Sport : Teamchef Erich Ribbeck ersetzt den geschassten Uli Stielike durch Horst Hrubesch

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Nach der am Sonntag vollzogenen Trennung von seinem Assistenten Uli Stielike hat Teamchef Erich Ribbeck überraschend den ehemaligen Nationalspieler und Coach der A-2-Auswahl Horst Hrubesch zu dessen Nachfolger benannt. Überraschend deswegen, weil die Erfolgsvita von Horst Hrubesch als Trainer doch eher bescheiden ausfällt. "Wichtig ist, in der Endphase vor der EM professionell und in größtmöglicher Ruhe arbeiten zu können. Dem Erfolg bei der EM ist alles unterzuordnen. Das erwarte ich von allen - von mir, von der Mannschaft und von den Kotrainern. Ich werde dies auch weiter konsequent verfolgen", erklärte Ribbeck vier Wochen vor EM-Beginn. Mit in den Stab hat er außerdem Erich Rutemöller beordert, noch in dieser Woche will er mit seinem neuen Trainerteam über die EM-Planung sprechen.

Das hatte er offensichtlich mit Stielike gar nicht oder zu spät getan. Zu unterschiedlich waren die Auffassungen der beiden, wie der Nationalmannschaft wieder auf die Beine geholfen werden könnte. So forderte Stielike, den Abwehrverbund auf die zeitgemässere Raumdeckung umzustellen. Eine Vorstellung, mit der Ribbeck nichts anzufangen weiß - folglich hatte er den 39-Jährigen Lothar Matthäus als Abwehrchef zurückgeholt.

Dass ihm der neue Mann nun in die Taktik redet, ist eher nicht zu erwarten. Der 49-jährige Hrubesch gilt als extrem loyal und hat dies am Montag nach seiner Beförderung auch gleich bewiesen. "Die Kompetenzen sind klar verteilt. Erich Ribbeck ist der verantwortliche Mann. Er hat das alleinige Sagen", erklärte er. Welche Aufgaben er selber erfüllen soll, ist allerdings unklar. Das Modell, das der DFB nach der Pleite bei der WM 1998 eingeführt hatte und wonach ein PR-Stratege (Ribbeck) und ein Trainer (Stielike) gemeinsam die Nationalmannschaft führen sollten, darf schon länger als gescheitert betrachtet werden. Ribbeck, obwohl in Fachkreisen als wenig kompetent geltend, lässt sich in taktischen, personellen und trainings-technischen Dingen nichts sagen.

Horst Hrubesch hatte in den siebziger Jahren mit Toren beim Zweitligisten Rot-Weiß Essen auf sich aufmerksam gemacht. 1978 wechselte er zum Hamburger SV, wo er zunächst mit Kritik überschüttet und von den Rängen bei jedem Fehler ausgepfiffen wurde. Doch der lange Kerl aus Hamm in Westfalen ließ sich nicht unterkriegen, wurde zum gefürchteten Torjäger mit dem Beinamen "Ungeheuer" und führte die deutsche Nationalmannschaft 1980 in Rom mit zwei Finaltreffern gegen Belgien zur Europameisterschaft. In 21 Länderspielen erzielte Hrubesch sechs Tore und bestritt 1982 unter Trainer Jupp Derwall in Spanien das Finale der Weltmeisterschaft. Mit dem HSV holte Hrubesch 1983 den Europacup der Landesmeister, drei Deutsche Meisterschaften und wurde im EM-Jahr 1980 Bundesliga-Torschützenkönig. Doch drei Jahre später trennten sich die Wege. Über Standard Lüttich kehrte er 1985 zu Borussia Dortmund in die Bundesliga zurück, konnte an alte Leistungen aber nicht mehr anschließen. Nach einer Leistenoperation beendete Hrubesch 1986 seine Laufbahn.

Die Erfolge als Trainer blieben allerdings rar. Wie bei seiner ersten Station, Rot-Weiß Essen, endeten seine Engagements meist vorzeitig. Nach kurzen Gastspielen bei Hansa Rostock, Dynamo Dresden und Austria Wien wechselte Hrubesch im April 1997 als Kotrainer der U16- und U17-Nationalmannschaft zunächst für vier Monate zum Deutschen Fußball- Bund (DFB). Einen Abstecher in die Türkei zu Samsunspor beendete der gelernte Dachdecker nach nicht einmal 100 Tagen und kehrte zum DFB zurück. Es hat sich für ihn gelohnt.Die Nationalmannschaft im Internet

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