• SPIEL MEINES LEBENS: ANSGAR BRINKMANN: 29.05.1999, Eintracht Frankfurt – 1. FC Kaiserslautern 5:1 Ansgar Brinkmann, 43, Fußballer

SPIEL MEINES LEBENS: ANSGAR BRINKMANN : 29.05.1999, Eintracht Frankfurt – 1. FC Kaiserslautern 5:1 Ansgar Brinkmann, 43, Fußballer

Foto: dapd

Nach dem Spiel saß ich beim ZDF in der Maske. Und Gott fragte mich: „Mensch Herr Brinkmann, wie konnte das denn passieren?“ Mir schossen all die Sequenzen der letzten 24 Stunden durch den Kopf. Am Vorabend noch: große Voltaren-Party! Ich quälte mich ja schon seit fünf Wochen mit einer Bauchmuskelzerrung herum. Doch auch für dieses letzte Spiel musste es irgendwie zumindest für die Auswechselbank reichen. Am Nachmittag dann: 36 Grad. Im Schatten. Und den drohenden Abstieg in die Zweite Liga vor Augen. Für uns gab es nur noch diesen winzig kleinen Schimmer: Wenn Nürnberg parallel verliert, würde uns gegen Kaiserslautern ein entsprechend hoher Sieg reichen. Doch die kämpften ja ihrerseits noch um den Einzug in den Europapokal –, ein echtes Endspiel also! Bis zur 70. Minute stand es dann aber nur 1:1, und 60 000 Menschen saßen in ihrem eigenen Saft. Jörg Berger winkte mich zu sich heran und schrie: „Ansgar, du musst auf die Zähne beißen, wir brauchen dich jetzt!“ Und dann machte Thomas Sobotzik – eigentlich aus dem Nichts – das 2:1, Marco Gebhardt und Bernd Schneider erhöhten zehn Minuten vor dem Ende auf 4:1. Nürnberg lag zu diesem Zeitpunkt hinten. Sollte unser Ergebnis also ausreichen? Blieben wir tatsächlich drin? Anspannung und Herzklopfen. Doch plötzlich lief der ausgewechselte Ralf Weber an der Linie auf und ab und brüllte: „Ein Tor! Leute, wir brauchen unbedingt noch ein Tor!“ Kurz darauf das Solo von Jan-Aage Fjörtoft, letzte Minute, ewige Sekunden – 5:1, Schluss! Ein ganzes Stadion schweigt, in Nürnberg läuft die Nachspielzeit, wartet und betet. Dann der Jubelschrei, zehntausende Menschen brechen durch die Zäune und tragen uns auf Händen, Tränen, totale Erschöpfung. Anschließend die Fahrt zum Sportstudio, willkommen in der Jetztzeit: Ich und Gott in der Maske. Ich antwortete: „Herr Beckenbauer, ich weiß es doch auch nicht. Da muss ich morgen erst einmal die Tabelle studieren!“

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