• Stimmungsbarometer von der Mitgliederversammlung : „Hertha im Dialog“: launig bis ernst

Stimmungsbarometer von der Mitgliederversammlung : „Hertha im Dialog“: launig bis ernst

Die Stadionfrage und Vorfälle in der Fankurve sind die bestimmenden Themen.

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Wo sehen Herthas Fans in Zukunft die Heimspiele? Diese Frage ist weiter offen.
Wo sehen Herthas Fans in Zukunft die Heimspiele? Diese Frage ist weiter offen.Foto: dpa

Axel Kruses erster Satz klingt erst einmal ernüchternd. „Die Beteiligung in diesem Jahr war ziemlich dünne“, sagt der ehemalige Stürmer von Hertha BSC zur Eröffnung. Kruse nimmt am Montagabend eine etwas andere Rolle ein: die des Moderators. „Ihr habt ja kaum Fragen eingereicht.“ Dabei geht es eine Woche vor der ordentlichen Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten, beim mittlerweile traditionellen Treffen „Hertha im Dialog“, ja genau darum: Austausch, Anregungen, Diskussionen.

Die Veranstaltung ist immer auch eine Art Stimmungsbarometer. Ein Abend, um zu erforschen, was dem Anhang Dringendes auf der Seele liegt, was ihn beschäftigt und womöglich aufbringt. Wenn das im Kalenderjahr 2017 wieder so zutrifft, können sie sich im Verein auf eine recht ruhige Versammlung am kommenden Montag gefasst machen. „Wir haben nicht eine Frage zur Profi-Mannschaft bekommen“, sagt Kruse und spricht Michael Preetz, den alten Teamkollegen und heutigen Manager, direkt an: „Muss man sich mal vorstellen.“

Trotz der Zurückhaltung im schriftlichen Bereich dauert die Zusammenkunft in einem Bistro auf dem Gelände des Olympiaparks gut eine Stunde und erweist sich als recht launig und unterhaltsam. Die Herren aus dem Vorstand, also Präsident Werner Gegenbauer und die Geschäftsführer Ingo Schiller (Finanzen) und Preetz (Sport), arbeiten die dringlichsten Themen ab, angefangen natürlich bei der Stadion-Kontroverse. Umbau oder Neubau? Mit Laufbahn oder künftig ohne? Fragen über Fragen.

Präsident Gegenbauer hält sich zurück

Hier hält sich Gegenbauer allerdings merklich zurück, so wie er es im Grunde seit Wochen tut. „Sehen Sie uns bitte nach, dass wir die Gespräche mit dem Senat nicht öffentlich kommentieren werden“, sagt der Präsident, „wir werden uns an die Vereinbarung halten und am Ende des Jahres eine Zwischenbilanz ziehen.“ Man könne sich aber vorstellen, so Gegenbauer weiter, dass die Situation schwieriger und komplexer sei, als das gemeinhin angenommen wird. Sicher ist wohl nur: Die Debatte wird den Verein noch eine ganze Weile lang beschäftigen.

Aufgewühlt haben den Verein und die Fans aber nicht nur die Stadion-Debatte und die Zukunftspläne, sondern auch die Geschehnisse in den Arenen von Rostock bis eben Berlin, die für Herthas Außendarstellung nicht gerade förderlich waren. Beim Pokalspiel gegen den FC Hansa etwa hatte es im August hässliche Bilder aus beiden Fanlagern gegeben; Chaoten brannten Pyros ab, vernebelten den Platz und lösten einen Polizei-Großeinsatz aus. „Das hat uns eine Rekordstrafe von 100 000 Euro eingebracht, verpulvert im Rostocker Nachthimmel“, schimpfte Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller, „dieses Geld haben wir für nichts ausgegeben, total sinnlos.“

„Das nervt uns einfach alle“

Solche Vorfälle werde man in Zukunft nicht mehr hinnehmen und „entschieden dagegen vorgehen“ – ebenso gegen die Fans, die sich seit Wochen eine Privatfehde mit Anhängern des 1. FC Köln liefern und im letzten Heimspiel gegen die Rheinländer geschmacklose Spruchbänder in die Luft gehalten hatten. „Das nervt uns einfach alle“, betonte Schiller, „weil so etwas in Fußballstadien und auch überall sonst nichts verloren hat.“ Da herrschte bei allen Einigkeit.

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