Spielerkinder auf EM-Rasen : Das Kinderverbot der Uefa ist scheinheilig

Die Uefa will keine Spielerkinder mehr nach den EM-Spielen aufs Feld lassen, Stadien seien nicht der sicherste Platz für Kinder. Ein scheinheiliges Argument. Ein Kommentar.

von
Gareth Bale und Tochter Alba. Foto: imago/Sportimage
Gareth Bale und Tochter Alba.Foto: imago/Sportimage

Die Uefa hat genug von den Kinderpartys, die die Fußballer nach den EM-Spielen auf dem Rasen veranstalten. Die niedlichen Bilder nach dem 1:0-Sieg gegen Nordirland, als Wales’ Stürmer Gareth Bale mit seiner Tochter Alba unter dem Jubel der Fans auf dem Rasen herumtollte, sie auf die Schultern nahm und stolz von der Fankurve feiern ließ, sollen sich nicht wiederholen. „Es ist immer süß, wenn die Kinder auf dem Platz spielen. Das sind schöne Bilder“, sagte Martin Kallen, Turnierdirektor der Uefa am Dienstag: „Aber es ist eine Europameisterschaft und zumindest auf dem Rasen keine Familienveranstaltung.“ Stadien seien auch nicht der sicherste Platz für Kinder.

Die Auflaufkinder stehen auch nicht zur Diskussion

Verständlich ist das nicht. Das Argument der Stadiensicherheit ist ein scheinheiliges. Die Auflaufkinder, die am Beginn eines jeden Spiels an der Hand der Fußballer mit auf den Rasen gehen, stehen schließlich nicht zur Diskussion. Oder sieht die Uefa das gelassener, weil sie das M einer großen Fastfood-Kette auf dem Arm tragen?

Wenn Bales Tochter im Mini-Trikot zu ihm gelaufen kommt, dann hat das keinen gewinnbringenden Werbeeffekt für die Uefa. Nur einen für Bale. Oder Spaniens Andrés Iniesta, oder Marek Hamsik aus der Slowakei, oder eben alle, die nach einem Alles-oder-nichts-Spiel erschöpft mit dem Nachwuchs Zeit an ihrer Arbeitsstelle verbringen. Denn das ist es doch: Kind, schau dir an, wo dein Papa soeben 90 Minuten lang um einen Ball gekämpft hat, der doch, solange es dem Fußballverband reinpasst, die Weltkugel symbolisieren soll.

Die Spieler sind wandelnde Werbeunternehmen - ganz im Sinne der Uefa

Die Uefa profitiert immer gern von den gläsernen Spielern, die wandelnde Werbeunternehmen sind, im Akkord von Urlaubsyachten oder aus der Kabine twittern. Und mit ihren Kindern posieren.
Jetzt gibt sie sich gleich zweimal als den großen Spielverderber. Erst am Montag ließ sie ein von einer Privatperson zusammengeschnittenes Video sperren, das die Elfmeter-Sequenzen im Deutschland-Italien-Spiel künstlerisch übereinanderlegte. Wegen der Bildrechte.

Bürokratischer geht’s wohl nicht – und das bei einem Familienevent, das diese EM eben doch ist. Fußball ist am Ende immer noch ein Spiel, wird aber nicht zuletzt von der Uefa zum vermeintlich Bedeutendsten der Welt hochgejazzt. Vielleicht tut da ein bisschen Normalität auf dem Rasen gut. Es ist schön zu sehen, dass diese Fußballer Menschen sind, die eben ein Spiel gespielt haben.

Autor

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben