SYLVIA SCHENK : „In Deutschland fehlt nicht das Geld, es fehlt der Wille“

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Frau Schenk, führte ein Weg an der Aberkennung von Armstrongs Toursiegen durch die UCI vorbei?

Nein, allerdings hat die UCI nur das absolute Minimum verkündet. Entscheidende Fragen wurden noch nicht beantwortet.

Beispielsweise
was mit Armstrongs Titeln passiert?

Für die UCI ist dies ein Riesenproblem, ja. Sie steht vor einem Scherbenhaufen: Eigentlich müsste jemand nachrücken, das wird allerdings der Öffentlichkeit kaum zu verkaufen sein. Wenn sie das jedoch nicht tun, hieße das, dass alle anderen auch potenzielle Doper gewesen sind. Damit würde die Unschuldsvermutung der Vergangenheit angehören.

Ist eine Dokumentation, wie von der US-Anti-Doping-Agentur vorgelegt, in Deutschland möglich?

Die Amerikaner sind Deutschland auch generell bei der Anti-Korruptionsbekämpfung ein Stück voraus. Dennoch zeigt dieser Fall, dass es oftmals von der Hartnäckigkeit einzelner Personen abhängt, die notwendigen Ressourcen auftreiben.

Fehlt hierzulande nicht das Geld? 

Nicht unbedingt. Vor allem fehlt der Wille.

Kann man durch Gesetzesänderungen einen Anstoß geben, um die Aufarbeitung der Vergangenheit auch in Deutschland voranzutreiben? 

Wir brauchen ein Whistleblowing-System im Radsport, also Fahrer, die verdächtige Beobachtungen machen – auch wenn sie selber sauber sind – und diese anonym weitergeben können. Vor allem aber muss die Vergangenheit aufgearbeitet und nicht abgetan werden. Sonst dümpelt der Radsport weiter vor sich hin.

Das Gespräch führte

Nicolas Diekmann.

Sylvia Schenk, 60, war von 2001 bis 2004 Präsidentin des Bunds Deutscher Radfahrer. Seit Jahren ist sie für Transparency International tätig.

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