Stadionverbote : Im Griff des Gesetzes

Gerhard Amschler will in einem Berliner Biergarten seine Fanklub-Fahne aufhängen, die Polizei hat etwas dagegen. Ein Beispiel dafür, wie Stadionverbote den Falschen treffen können.

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Tatort Stadiongaststätte. Es gibt zwei Versionen davon, was vor dem Olympiastadion geschah. Fest steht: Am Ende wird Amschler abgeführt und mit drei Jahren Stadionverbot belegt.
Tatort Stadiongaststätte. Es gibt zwei Versionen davon, was vor dem Olympiastadion geschah. Fest steht: Am Ende wird Amschler...Foto: privat

Der 6. August 2011 ist ein schöner Tag für Gerhard Amschler. Bis zum Verlassen des Olympiastadions. Der Nürnberger Fan, 52 Jahre alt, Taxiunternehmer, hat eine Wochenend-Busreise für seinen Fanklub nach Berlin organisiert. Einen Familienausflug, mit Frauen und Kindern. Nach dem 1:0-Sieg ihres 1. FC Nürnberg bei Hertha BSC wollen sie im Biergarten des Lokals neben der Arena feiern. Die Fanklub-Fahne baumelt über der Brüstung, laut Amschler mit Genehmigung des Wirtes. Und gerade wollen sich alle davor postieren, um ein Erinnerungsfoto zu schießen – da passiert, was Amschler noch immer um Fassung ringen lässt: „Das hat mich völlig überrollt. Ich hätte nie geglaubt, dass ich nach vierzig Jahren Auswärtsfahrten so etwas erleben muss.“ Heino Hassler, der Fanbeauftragte des 1. FC Nürnberg, ist zufällig Augenzeuge und spricht heute von „einem klassischen Beispiel dafür, wie eine Aktion nicht laufen sollte. Und die darin gipfelt, dass das Opfer noch Stadionverbot bekommt.“ Stadionverbot für das Aufhängen einer Fahne? Es klingt absurd. Zumindest aber wirft der Fall ein seltsames Licht auf die Stadionverbotsrichtlinien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Die Polizei, so viel ist klar, muss die große rot-schwarze Flagge für eine Provokation der Berliner Fans halten. Beamte stürmen in den Biergarten und fordern Amschler auf, den Stoff zu entfernen. Das, so schildern er und zahlreiche Zeugen, wollte er auch tun – aber die Knoten sind so fest, dass es den Polizisten offenbar zu lange dauert. Ein Beamter zückt ein Messer, Amschler will das Zerschneiden seiner Fahne verhindern. „Bitte nicht, Sie dürfen mein Eigentum nicht zerstören“, will er gesagt haben. Die Beamten reagieren nicht. „Ich hatte keine Chance mehr. Die hatten ihren Einsatzbefehl und sind brutal auf mich losgegangen. Dann wurde ich vor den Augen meines Sohnes und meiner Frau gefesselt abgeführt.“

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