Sport : Staatsdoping im Westen? Forscher veröffentlichen heute neue Erkenntnisse

Berlin - Doping in der DDR und der Bundesrepublik schien immer leicht auseinander zu halten zu sein. In der DDR gab es Staatsdoping, in der Bundesrepublik Privatdoping, so wie es im Osten eben eine Staatswirtschaft gab und im Westen eine Privatwirtschaft. Doch die Grenzen lassen sich doch nicht so leicht ziehen. Auch in der Bundesrepublik gab es staatlich geduldetes, ja sogar mit staatlicher Forschung gefördertes Doping und vom Staat gefordertes Doping. Am Montag wollen Forschergruppen dazu nähere Ergebnisse in Berlin vorstellen. Dazu gehört auch der Umstand, dass vor der Wende Sportmediziner mit Fördergeldern des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) nach leistungssteigernden Effekten von synthetischen Anabolika und Testosteron geforscht haben. Das BISp untersteht dem Bundesinnenministerium.

Diese Tatsache war bekannt, Sporthistoriker der Berliner Humboldt-Universität und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wollen sie nun im Detail darstellen. Brisant daran ist auch, dass sie ihren Forschungsauftrag just von jenem BISp bekommen haben. Der „Spiegel“ berichtete vorab aus den Forschungsergebnissen, dass vor den Olympischen Spielen 1972 aus dem Bundesinnenministerium in Bonn „eindeutige Signale“ gekommen seien, „alle Mittel zu nutzen“. Für die westdeutschen Sportmediziner sei das BISp ein „lukratives Finanzierungsinstrument“ gewesen. Profitiert habe davon vor allem die Abteilung Sport- und Leistungsmedizin der Universität Freiburg sowie das Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln. In Freiburg wirkten vor allem die Professoren Armin Klümper und Joseph Keul. Steuergelder seien „ohne echte Kontrolle verwendet“ worden, erklärten die Historiker. Das BISp hat bisher dazu keine Stellung genommen, das könnte es an diesem Montag nachholen. teu/sid

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