Tischtennis-Finale : Eastside kann die Champions League gewinnen

Die Tischtennisspielerinnen des TTC Berlin Eastside haben jetzt im Finalrückspiel der Champions League in Österreich große Chancen auf den Titel. Sie würden an eine große Tradition anknüpfen.

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Doris Hovestädt, Europapokalsiegerin 1968 und 1969. Foto: Teuffel
Doris Hovestädt, Europapokalsiegerin 1968 und 1969. Foto: Teuffel

Berlin - An diesem Montag könnte sich eine lange Geschichte fortschreiben. Eine, die in den sechziger Jahren begann, von der Politik unterbrochen wurde und jetzt wieder auflebt. Die Geschichte vom erfolgreichen Europapokal-Tischtennis in Berlin. Den Frauen des TTC Eastside fehlt nur ein Sieg oder eine knappe Niederlage im Final-Rückspiel beim österreichischen Klub SV Schwechat, dann hätten sie die Champions League gewonnen (19.30 Uhr, live im Internet auf www.laola1.tv). Das Hinspiel vor zweieinhalb Wochen hatten die Berlinerinnen mit 3:2 für sich entschieden.

Die Spielerinnen des TTC Eastside würden damit an eine große Tradition anknüpfen. 1968 und 1969 hatte die Ost-Berliner BSG Außenhandel zweimal den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Die beiden Spitzenspielerinnen waren Gabriele Geißler und Doris Hovestädt. „Die anderen Mannschaften hatten immer eine Superspielerin, aber wir hatten zwei starke Spielerinnen“, erzählt die 68 Jahre alte Doris Hovestädt heute. Tischtennis gehörte nicht zu den Lieblingsspielen der DDR-Sportführung. Damals war Tischtennis noch nicht olympisch und brachte wenig internationale Aufmerksamkeit ein. So wurden die Tischtennisspielerinnen mit ihrer Abteilung vom großen Leistungssportklub TSC Berlin getrennt und dem Ministerium für Außenhandel zugeteilt. „Für uns war das gar nicht schlecht, das Ministerium hatte Geld und wir haben dort eine Anstellung bekommen“, sagt Hovestädt. Die Europapokalspiele seien Höhepunkte gewesen, „da sind wir auch mal eine Woche unterwegs gewesen“. Reisen ins Ausland waren für sie eine Motivation. „Bei den Spielen der nicht-olympischen Sportarten waren wir 1963 vier Wochen in Jakarta.“

Geißler wurde 1969 in München Vizeweltmeisterin im Einzel, Hovestädt erreichte bei der EM 1970 in Moskau das Viertelfinale. Doch die Sportführung der DDR hatte da schon ein Urteil über Tischtennis gesprochen. Mit dem Leistungssportbeschluss von 1969 teilte sie den Sport in zwei Teile, den olympiamedaillenträchtigen und den Rest. Der erste Teil wurde gefördert, der zweite nicht.

„Sie haben uns gesagt, dass wir nur noch zu Weltmeisterschaften fahren dürfen, wenn wir garantieren, dass wir eine Medaille gewinnen. Das konnten wir natürlich nicht“, sagt Hovestädt. Die DDR nahm ab 1972 nicht mehr an Europa- und Weltmeisterschaften im Tischtennis teil. Hovestädt hörte daraufhin mit dem Leistungssport auf. „Ich wollte es richtig machen oder gar nicht.“ Geißler war zuvor wegen Kritik am Verbandstrainer und angeblicher Kontakte in den Westen aus dem Kader ausgeschlossen worden.

Von der BSG Außenhandel bis zu Eastside lässt sich eine Linie ziehen. Denn die Tischtennisspielerinnen kehrten nach der Wende zum Berliner TSC zurück, daraus wurde zwischenzeitlich 3B Berlin und jetzt heißt der Club Eastside. Auch der wichtigste europäische Wettbewerb trägt heute einen anderen Namen, Champions League. Noch kein deutsches Frauenteam hat ihn bisher gewinnen können.

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