Streit um Zweitliga-Lizenz : RB Leipzig rüstet sich zum Kampf gegen die DFL

Sportlich hat Rasenballsport Leipzig den Aufstieg in die Zweite Liga geschafft. Aber die Lizenz hat der Klub nur unter Bedingungen erhalten. Das erzürnt Geldgeber Dietrich Mateschitz. Ein Kommentar.

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Aufstiegsjubel der Leipziger Fans nach dem Sieg über den 1. FC Saarbrücken.
Aufstiegsjubel der Leipziger Fans nach dem Sieg über den 1. FC Saarbrücken.Foto: Imago

Ein bisschen Theater ist natürlich auch dabei. Vielleicht sogar ein bisschen viel. Dietrich Mateschitz, der Chef von Red Bull, hat mit Wucht auf die Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) reagiert, seinem Verein Rasenballsport Leipzig die Lizenz für die Zweite Liga nur unter bestimmten Bedingungen zu erteilen. Mateschitz, so viel Widerspruch nicht gewohnt, hat sogar mit dem … Ja, womit hat er eigentlich gedroht: mit dem Schlimmsten? Mit dem Schönsten? Auf jeden Fall mit dem Äußersten: „Jetzt, wo alles auch sportlich funktioniert, droht das Aus.“

Mit anderen Worten: Wenn wir nicht in die Zweite Liga dürfen, machen wir den Laden hier wieder dicht. Trotzdem ist erst einmal nicht damit zu rechnen, dass der Verein Rasenballsport auf die gleiche Art verschwindet, wie er vor fünf Jahren entstanden ist – mit einem leichten Federstrich des Brausemilliardärs Mateschitz, dem der Fußball vor allem als Werbeplattform dient. Wahrscheinlicher ist, dass sich der mächtige Konzern mit allen juristischen Mitteln gegen die DFL zur Wehr setzen wird.

Mateschitz dient der Fußball vor allem als Werbeplattform

Dem deutschen Fußball droht ein heißer Sommer. Moralisch ist die DFL im Recht, weil das Konstrukt RBL dem Geist der heiligen 50+1-Regel zuwiderläuft und der Klub dadurch einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil genießt. Formaljuristisch sieht die Sache anders aus. Die 50+1-Regel gilt nur für Kapitalgesellschaften, nicht für Vereine – das aber ist Rasenballsport seiner Rechtsform nach. Allerdings ein Verein, in den man de facto ohne Red-Bull-Bezug nicht eintreten kann und (bei 800 Euro Jahresbeitrag) auch eher nicht eintreten will.

Dass die Statuten der DFL in diesem Fall nicht greifen, ist kein Zufall. RBL ist genau für solche Grauzonen konstruiert worden. Gerade darin sieht der frühere DFL-Geschäftsführer Christian Müller „eine echte Provokation für das Regelwerk des deutschen Fußballs“. Ob das auch juristisch relevant ist, ist wiederum eine andere Frage. Genau diese Vorbehalte aber hat Mateschitz im Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“ jetzt noch einmal bestätigt – wenn auch vermutlich ungewollt: Dass Red Bull kein Mitspracherecht bei Rasenballsport haben dürfe, das sei ein unsittlicher Antrag und könne sportlich nie und nimmer funktionieren. Genau das aber – dass ein einzelner Geldgeber keinen Einfluss auf die Vereinspolitik nehmen darf – ist der Sinn der 50+1-Regel.

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