• SSV hagebau Weißenfels ist die ostdeutsche Hoffnung. Aber die Vereinssporthalle ist noch nicht einmal eines Zweitligisten würdig

Sport : SSV hagebau Weißenfels ist die ostdeutsche Hoffnung. Aber die Vereinssporthalle ist noch nicht einmal eines Zweitligisten würdig

Chaban Salih

Alles ist stockfinster. Nur drei große Scheinwerfer kreuzen quer durch die Zuschauerränge. Gleich muss etwas Tolles, etwas Atemberaubendes geschehen. Wie bei einem Pop-Konzert steigt auch schon Rauch auf. Dann ruft der Hallensprecher die zehn Basketballer des SSV hagebau Weißenfels in die Sporthalle West. Und schon traben sie unter dem Jubel der Zuschauer auf das Spielfeld: Ingo Freyer, Douglas Spradley, Santiago Ibanez Nacher und Co. So war das bisher gegen Mannschaften wie den TSV Quakenbrück, die BG Göttingen oder Rist Wedel.

Ab sofort kommen andere Gegner nach Weißenfels, namhaftere, stärkere. Am 25. September empfängt der erste ostdeutsche Basketball-Klub der Bundesliga den Rekordmeister TSV Bayer Leverkusen zu seiner Heimpremiere. Dem Spiel fiebern sie schon lange entgegen. Dann ist Show-Time wie in der NBA angesagt, mitten in Sachsen-Anhalt. Fast wie in der NBA. Aber wirklich nur fast so. Denn sobald das Licht wieder angeht, wird das große Problem des Aufsteigers sichtbar: diese Halle! Alter Parkettboden, gerade einmal tausend Sitzplätze, und die Tribüne liegt nur an einer Längsseite. "Unsere Halle reichte eigentlich nicht mal für die Zweite Liga aus", sagt Marketing-Leiter Peter Henke, der auch Partner von Alba Berlin ist.

Sportlich marschierten die "Wölfe" im Eilschritt innerhalb von vier Jahren vom Tabellenende der Regionalliga (dritte Liga) ins Oberhaus. Die Zuschauerzahlen kletterten mit. Doch mit dem Boom wurde die Halle zu eine echten Problem. Peter Henke fordert daher: "Spätestens nach dieser Saison müssen wir in eine andere Spielstätte ziehen." Einen anderen Ausweg gibt es nicht. Schließlich hat SSV-Präsident Joachim Stumpf ehrgeizige Pläne: "In drei bis fünf Jahren wollen wir uns in der nationalen Spitze etabliert haben und auch auf der europäischen Bühne mitmischen."

Für die erste Bundesliga-Saison soll zunächst der Klassenerhalt ausreichen. "Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir das schaffen. Wir konnten sechs der acht besten Spieler der vergangenen Spielzeit halten", meint Trainer Frank Menz. Nur Andre Bade und Raimondas Leikus verließen die Wölfe. Dafür kamen mit Chris Ensminger und C. C. Harrison zwei junge US-Amerikaner nach Weißenfels. Gerade von Harrison dürfen die Fans sich einiges erhoffen. Der 22jährige spielte zuletzt für die Harlem Globetrotters. Bei der Show-Truppe treten nur die trickreichsten Ballkünstler unter den Basketballern auf.

"Außerdem verpflichteten wir mit Cecil Egwuatu einen der talentiertesten deutschen Aufbauspieler", sagt Pressesprecher Holger Gemmer. Egwuatu kam vom Mitaufsteiger BCJ Hamburg. Die nötige Routine und Ruhe für die Mannschaft soll ein ehemaliger "Albatros" mitbringen: Ingo Freyer. "Flying Ingo" spielt jetzt seine zweite Saison für Weißenfels. Weitere Stützen des Teams: Bruno Roschnafsky und Douglas Spradley. "Roschnafsky war eigentlich die gesamte Saison verletzt. Doch in der Vorbereitung hat er schon gezeigt, dass er einer unserer Besten ist", meint Menz.

Insgesamt haben mit Roschnafsky, Spradley und Freyer nur drei Spieler Bundesligaerfahrung. Auch für Frank Menz, der ein Jahr bei Alba Berlin im Kader stand, aber kaum spielte, ist es als Trainer die erste Bundesligasaison bei den Männern. Mit den Damen des Berliner BBC sammelte er vor Jahren erste Erfahrungen und wurde mit ihnen sogar deutscher Vizemeister. Menz glaubt: "Mehr Druck als im letzten Jahr kriege ich bestimmt nicht. Da mussten wir jede Begegnung gewinnen, um aufzusteigen."

Die Erwartungen sind trotzdem groß. Als erster ostdeutscher Verein im Basketball-Oberhaus wollen die "Wölfe" nicht nur Weißenfels und Sachsen-Anhalt, sondern auch die anderen neuen Bundesländer würdig vertreten. In der Vorbereitung gelang ihnen dies: Bei einem Turnier in Bayreuth kamen tausend der 1400 Zuschauer aus den neuen Bundesländern, um Weißenfels anzufeuern. Frank Menz sagt: "Das, was Rostock im Fußball für die Ostdeutschen ist und Magdeburg im Handball, wollen wir für die Ostdeutschen im Basketball werden."

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