Sport : Stiche, die das Herz öffnen

Frankfurt will im DFB-Pokal die Erstligareife testen

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Risikospiel. Meier (r.) will gegen Lautern jubeln – und hofft auf ruhige Fans.Foto: dpa
Risikospiel. Meier (r.) will gegen Lautern jubeln – und hofft auf ruhige Fans.Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Es war, als hätte es das vergangene Jahr nicht gegeben. Die Flanke senkte sich sanft auf den linken Fuß von Alexander Meier, der den Ball aus dem Flug gefühlvoll in die rechte Torecke dirigierte. „Auch wenn das Tor wie ein Stich in mein Herz war, so hat es doch mein Herz geöffnet“, sagte der Trainer des Gegners, Milan Sasic, zu Meiers 3:0 gegen den MSV Duisburg. „Es freut einen einfach, so etwas zu sehen.“

Auch bei Eintracht Frankfurt freut man sich, dass Meier wieder solche Tore schießt, bereits acht in elf Spielen. Der beste Schütze der Zweiten Liga hat den Absteiger damit auf Aufstiegsplatz zwei befördert und würde Frankfurt heute gegen den 1. FC Kaiserslautern gerne ins Achtelfinale des DFB-Pokals helfen.

Der Mittelfeldspieler spielt im achten Jahr bei Eintracht Frankfurt, es ist eine fast schon symbiotische Beziehung: Geht es der Eintracht gut, dann auch Meier, und trifft er, gewinnt Frankfurt meist. Trotz seiner 1,95 Meter war der 28-Jährige stets ein wenig unscheinbar, wie sein Klub leistungsmäßig in der Mittelklasse der Bundesliga angesiedelt, aber immer, wenn er fit war, für sechs bis zehn Tore gut. „Letzte Saison spielte er schlecht, und wir sind prompt abgestiegen“, analysierte Vorstandschef Heribert Bruchhagen.

Im Sommer erneuerte sich die Eintracht hektisch. Bruno Hübner wurde Manager, Armin Veh, einst Meistertrainer in Stuttgart, ersetzte den wirren Christoph Daum, zwölf neue Spieler kamen, dreizehn gingen. Doch es waren vor allem die alten wie Meier, die das neue Team zum ungeschlagenen Start führten: Benjamin Köhler, über den sich dasselbe sagen lässt wie über Meier, nur dass er drei Jahre älter ist und zwei Köpfe kleiner, und der ewige Oka Nikolov, der auch im 21. Jahr noch im Eintracht-Tor steht. Sie alle haben wieder zu alter Leistungsstärke gefunden, die für Bundesligaverhältnisse durchschnittlich sein mag, aber für Zweitligabelange überqualifiziert ist. Fünf Mal gewannen die Frankfurter zuletzt in Serie, auch weil die neuen Stürmer Mohamadou Idrissou (fünf Tore in seinen ersten drei Spielen) und Erwin Hoffer (drei Tore in den vergangenen drei Spielen) in Liga zwei unterfordert scheinen. Dabei will nicht nur Hoffer gegen seinen vorherigen Klub Kaiserslautern testen, ob er schon wieder bundesligareif ist. „Ich sehe uns auf Augenhöhe mit Kaiserslautern, weil wir eine gute Mannschaft haben, die auch in der Ersten Liga bestehen könnte“, findet Trainer Veh.

Die Einzigen, die von Bundesligareife bisher weit entfernt waren, sind einige Fans der Eintracht, die auch in Liga zwei unangenehm auffielen. Das Pokalspiel wird auch für sie zum Test. „Dass sich die beiden Fangruppen nicht sonderlich mögen, ist hinlänglich bekannt“, sagte ein Polizeisprecher vor dem Risikospiel, „es wird viel zu tun geben für die Polizei.“ Aber vielleicht versöhnt Meier ja alle Fans mit Stichen, die das Herz öffnen.

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