingbekämpfung gestritten wurde. Der Ausschuss strotzte vor so viel Selbstbewusstsein, dass Danckert sein Buch über die Sportpolitik des Bundes „Kraftmaschine Parlament“ nannte.

An sich ist der Sportausschuss vor allem für den Spitzensport zuständig. Breiten- und Nachwuchssport sind Sache der Länder und Kommunen. Durch die Einbindung der Öffentlichkeit verlieh sich der Ausschuss mehr Gewicht. „Wir sind mit dem Beschluss, alle Sitzungen öffentlich abzuhalten, Vorbild gewesen – auch der Europaausschuss tagt mittlerweile öffentlich. Jetzt haben wir unseren Vorbildcharakter verloren“, sagt Freitag.

Viel zu entscheiden hat der Sportausschuss abgesehen von der Spitzensportförderung nicht. Die Einbindung der Öffentlichkeit machte ihn jedoch zu einem Forum des Sports, in dem viele gesellschaftspolitische Fragen mit Experten erörtert wurden.

Mit der komplexer werdenden Sportwelt durch Doping, Rechtsfragen und wirtschaftliche Verflechtungen können aber nicht alle Abgeordneten Schritt halten. Ein Mitglied sagt: „Manche Wortbeiträge sind schlimmer als ahnungslos.“ Leichter haben es die Abgeordneten auch dadurch nicht, dass manche Fraktion auf einen Sportreferenten verzichtet, der ihnen qualifiziert zuarbeiten könnte.

Dass künftig niemand mehr zusieht, wertet Lutz Knopek, der sportpolitische Sprecher der FDP, als Chance für den Ausschuss: „Wir sind in einer Phase der Selbstfindung, wir müssen effizienter werden.“ Wenn in Zukunft die Tribünen leer sind, komme vielleicht mancher Abgeordnete schneller zum Punkt. Friedhard Teuffel

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