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Tour de France : Ende aller Ehren: Tony Martin muss verletzt aufgeben

Für den bisherigen Gesamtführenden Tony Martin ist die Tour de France beendet. Nach einem Sturz kurz vor dem Ziel der sechsten Etappe zog sich der Deutsche einen Schlüsselbeinbruch und muss verletzungsbedingt aufgeben.

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Tony Martin bei der Zielankunft, der verletzte linke Arm bereitet ihm sichtlich Schmerzen.
Tony Martin bei der Zielankunft, der verletzte linke Arm bereitet ihm sichtlich Schmerzen.Foto: Reuters

Die Tour de France bringt ihren Leadern kein Glück. Nach Fabian Cancellara stürzte nun auf der sechsten Etappe auch Tony Martin im Gelben Trikot. Die Diagnose dort lautete Schlüsselbeinbruch und bedeutete am Donnerstagabend das Tour-Aus für den Deutschen.

Der Krankenwagen fuhr mit Blaulicht und Sirene vorbei am Teambus von Etixx Quick Step. „Da ist er drin, da müsst ihr fragen, was los ist“, sagte der bedrückte Rennstallchef Patrick Lefevere. Er sprach von Martin, seinem gestürzten Spitzenfahrer, der sich nur drei Renntage seines Gelben Trikots des Gesamtführenden erfreuen konnte. Da wusste Lefevere zwar noch nicht, dass Martin sich das Schlüsselbein gebrochen hatte, aber er ahnte es bereits. „Es ist bitter, auf diese Weise Gelb zu verlieren“, sagte er, um sich schnell zu verbessern: „Ich hoffe, dass Tony es nicht verliert.“

Am späten Abend waren alle Hoffnungen vorbei. „Es handelt sich um einen offenen Bruch mit vielen Trümmern. Ein Knochenteil stieß sogar durch die Haut. Es handelt sich also um einen offenen Bruch. Selbst wenn Tony starten wollte, hätte ich es ihm verbieten müssen“, erklärte Teamarzt Helge Riepenhof. Wegen des durchgestoßenen Knochens befürchtete er eine Infektionsgefahr. Er ließ seinen Schützling umgehend ins Unfallkrankenhaus Hamburg bringen, das Partnerkrankenhaus des Rennstalls.

Mit Tony Martin verliert die Tour de France ihren bisherigen Hauptprotagonisten

Martin selbst war sehr betrübt über das Ausscheiden. Er ertrug es aber tapfer. „Ich habe zwar gehofft, dass ich weitermachen und das Gelbe Trikot weiter ehren kann, sogar mit dem Bruch. Aber jetzt ist klar, dass ich ins Krankenhaus zur Operation muss. Das ist zwar schwer zu akzeptieren. Aber das ist die Tour“, sagte Martin im Teamhotel in Pont-l'Eveque. Es trug ironischerweise den Namen „Zum Goldenen Löwen“. Ein goldfarbener Löwe wird jedem Führenden im Gesamtklassement verliehen. Drei dieser Plüschtiere sammelten sich mittlerweile im Teambus von Etixx an.

Mit Tony Martin verliert die Tour de France ihren bisherigen Hauptprotagonisten. Der 30-Jährige war Held und Anti-Held, Leidensmann und Strahlemann zugleich. Drei Tage jagte er als Zweiter des Klassements dem Gelben Trikot hinterher. Erst hatte er fünf Sekunden Rückstand auf Rohan Dennis, dann drei Sekunden auf Fabian Cancellara, schließlich eine Sekunde auf Chris Froome. Auf der vierten Etappe holte Martin dann allerdings den Tagessieg, der ihm Gelb bescherte. Pikanterweise gelang ihm dieser Erfolg auf einem geborgten Rad.

Drei Tage dauerte nun sein Glück an. Dann kam das böse Erwachen. Zum Sturzhergang konnte Martin wenig sagen. „Ich berührte das Hinterrad eines Fahrers von Team Europcar. Die Situation war stressig wie immer. Leider ziehen die Stürze, die bei geringer Geschwindigkeit erfolgen, oft die schwersten Verletzungen nach sich“, bilanzierte er.

Die nächsten Tage wird nur noch André Greipel die Farben hochhalten

Als echter Teamplayer freute er sich dennoch über den Tagessieg seines tschechischen Teamkollegen Zdenek Stybar. Und auch ein wenig lachen konnte er schon wieder.

An der Siegerehrung hatte Martin pflichtbewusst noch teilgenommen. Dort produzierte der deutsche Radsport noch einmal die Erfolgsbilder dieser Tour: Martin zwängte sich mit steifem Arm in Gelb, André Greipel präsentierte Grün.

Die nächsten Tage wird nur noch Greipel die Farben hochhalten. Tony Martin bleibt nun die Rolle als eines Champions der Herzen.

Bei seinem Team Etixx Quick Step richtete sich allerdings der Blick schon wieder auf die nächsten Tage. „Es ist schade, dass Tony ausfällt. Er ist für den Sprintzug für Mark Cavendish ein wichtiger Mann“, meinte Teamboss Lefevere. Radsport ist ein brutales und ein schnelllebiges Geschäft. Meriten verwelken. Nur das Jetzt zählt.

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