Tabellenführer in der Zweiten Liga : 1. FC Union: Zwingend wie der FC Bayern

Der 1. FC Union Berlin spielt so selbstbewusst, dass der Lauf der Köpenicker nicht mehr zu stoppen sein wird. Die Köpenicker sollten anfangen, für die Bundesliga zu planen. Ein Kommentar.

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Immer weiter nach oben. Unions Damir Kreilach jubelt nach dem Abpfiff gegen Nürnberg.
Immer weiter nach oben. Unions Damir Kreilach jubelt nach dem Abpfiff gegen Nürnberg.Foto: dpa

Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey! Das haben sie laut und oft und völlig zu Recht gebrüllt am Montagabend im Berliner Südosten. Der 1. FC Union Berlin ist ganz oben in der Zweiten Bundesliga und träumt vom Aufstieg in die Bundesliga. Nie war er so nah wie in diesen Tagen, und nie hat Union diese Bereitschaft so eindrucksvoll demonstriert. Dieses 1:0 am Montag über den 1. FC Nürnberg war mehr als ein mit drei Punkten belohntes Erfolgserlebnis gegen ein konkurrierendes Unternehmen in der Zweiten Liga. Es war der über 90 Minuten nachgewiesene Anspruch, den nächsten Schritt zu machen, und wer mag noch daran zweifeln, dass er gelingt?

2013 war Union ein One-Weekend-Wonder

Union war schon mal auf Platz eins in der Zweiten Liga. Im September 2013, der Trainer hieß damals noch Uwe Neuhaus. Die Saison hatte gerade erst begonnen, aber die Begeisterung war groß. Sie währte nicht mal eine Woche, dann kam die SpVgg Greuther Fürth nach Köpenick und siegte 4:2 über eine hasenfüßige Mannschaft, deren rote Trikots nur der Farbenlehre nach für Angriffsbereitschaft standen. Das war es dann auch schon. Union war ein One-Weekend-Wonder, ein stolzer Herrscher über einen Spieltag, aber das war es dann auch schon.

Was für ein Unterschied zum Frühjahr 2017! Union hat am Montag keinen großartigen Fußball gespielt beim 1:0 über den 1. FC Nürnberg, aber das ist auch nicht der Maßstab, an dem großartige Mannschaften  gemessen werden. Viel wichtiger ist die Attitüde, die der Gegner zu spüren bekommt. Diese von der ersten bis zur letzten Minute offen zur Schau getragene Ausstrahlung einer Spitzenmannschaft, die ihren Gegner spüren lässt: Sorry, hier läuft heute nichts für euch! Ihr könnt machen, was ihr wollt, am Ende werden nur wir gewinnen! Wir sind der Souverän, ihr seid der zur Niederlage verurteilte Gast, der immer gern gesehen ist zum Abliefern von drei Punkten!

Erst mit dem Kopf, dann mit den Füßen

Genau so hat Union am Montag gespielt. Wie früher der FC Bayern München, der seine Gegner auch erst mit dem Kopf besiegt hat und dann mit dem Füßen. Unter dem neuen Trainer Jens Keller hat Union das Zwingende gewonnen, das in den vergangenen Jahren immer gefehlt hat.

Noch stehen neun Spieltage in der Zeiten Liga aus, Unions Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt gerade drei Punkte, aber viel schwerer wiegt die Selbstgewissheit, mit der die Berliner in dieses letzte Viertel der Saison gehen. Dieser Lauf wird nicht mehr zu stoppen sein. Natürlich wird es der so angenehm zurückhaltend auftretende Trainer Jens Keller nicht gern hören und erst recht nicht so sagen aber: Union wird in die Bundesliga aufsteigen, auch wenn das Restprogramm heftig ist mit den noch folgenden Auswärtsspiele bei den Rivalen Hannover 96, VfB Stuttgart und Eintracht Braunschweig. Wetten werden an dieser Stelle gern entgegen genommen. Und genau deswegen muss jetzt die Vorbereitung auf die Zeit danach beginnen. Denn fußballtechnisch ist Union, bei allem Respekt, noch ein gutes Stück entfernt vom Bundesliga-Standard. Das in der Zweiten Liga gewachsene Selbstvertrauen allein wird eine Klasse weiter oben nicht reichen.

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